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Grundbedingungen der chem. Vorgängen: 1. Alle chem. Vorgängen erfolgen nur bei unnittelbarſter Be⸗ rührung der beteiligten Körper, weeil die chem. Anz. ähnlich wie Kohäſion und Adhäſion nicht in die Ferne wirkt(im Gegenſ. zu den Fernewirkungen). 2. Alle chem. Vorgänge erfolgen nur innerhalb beſtimmter, meiſt höherer Temperaturen, weil die Beweglichkeit der Atome durch die Kohäſion der Moleküle unter einander und der Atome in den einzelnen Molekülen gehindert iſt, ähnlich wie das Waſſer erſt bei 100⁰ unter Aufwallen verdampft, wo die Kohäſion der Moleküle ſo geſchwächt iſt, daß dieſelben in Gasform entweichen können. Wir unterſcheiden 1. Vereinigungstemp., bei Verbrenn⸗ ungen Entzündungstemp. genannt, 2. Zerſetzungstemp., 3. Reduktionstemp., 4. kommt hinzu die Reaktionstemp., bei der Wechſelzerſetzungen ſtattfinden.— Wie jedoch das Waſſer nicht erſt bei 1000, ſondern innerhalb der Grenzen Oo und 1000 verdampft, ſo findet auch ein chem. Vorgang innerhalb beſtimmter Temperaturgrenzen ſtatt, entweder langſamer oder raſcher. Phos⸗ phor oxydiert ſich bei gewöhnl. Temp. langſam, mit zunehmender Wärme immer raſcher, zuletzt bei ſeiner Entzündungstemp. 60° ſehr lebhaft unter Licht⸗ und Wärmeentwicklung. Unter den obigen 4 Reaktionstemp. haben wir alſo immer einen Wärmezuſtand zu verſtehen, der von 2 Temp. begrenzt iſt. Vergl. S. 43.— Statt der Wärme kann jede die molekularen Anziehungskräfte ſchwächende Urſache den Eintritt eines chem. Vorgangs begünſtigen, alſo gleich⸗ ſam als Hilfskraft wirken, z. B. die Elektricität, das Licht, die Verflüſſigung u. ſ. w.
Scheinbare Ausnahmen von dem thermochem. Grundſatz. Warum verbrennt z. B. 8 zu 80, und nicht zu 80=¼, deſſen Bildung doch mehr Wärme entwickelt? 803 iſt bei der hohen Temp., die bei ſeiner Bildung entſtehen würde, nicht beſtändig und müßte alſo wieder in 80.+ O zer⸗
fallen. Nach der Abkühlung können ſich aber dieſe Zerſetzungsprodukte nicht mehr vereinigen.
Thermochem. Einteilung der chem. Vorgänge.
1. Die direkten Vorgänge(die Additionen, Reduktionen und Wechſelzerſetzungen) finden unter Wärmeent⸗ wicklung ſtatt. Sie ſind dem thermochem. Grundſatz unter⸗ worfen und verlaufen ohne entſcheidende Einwirkung einer fremden Kraft bis zu Ende. Sie beginnen entweder von ſelbſt oder auf eine Hilfskraft hin, die im Sinne der chem. Anz. der Atome wirkt. Die direkten Vorgänge ſind durch Zufuhr einer äußeren Kraft, umkehrbar, wenn auch praktiſch meiſtens nicht möglich. ſ. Diſſociation.
2. Die indirekten Vorgänge(z. B. die Zerſetzungen) finden unter Wärmeverbrauch ſtatt. Eine fremde Kraft, meiſtens Wärme, Elektr. oder Licht, wirkt der chem. Anz. der


