Aufsatz 
Methodischer Leitfaden der unorganischen Chemie : Induktive Einführung in das Verständnis chemischer Vorgänge unter Berücksichtigung der Thermochemie : für höhere Lehranstalten / von L. Knöpfel
Entstehung
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Nachdem wir die binären Verbindungen beſprochen haben, würden wir jetzt verſuchen, drei Elemente unmittelbar zu verbinden. Dies, ſowie überhaupt die unmittelbare Vereinigung mehrerer Elem. gelingt nur ſchwer, ſodaß wir von jetzt an andere Wege einſchlagen

werden. 1. Die Baſen.

Verſuche: Üübergießt man ein gewogenes Stück gebrannten Kalk CaòO mit Waſſer, ſo bläht ſich derſelbe auf und zerfällt allmählich zu einem weißen Pulver, zu gelöſchtem Kalk. Dabei wird ſoviel Wärme frei, daß ein Teil des zugeſetzten Waſſers HO als Dampf entweicht. Dieſes Löſchen des Kalkes führen die Maurer im Großen aus. Welcher Vorgang wird wohl ſtatt⸗ gefunden haben? Wiegt man das erhaltene Pulver, ſo hat es um 32,14% an Gewicht zugenommen. Es wird alſo wohl Waſſer aufgenommen haben, und da dieſes erſt beim Glühen entweicht, ſo müſſen wir annehmen, daß es chem. gebunden iſt,

CaO+ OH.= CaOel.= Ca(OH)e.

Der gelöſchte Kalk löſt ſt ſich in ſehr geringer Menge in Waſſer auf, das dann ätzend ſchmeckt und rotes Lackmuspapier blau färbt.

Kalium⸗ und Natriumoxyd löſen ſich in Waſſer ſehr leicht und hinterlaſſen beim Abdampfen weiße, feſte Körper, Atzkali und AÄtz⸗ natron. KaO+ OH.= 2 K0H.

Ergebnis: Die Oxyde der Kalium⸗ und Calcium⸗ gruppe nehmen chem. Waſſer auf und bilden Baſen. Die wichtigſten, nach ihrer Stärke geordnet, ſind:

KOH Atzkali, NaOH Atznatron, Ca(Ol), étzkalk.(NII. Ammoniak.)

Eigenſchaften der Baſen.

Die bekannteren Baſen ſind in Waſſer lösliche, weiße Körper, die laugenhaft bis ätzend ſchmecken und rotes Lackmuspapier blau färben. Sie ſind giftig und zerſtören Pflanzen⸗ und Tierſtoffe. Prüfung wollener Stoffe auf Baumwolle mittelſt Kalilauge. Die Baſen finden ſich im freien Zuſtand in der Natur nicht vor.

KOH Atzkali, Kaliumhydroxyd und NaOH. Atznatron, Natriumhydroxyd kommen in bleiſtiftdicken, weißen Stangen in den Handel, deren wäßrige Löſungen Kali⸗ und Natronlauge genannt werden. Sie geben beim Erhitzen ihr chem. gebundenes Waſſer nicht ab.

Ga(OH) Atzkalk, gelöſchter Kalk, Caleiumhydroxyd, ein weißes Pulver, iſt in Waſſer ſchwer löslich, Kalkwaſſer.

NH. Ammoniak ſ. S. 26.

2. Die Säuren. Verſuche: Phosphorpentoxyd löſt ſich, bei Anwendung