Aufsatz 
Voss' Luise und die Entwicklung der deutschen Idylle bis auf Heinrich Seidel
Entstehung
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wie sie sich Schiller selbst einmal gestellt hat, nicht ohne Ein- fluſs gewesen zu sein scheint. Unter dem 29. November 1795 teilt er Humboldt das Nähere darüber mit und bezeichnet die Vermäâhlung des Herkules mit der Hebe als den Inhalt der in Aussicht gestellten Dichtung, die da fort- fahren, wo das Reich der Schatten(Ideal und Leben) aufhört, undden UÜUbertritt des Menschen in den Gott behandeln sollte. Indes es wäre ein Irrtum zu glauben, daſs die Kämpfe, durch die sich Herkules zur Gottheit hinaufläutert, irgendwie in der Idylle oder für die Idylle von ausschlaggebender Bedeutung hätten sein können. Denn nach dem ganzen Charakter dieser Dichtungsart baut sich die Handlung auf der Grundlage des bereits ausge- glichenen Kampfes auf. Der Kampf selbst aber kann gar nicht zur Geltung kommen, ohne den idyllischen Grundcharakter in Frage zu stellen. Dieser beruht doch auf der Ausgleichung des Gegensatzes zwischen Natur und Kultur, sei es nun, daſs der Mensch sich aufs Land oder auf sich selbst, seine innere Natur, zurückzieht. Letzteres ist nur dann möglich, wenn die innere Natur eine unver- fälschte ist d. h. wenn der einzelne die jedem entwicklungs- tähigen Wesen angeborene Freude am Leben allen Bitter- keiten des Lebens zum Trotz betätigt. Voraussetzung also in beiden Fällen ist Natur. Somit darf man wohl bezweifeln, ob überhaupt zum Helden einer Idylle ein Mann geeignet ist, der nach inneren Kämpfen zu einer harmonischen Auf- fassung des Lebens sich durchgerungen hat, und man darf noch mehr bezweifeln, ob diese Kämpfe auf die Gestaltung der Idylle organisch von Einfluſs sein können. Schade, daſs Schillers Plan nicht zustande gekommen ist; nur so hätten wir Gewiſsheit über diese grundsâtzlichen Bedenken be- kommen können. Immerhin dürfen wir feststellen: die Reflexion hat mit dem Wesen des Begriffessentimentalisch nichts zu tun. Es kommt vielmehr nur darauf an, daſsdie verlorene Natur gesucht wird, und den Horaz nennt Schiller deshalbden wahren Stifter dieser sentimentalischen Dichtungsart, weiler der Dichter eines kultivierten und verdorbenen Weltalters die ruhige Glückseligkeit