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Verfeinerung ausführt.... Der Begriff dieser Idylle ist der Begriff eines völlig aufgelösten Kampfes sowohl in dem einzelnen Menschen als in der Ge- sellschaft.... Ihr Charakter besteht also darin, daſs aller Gegensatz der Wirklichkeit mit dem Ideale... vollkommen aufgehoben sei und mit demselben auch aller Streit der Empfindungen aufhöre. Ruhe wäre also der herrschende Eindruck dieser Dichtungsart, aber Ruhe der Vollendung, nicht der Trägheit— eine Ruhe, die aus dem Gleich- gewicht, nicht aus dem Stillstand der Kräfte, die aus der Fülle, nicht aus der Leerheit flieſst.“ 1)
Es ist unverkennbar, das idyllische Glück wird hier in die Brust des Menschen verlegt, und es wird inmitten des Lebens und Treibens der Welt postuliert. Grade auf diesen Grundgedanken baut sich Seidels Idylle auf, und in- sofern hat Schiller der Zukunft die neuen Bahnen vorge- zeichnet. Ob wir nun freilich deshalb berechtigt sind, die moderne Art sentimentalisch zu nennen, könnte zunächst bezweifelt werden. Es fehlt nämlich bei Seidel das Moment des in dem Helden ausgeglichenen Kampfes, der durch Reflexion gewonnenen inneren Befriedung, und man könnte dieses Moment für um so wesentlicher halten, da es beim ersten Blick für die Wahl der idyllischen Aufgabe,
¹) Es ist doch wohl ein Mißverständnis, wenn Erwin Rohde(Der griechische Roman S. 197) das poetische Bild eines Idealstaates,„in welchem der Kampf, die Spannung, die Not der mangelhaften Wirklich- keit völlig abgeworfen wird und das reine Ideal des Denkers in freier und stolzer Gestalt sich als das ächt Wirkliche darstellt“, als„sentimen- tale Idylle nach Schillerscher Terminologie“ bezeichnen möchte. Senti- mentalisch könnte man dieses Idealbild schon nennen—, wenn es nur eine Idylle wäre, denn die Idylle haftet doch ihrer ganzen Natur und ihrer ganzen Entwicklung nach zu sehr an wirklichen, gegebenen Ver- hältnissen, als daß von ihr zu den„idealen Plänen“ und„hoftnungsvollen Träumen“ der Philosophen eine Brücke führen könnte, auch wenn diese „sich bis zu dem poetischen Scheine der Wirklichkeit erheben“. Sentimen- talisch ganz im Sinne Schillers ist jene„Gattung prosaischer Dichtung“, von der Rohde spricht, allerdings, denn sie beruhte auf der„Sehnsucht, mit welcher das sinkende Altertum seinen Blick von der überreifen Fülle der vollentwickelten Blüte der Kultur zu deren in geschlossener Knospe das Herrlichste verheißenden Anfüngen zurückwandte“(a. a. O. S. 242).


