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Gradezu überraschend ist es, dafs Schiller die neuen Bahnen, die Seidel einschlägt, prophetischen Geistes voraus- geschaut hat. Schon die Einsicht, daſs die ländliche Um- gebung als Hintergrund der Idylle mit dem Wesen der Dichtungsart nichts zu tun habe, war ein bedeutsamer Fortschritt. In dem schon mehrfach angezogenen Aufsatze über naive und sentimentalische Dichtung sagt Schiller: „Weil diese Unschuld und dieses Glück[worauf die Idylle beruht] mit den künstlichen Verhältnissen der gröſseren Sozietät und mit einem gewissen Grad von Ausbildung und Verfeinerung unverträglich schienen, so haben die Dichter den Schauplatz der Idylle aus dem Gedränge des bürgerlichen Lebens heraus in den einfachen Hirtenstand verlegt und derselben ihre Stelle vor dem Anfange der Kultur in dem kindlichen Alter der Menschheit angewiesen. Man begreift aber wohl, daſs diese Bestimmungen bloſs zufällig sind, dass sie nicht als Zweck der Idylle, blofs als das natürlichste Mittel zu demselben in Betracht kommen“. Indem nun Schiller mit dieser Erkenntnis Ernst machte, stellte er der Zukunft eine neue Aufgabe.„Der sentimentalische Dichter“, sagt er,„verschmähe den un- würdigen Ausgang, den Gehalt des Ideals zu verschlechtern, um es der menschlichen Bedürftigkeit anzupassen, und den Geist auszuschlieſsen, um mit dem Herzen ein leichteres Spiel zu haben. Er führe uns nicht rückwärts in unsre Kindheit, um uns mit den kostbarsten Erwerbungen des Verstandes eine Ruhe erkaufen zu lassen, die nicht länger dauern kann als der Schlaf unsrer Geisteskräfte, sondern führe uns vor- wärts zu unsrer Mündigkeit, um uns die höhere Har- monie zu empfinden zu geben, die den Kämpfer belohnt, die den UÜberwinder beglückt. Er mache sich die Aufgabe einer Idylle, welche jene Hirtenunschuld auch in Subjekten der Kultur und unter allen Bedingungen des rüstigsten, feurigsten Lebens, des ausgebreitetsten Denkens, der raffinier- testen Kunst, der höchsten gesellschaftlichen
Jörn Uhl:„Obwohl er zwischen Sorgen und Särgen hindurch mußte, er war dennoch ein glücklicher Mann“.
Schillers Zukunftsidylle und Seidels Leberecht Hühnchen.


