Aufsatz 
Voss' Luise und die Entwicklung der deutschen Idylle bis auf Heinrich Seidel
Entstehung
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des Hexameters zurückgeht, der in immer neuen Gestalten sich wiederholend ruhig dahinrauscht. Es ist ebenso un- môglich, sich die Luise in Stanzen zu denken wie IIomer. ¹)

Eine Voraussetzung freilich muſs für jene Wirkung erfüllt sein. Der Bau des Hexameters soll den künst- lerischen Ansprüchen der Zeitgenossen genügen, da sonst die idyllische Stimmung gefährdet wird. Nun behauptet Heine freilich:Man muſs fürchten, sich die Kinnlade zu zerbrechen, wenn man seine(Voſs') Verse ausspricht, aber das sagt zunächst eben Heine, der bei seiner auſser- ordentlichen künstlerischen Beanlagung besonders hohe Forderungen an den Bau der Verse stellte, auch gilt das Wort im Zusammenhange in erster Linie für Vofs' Über- setzungen und daſs diese ihrem Wesen nach in der ge- dachten Beziehung hinter der Luise zurückstehen, liegt auf der Hand, und endlich stammt Heines Urteil nicht aus den Tagen der Luise, sondern aus einer späteren, anspruchs- volleren Zeit. Denn für seine Zeit hat Voſs ganz unbe- streitbare formale Verdienste: er war mit Ramler der erste nach Opitz, der die Wege ebnete und die Verse nach be- stimmten und festen Regeln aufbaute. Dieses Verdienst rückt in die rechte Beleuchtung, wenn wir uns erinnern, dafſs Goethe 1787(von Rom aus) schrieb:Warum ich die Prosa seit mehreren Jahren bei meinen Arbeiten vorzog, daran war doch eigentlich schuld, daſs unsere Prosodie in der gröfsten Unsicherheit schwebt, wie denn meine ein- sichtigen, gelehrten, mitarbeitenden Freunde die Entscheidung mancher Fragen dem Gefühl, dem Geschmack anheimgaben, wodurch man denn doch aller Richtschnur ermangelte. Damals erschien ihm Moritzens Prosodie als Leitstern, so dafs er eswagte, die Iphigenie in Jamben zu übersetzen. Derselbe Goethe schreibt im August des Jahres 1799 an Schiller:Respekt für die Fortschritte in der Prosodie, welche man Vossen und seiner Schule nicht absprechen

¹) Vgl. Magazin füur die Literatur des In- und Auslandes, 5. Dezbr 1896, bei Besprechung der Homerübersetzung des früheren Justizministers von Schelling.