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kann. ¹1) A. W. von Schlegel erklärte 1801, Voſs sei un- streitig als„der zweite Erfinder“ der antiken Silbenmaſse, be- sonders des Hexameters, im Deutschen anzusehen, und seine Verdienste dabeiseien unermeſslich groſs! Im besonderen suchte er, wie V. Hehn ²) sagt, den Hexameter Klop- stocks der technischen Strenge des griechisch-lateinischen noch mehr zu näheren.„Er vermied, soviel er konnte, den Trochäus, schuf sich künstliche Spondeen und Daktylen, setzte fest, welche Silben lang, welche kurz seien, welche als mittelzeitig bald kurz bald lang sein könnten.“ Aber allerdings der Sieg, den„Vossens prosodische Gesetzgebung“ erfocht, war ein Sieg der Schule, des Handwerks über den freien Genius der Sprache, und mit Recht hatte be- reits am 22. Dezember 1795 Knebel gemahnt, Goethe möge nicht aus übergroſser Nachsicht oder Gutheit den einseitigen oder gefühllosen Pedanten,„die bei weitem nicht Gefühl und Geschmack genug in dieser Sache haben,“ zu viel einräumen. Goethe selbst Aufserte sich 1808 Zeller gegenüber:„Für lauter Prosodie ist ihm(Voſs) die Poesie ganz entschwunden.“ Trotz alledem hat sich Voſs um den Rhythmus des Versbaus unbestreitbare Verdienste erworben, und gerade in der Luise werden wir viel weniger an die Werkstatt erinnert als in den Ubersetzungen ³), womit denn freilich noch nicht das Urteil A. W. von Schlegels unter- schrieben werden soll(am Schlusse der Recension der lomerübersetzung), dafs in der Luise der schönste Vers- bau ohne allen peinlichen Zwang glänze. Für unsre Auf- gabe ist das Wichtigste, daſs die späteren Idyllendichter auch in dieser formalen Frage auf der von Voſs geschaffenen Grundlage weitergebaut haben.
Der Einfluſs Homers zeigt sich in noch höherem Grade bei einem anderen Fortschritte, den Voſs in formaler Be- ziehung gemacht hat, einem Fortschritte, auf den vor allem
¹) Vgl. V. Hehn, Gedanken über Goethe.(Einiges über Goethes Vers). S. 348.
²) Ebendort S. 339.
³) Sogar Menzel, sonst gewiß kein Lobredner Vossens, spricht hier von wohllautenden Versen.


