IX
Der Grund, warum zuerſt dieſe Berechnung durchgeführt wurde, liegt darin, daß wir nun für die Reinertragsberechnung des Feldbaues die Koſten der Düngung mit Stallmiſt berechnen können.
Die nächſtfolgende Berechnung erſtreckt ſch auf die Zugpferdehaltung. Dieſelbe hat erhalten: Wert der Tiere am Anfange des Jahres, Futterkoſten, Wartung, Hufbeſchlag, Stallunterhaltung, Geräte⸗ ünterhaltung; hat dagegen geliefert: Wert der Tiere am Ende des Jahres,“* den Stallmi und die geleiſteten Geſpannarbeitstage. Laſſen wir letztere vorläufig außer Rechnung, dann ergiebt der Überſchuß von„Hat erhalten“ die Koſten der geleiſteten Arbeit. Teilt man dieſe Summe durch die Anzahl der ge⸗ leiſteten Geſpanntage, ſo erhält man die Koſten für einen Geſpanntag.
Für die Ertragsberechnung des Ackerbaues kennen wir jetzt die Koſten eines Geſpann⸗ tages und eines Zentners Stallmiſt. Aus dem Beſtellungs⸗ und Ernte⸗Regiſter ſuchen wir nun etwa einen Weizenſchlag aus. Die Größe, die Art der Beſtellung und Düngung, die Ernteergebniſſe ſind hier ver⸗ zeichnet. Von der Stallmiſtdüngung darf dem Weizenbau nur die Hälfte der Koſten, entſprechend der Wirkung, zur Laſt geſchrieben werden. Im Tage⸗ und Arbeitsbuch finden wir die Anzahl der Hand⸗ arbeits⸗ und Geſpanntage bis zum Ausdreſchen. Die Koſten der Handarbeit ergeben ſich aus den Tage⸗ lohnſätzen, die Koſten eines Geſpanntages ſind oben berechnet. Das Getreideregiger weiſt die Verwendung der Frucht nach und das Kaſſenbuch den Verkaufspreis und es wird jetzt gerade ſo wie oben„Hat erhalten“ und„Hat geliefert“ gegenüber geſtellt.
Soweit aus den von den Schülern geführten Büchern ſich dieſe Angaben nicht zuſammenſtellen laſſen, da Kaſſenbuch und Tagebuch ja nur für einen Monat durchgeführt werden, müſſen ſie unter Leitung des Lehrers veranſchlagt werden und gewähren ſo praktiſche Übung im Aufſtellen von Voranſchlägen und in der Taxation. Für das Zuſammengreifen der Unterrichtsfächer iſt es ſo einzurichten, daß dieſe Berech⸗ nungen mit dem Unterricht über Kapital und Arbeit in der Betriebslehre zuſammenfallen.
Bei dieſen Ertragsberechnungen ſind ſämtliche Eintragungen in Geldwert ausgedrückt, gleichviel, ob gegen Baargeld verkauft oder in der Wirtſchaft verbraucht wurde. Halten wir nun nebeneinander die Ertragsberechnung oder das Konto, wie es in der kaufmänniſchen Buchführung heißt, von Ackerbau, Nutzviehhaltung und Zugviehhaltung und das Kaſſenbuch, in welchem wir ſtatt der überſchrift„Ein⸗ nahme“ wie bei den anderen Konti die Worte„Hat erhalten“ und ſtatt Ausgaben„Hat geliefert“ ſetzen, ſo finden wir Folgendes:
Das Ackerbaukonto hat geliefert die baare Summe für verkaufte Früchte und den Geldwert der in der Wirtſchaft verwendeten Naturalien. Die erſtere Summe finden wir unter„Hat erhalten“ im Kaſſenbuch, die letztere Summe ebenfalls unter„Hat erhalten“ zum größeren Teil im Viehzuchtkonto, zum kleineren im Haushaltungskonto. Die für den Kuhſtall zugekauften Futtermittel ſtehen im Milchvieh⸗ konto unter„Hat erhalten“, im Kaſſenkonto unter„Hat geliefert“. Die für den Ackerbau geleiſteten Ge⸗ ſpanntage finden ſich im Ackerbaukonto unter„Hat erhalten“, im Zugpferdekonto unter„Hat geliefert“. Den bei der Milchviehhaltung gewonnenen Stallmiſt finden wir im Milchviehkonto unter„Hat geliefert“, im Ackerbaukonto unter„Hat erhalten“, kurz, wir finden jeden Poſten zweimal, einmal unter„Hat erhalten“ und dann in einem anderen Konto unter„Hat geliefert“, wobei jeder Poſten, bei dem es ſich um baares Geld handelt, im Kaſſa⸗Konto vorkommen muß.
Nun iſt das Geheimnis der doppelten Buchführung, das anfangs ſo viel Kopfzerbrechen verurſacht, gelöſt ohne Anſtrengung. Es bleibt noch zu erklären, daß die Kaufleute ſtatt„Hat erhalten“ die weniger verſtändlichen Worte Soll oder Debet ſetzen und ſtatt„Hat geliefert“ Haben oder Credit, und daß die Schlußrechnung zuſammengeſtellt wird in einem beſonderen Buche, genannt
Das Hauptbuch.
Dasſelbe ſetzt ſich zuſammen aus den Ertragsberechnungen oder Konti der einzelnen Betriebs⸗ zweige, und jeder Poſten erſcheint im Hauptbuche doppelt, in dem einen Konto unter„Hat geliefert“, in dem anderen unter„Hat erhalten“; bei Ein⸗ oder Verkäufen gegen baar muß der Poſten ſtets auch im Kaſſa⸗Konto zu finden ſein. Außer dem Hauptbuche müſſen bei der doppelten Buchführung noch dieſelben Bücher geführt werden, wie bei der einfachen(ſ. S. VII—VIII), wobei das Kaſſenbuch, das Verzeichnis des toten Inventars und das Tagelohnregiſter eine beſondere Einrichtung erhalten. Das Kaſſenbuch muß, wie wir es bereits früher einrichteten, noch mit einer Spalte(Rubrik) verſehen ſein für die Anfangsbuchſtaben oder Nummer des Konto, dem der betreffende Poſten zu Gut oder zu Laſt geſchrieben wird, oder für die Seitenzahl der Eintragung ins Hauptbuch. Das tote Inventar muß nach den Betriebszweigen, für
*** Statt dieſes Wertsunterſchiedes laſſen ſich auch bei„Hat erhalten“ 10% des Kapitalwertes für Abnutzung oder Amortiſation einſtellen.


