Aufsatz 
Der Buchführungs-Unterricht an Landwirtschaftsschulen
Entstehung
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Ein auf Seite der Einnahmen verbleibender Überſchuß ergiebt den Reinertrag der Guts⸗ wirtſchaft im Rechnungsjahre.

Jetzt hat der Schüler einen klaren Begriff gewonnen von dem Zwecke der landwirtſchaftlichen Buchführung und Verſtändnis für ihre Einrichtung. Er wird ſich aber auch weitergehend die Frage vor⸗ legen, welcher Betriebszweig die meiſten, welcher die geringſten Einnahmen gebracht, oder gar Zuſchuß erordert hat. Da das Kaſſenbuch allein hierüber keine genügende Auskunft giebt, wird noch beſonders Buch geführt werden müſſen über die Einnahmen und Ausgaben von in der Wirtſchaft erzeugten Feld⸗ früchten, von Vieh und Viehprodukten. Erſteres geſchieht im Naturalienbuch, letzteres im Viehzuchtregiſter

und im Molkerei⸗Regiſter. giſ Das Naturalien⸗Buch.

Von den verſchiedenen Abteilungen des Naturalienbuches genügt für Unterrichtszwecke das Getreide⸗Regiſter, da die Regiſter für Hackfrüchte, Rauhfutter u. ſ. w. in derſelben Weiſe geführt werden. Doch iſt auch zu zeigen, wie für mittlere und kleinere Wirtſchaften ſämtliche Feldfrüchte in ein Regiſter eingetragen werden können, das in Bezug auf Einnahmen und Ausgaben eine dem Kaſſenbuche ähnliche Einrichtung hat, nur daß hier in Zentner und Kilo eingetragen wird, ſtatt wie dort in Mark und Pfennigen. Da jetzt faſt allgemein nach dem Gewichte verkauft wird und geſetzlich das metriſche Gewicht eingeführt iſt, außerdem im Großhandel nach 100 Kilo= 1 Meterzentner oder nach 1000 Kilo = 1 Tonne gerechnet wird, empfiehlt es ſich auch, die Eintragungen nach Kilo und nicht nach Pfund vorzunehmen. Hierbei ſind zu beſprechen das Wiegen, die Behandlung der Waage, Verhältnis von Maß und Gewicht beim Getreide, die Behandlung der aufgeſpeicherten Früchte, das Abſchätzen ungewogener Mengen bei Hackfrüchten, Rauhfutter und Grünfutter.

Das Naturalienbuch ergiebt den Rohertrag des Feldbaues, um die Unkoſten zu erfahren iſt nötig, ein Arbeitsjournal zu führen, das für mittlere Wirtſchaften eingerichtet werden kann als

Tage⸗ und Arbeitsbuch.

In dasſelbe werden alle in der Wirtſchaft vorkommenden nicht ſtändigen Arbeiten derart einge⸗ tragen, daß täglich genau angegeben wird, wieviel Handarbeits⸗ und Geſpanntage, zugleich wieviel Dünger und Saatgut auf die einzelnen Schläge verwendet wurden; außerdem werden alle in der Wirtſchaft vor⸗ kommenden Ereigniſſe hier täglich notiert, ebenſo die Witterungsbeobachtungen. Das Tagebuch wird ſo ein Nachſchlagebuch für Alles, ja in kleineren Wirtſchaften kann es ſogar mit dem Kaſſenbuch und Tag⸗ lohnregiſter vereinigt werden, und Verfaſſer kennt bäuerliche Beſitzer, die mit Hülfe eines ſolchen Buches neben der jährlich aufgeſtellten Haushaltsnaturalrechnung und Vermögensaufnahme im Stande ſind, über alle Verhältniſſe ihrer Wirtſchaft die genaueſte rechneriſche Auskunft zu geben. Von den Schülern iſt Tage⸗ und Arbeitsbuch am paſſendſten für einige Wochen in der Herbſt⸗ oder Frühjahrsbeſtellzeit unter Anleitung des Lehrers zu führen und bietet ſo Gelegenheit, den täglichen Gang der Wirtſchaft vor Augen zu führen und die Arbeitseinteilung zu beſprechen.

Viehzucht⸗Regiſter.

Viehſtands⸗Regiſter über Beſtand, Zu⸗ und Abgang von Vieh iſt nur bei Großbetrieb nötig und braucht nicht beſonders geübt zu werden, ein Zuchtregiſter dagegen wird geführt, ſobald die Zucht einer Haustiergattung in hervorragendem Grade betrieben wird. Da unter unſeren ſüddeutſchen Verhältniſſen die Rindviehzucht den wichtigſten Zweig der Viehzucht bildet, iſt das Rindviehzucht⸗Regiſter mit be⸗ ſonderer Sorgfalt zu führen. Dasſelbe kann ſo eingerichtet werden, daß jede Kuh zwei Seiten erhält, die linke Seite für Genealogie, Äußeres und Zuchtergebniſſe, die rechte Seite für Probemelk⸗Ergebniſſe mit Milchertragsberechnung. Bei der Beſprechung iſt Gewicht zu legen auf die Zucht nach Leiſtung und den Nachweis hierüber Vergleich mit dem Pedigree bei Vollblut auf die Art des Probemelkens⸗ und Meſſens, die Urſachen der Schwankungen in Menge und Fettgehalt der Milch, kurz, es kann das Weſent⸗ liche des Unterrichts über Rindviehzucht wiederholt werden. Beim anſchließenden Molkerei⸗Regiſter kann ausführlicher durchgegangen werden die Behandlung der Milch, die Ausbeute und Verwertung bei ihrer Verarbeitung.

Ein Bild des ganzen Feldbaues der Wirtſchaft giebt das Beſtellungs⸗ und Ernte⸗Regiſter, bei welchem das im Unterricht Gebrachte über Fruchtfolge, Düngung, Bodenbearbeitung, Saat⸗ und Ernte⸗ verhältniſſe wiederholt werden kann.

Alle dieſe Bücher und Regiſter gehören in den Bereich der einfachen Buchführung, ſind aber nicht alle gleich wichtig. Unbedingt zu führen ſind Kaſſenbuch, Haushaltsnaturalrechnung und Vermögensauf⸗