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Geld in Form von Arbeit, Saatgut und Dünger dem Schooße der Erde anvertraut wird, in Geſtalt der geernteten Frucht in des Menſchen Hand zurückkehrt und nach dem Verkauf der Ernte wieder in Form klingender Münze mit Zinſen in die Kaſſe wandert. Hiermit iſt der Begriff von umlaufendem und ſtehen⸗ dem Betriebskapital erläutert. Die Berechnung des Feldinventars iſt anfangs nebenſächlich, man kann 40 bis 80 Mark für den Morgen Ackerland annehmen, da erſt ſpäter bei der doppelten Buchführung in den verſchiedenen Abteilungen des Ackerbau⸗Konto dieſe Berechnung durchgeführt wird.
Alles bisher Aufgenommene ergiebt die Summe der Aktiva, des vorhandenen Kapitalwertes; ſtellt man dieſem die Summa der Paſſia, der Schulden gegenüber, ſo ergiebt ſich das zur Zeit der In⸗ ventur vorhandene reine Vermögen. Als Zeitpunkt für die Inventur wird auf den meiſten größeren Gütern der 1. Juli angenommen, weil da die Naturalienvorräte am geringſten ſind, während bei einer Abſchätzung derſelben am 1. Januar, wo bedeutende Vorräte an Rauhfutter, Hackfrüchten und oft noch unausgedroſchenem Getreide vorhanden ſind, leicht Irrtümer nach mehreren Tauſenden vorkommen können. In kleineren Gütern, wo leichtere Überſicht iſt, kann der 1. Januar beſonders aus dem Grunde gewählt werden, weil dann der Betriebsleiter mehr freie Zeit hat.
Eine Zuſammenſtellung der Vermögensaufnahme dieſen Jahres mit der vorjährigen ergiebt die Vermögenszunahme oder Abnahme im Rechnungsjahre.
In der angegebenen Weiſe erteilt, gewährt der Buchführungsunterricht die beſte und ſicherſte Grundlage für den Ünterricht in der landwirtſchaftlichen Betriebslehre und Volkswirtſchaftslehre, indem man ſtets von den einzelnen bekannten Fällen ausgehend die Schüler zu allgemeinen Schlüſſen hinleitet. Es beginnt deshalb in unſerem Unterrichtsplane auch die Buchführung ein Semeſter früher als die land⸗ wirtſchaftliche Betriebslehre, und ich habe bei 10⸗jährigem Unterricht in beiden Fächern dieſe Methode be⸗ währt gefunden. Vor Allem wirkt ſie anregend auf die Schüler, denen die Buchführungsſtunden bald zu den liebſten werden, zumal ſie dabei keine beſondere Vorbereitung mit Auswendiglernen nötig haben.
Bei der Ausarbeitung der Vermögensaufnahme iſt ſelbſtverſtändlich, wie bei dem ganzen Buch⸗ führungsunterricht, großes Gewicht auf die ſchriftliche Ausführung zu legen. Es iſt zweckmäßig, die Schüler die Buchführungsformulare ſelbſt mit roter Tinte auf ſchwarz liniertes Papier ziehen zu laſſen. Der kleine hierdurch entſtehende Zeitverluſt wird reichlich erſetzt durch Aneignung größerer Gewandtheit und Gefällig⸗ keit in der Form. In der Regel können die Schüler auch Zahlenreihen nicht richtig untereinander ſchreiben und werden durch das Selbſtlinieren hierin ſorgfältiger. Auffallend iſt auch, wie wenige Schüler größere Zahlenreihen addieren, und es muß hierin meiſt noch eine beſondere Anleitung gegeben werden.
An die Feſtſtellung der Vermögenszunahme knüpft ſich von ſelbſt die Frage: Iſt das Alles, was wir im Jahre verdient haben? Wovon hat die Familie das Jahr über gelebt? Um dies zu erfahren, müſſen wir alle Einnahmen im Jahre aufgezeichnet haben, ebenſo alle Ausgaben, für die Gutswirtſchaft ſowohl als für die Haushaltung. Die baaren Einnahmen und Ausgaben werden verzeichnet im
Kaſſenbuch.
Ddie richtige Führung des Kaſſenbuches bildet die Grundlage für die ganze Buchführung und es iſt ihm deshalb die größte Sorgfalt zu widmen. Zunächſt wird man es in einfachſter Form einrichten, linke Seite Einnahmen, rechte Ausgaben, aber durch die Schüler möglichſt ſelbſtſtändig führen laſſen. Es wird ein Monat herausgegriffen, der ſich beſonders eignet, z. B. Juli, und der Schüler hat zuerſt anzu⸗ geben, welche Erzeugniſſe, entſprechend den in der Gutsbeſchreibung angegebenen Verhältniſſen, in dieſem Monate verkaufsfähig werden, welche Arbeiten vorgenommen werden und welche Vorbereitungen dazu nötig ſind. Dann hat jeder Schüler darnach einige Einnahmen und Ausgaben anzugeben und in die Form zu bringen, in welcher ſie eingetragen werden müſſen. Die Preiſe haben die Schüler ſelbſt feſtzuſtellen und es findet ſich ſtets eine Anzahl, die als Landwirtsſöhne mit Markt⸗ und Lohnverhältniſſen ziemlich vertraut ſind. Der Lehrer hat nur berichtigend einzugreifen. Ausgaben für Haushaltung und Familie ſind ge⸗ bührend zu berückſichtigen. Zuletzt wird der Monatsabſchluß gemacht und dann in eine Spalte am linken Seitenrande der Anfangsbuchſtabe, oder in römiſcher Ziffer die Nummer des Betriebszweiges(Konto), eingetragen, dem der betreffende Poſten zu Gut oder zu Laſt geſchrieben wird— eine Vorbereitung für die doppelte Buchführung— und ebenſo in eine Spalte am rechten Seitenrande die Nummer des Beleges. Bei den Belegen wird das Ausſtellen von Rechnungen geübt, es wird die Kaſſenführung für Vereine und Genoſſenſchaften beſprochen und die Kaſſenreviſion. Für ſämtliche übrigen Monate des Jahres werden den Schülern die Monatsabſchlüſſe diktiert und dann wird der Jahresabſchluß gemacht. Bei richtiger Aufſtellung bleibt nur eine verhältnismäßig kleine Summe an baar Geld übrig, die zur Erwägung führt, daß wir jedenfalls mehr verdient haben müſſen und daß eine größere Summe für die Haushaltung und


