IV
1. Der Unterricht hat von einem ganz beſtimmten, den Schülern möglichſt genau bekannten Gute auszugehen und 2. für dieſes Gut iſt bei gegebenen Verhältniſſen auf möglichſt einfache Art die Reinertrags⸗ berechnung durchzuführen.
Wird dem Unterrichte nicht ein bekanntes Gut zu Grunde gelegt, ſondern werden die Beiſpiele für die Eintragungen genommen, wie ſie ſich eben finden, ſo verliert der Unterricht an Einheitlichkeit und der Schüler verliert den Zuſammenhang. Es iſt für ihn nicht möglich, die Reinertragsberechnung zu verſtehen, wenn Kaſſenbuch, Naturalienbuch und Inventar nicht miteinander übereinſtimmen, wenn z. B. im Kaſſenbuche wöchentliche Milcherträge von 40 Kühen gebucht ſind, während das Inventar nur 20 Stück nachweiſt, oder wenn im Jahre 10000 Mk. für Getreide eingenommen werden, wo überhaupt nur 100 Morgen Ackerland angegeben ſind. Nur wenn der Schüler im Stande iſt, die Reinertragsberechnung aus den von ihm geführten Büchern zuſammenzuſtellen und zu belegen, wird er ſie verſtehen und ſpäter auch ſelbſtſtändig durchführen können. Im anderen Falle ſinkt der Unterricht zu einer Schreibübung herab. Steht ein für den angegebenen Zweck geeignetes Gut in der Nachbarſchaft nicht zur Verfügung, und das wird meiſtens der Fall ſein, ſo muß ein dem Lehrer aus der Praxis bekanntes oder ein darnach kon⸗ ſtruiertes ideales Gut zu Grunde gelegt werden. Der Buchführungsunterricht hat dann ohne jede andere Einleitung zu beginnen mit der
Gutsbeſchreibung,
d. h. mit der Beſchreibung desjenigen Gutes, von welchem die Reinertragsberechnung durchgeführt werden ſoll. Darin ſind genau anzugeben Name und Kataſternummer des Gutes, örtliche und geographiſche Lage, Verkehrsverhältniſſe, Marktverhältniſſe, Arbeitsverhältniſſe, das Klima, die Bodenbeſchaffenheit, die Geſamt⸗ bodenfläche, ihre Einteilung nach dem Nutzungszwecke, nach Lage und Größe, ebenſo Lage und Einrichtung des Hofes; eine nähere Beſchreibung iſt zu geben von Ackerland, Wieſen, Weiden u. ſ. w. und eine kurze Angabe des Wirtſchaftsbetriebes mit Fruchtfolgen und Viehhaltung. Die Gutsbeſchreibung wird diktiert und ſoll deshalb kurz und beſtimmt ſein, höchſtens vier Seiten einnehmend. Die Hauptſache bleiben die mündlichen Erläuterungen, in welchen ſtets bekannte Güter der Nachbarſchaft und die väterlichen Wirt⸗ ſchaften der Schüler zum Vergleiche heranzuziehen ſind. So vorbereitet geht der Schüler mit Verſtändnis an die Vermögensaufnahme oder Inventur,
welche nichts anderes iſt, als eine Gutsbeſchreibung dem Geldwerte nach. Bei der Vermögensaufnahme lernt der Schüler ohne Anſtrengung die Einteilung und Beſchaffenheit des landwirtſchaftlichen Kapitals kennen. Er iſt leicht darauf zu bringen, von welchen Umſtänden der Wert der Grundſtücke beſonders abhängig iſt, in der Regel ſind einer größeren Anzahl von Schülern auch die Bodenpreiſe in der Gegend bekannt. Bei dem Gebäudekapital wird auf die Abſchätzung zum Zwecke der Feuerverſicherung hin⸗ gewieſen. Die Einteilung des Betriebskapitals in ſtehendes und umlaufendes iſt zu erklären, beim lebenden Inventar(Viehkapital) werden die Viehpreiſe beſprochen, die Stückzahl von Spannvieh und Nutzvieh wird im Verhältnis zum Ackerland und zum Wirtſchaftsſyſtem erläutert; beim toten Inventar(Gerätekapital) werden ſämtliche für die einzelnen Betriebszweige erforderlichen Geräte durchgegangen nach Anzahl, Verwendung und Preis. Ob hier die Geräte zum Neuwerte oder zu% oder ½ desſelben eingeſetzt werden, bleibt ſich für den Unterrichtszweck gleich, ja für dieſen empfiehlt ſich noch am meiſten der Anſatz nach dem Neuwert, wenn nur darauf aufmerkſam gemacht wird, daß jedes Jahr nach denſelben Grundſätzen das Inventar aufgenommen werden muß und daß bei Übernahme des Geräte⸗Inventars durch Kauf oder Pacht natürlich nur der Gebrauchswert, etwa die Hälfte oder zwei Drittel der Neuanſchaffungs⸗Koſten in Anſchlag gebracht werden. Es ſind überhaupt im Anfange alle ſtreitigen Fragen, deren die landwirtſchaftliche Buchführnng ſo viele bietet, möglichſt zu vermeiden, um die Schüler nicht zu verwirren.
Beim umlaufenden Betriebskapital, das gewöhnlich in Geldvorräte, Naturalienvorräte und Feldinventar gegliedert wird, iſt zu erörtern, worin das landwirtſchaftliche Vermögen im Weſentlichen beſteht, nämlich im produktiven Boden und in den Betriebsmitteln, nur zum geringſten Teil in baarem Gelde, das eigentlich nur ein Tauſchmittel und einen Wertmaßſtab für die Bodenerzeugniſſe, die wirklichen unentbehrlichen Güter, bildet. Die volkswirtſchaftlichen Begriffe von Gut und Kapital laſſen ſich hieran anknüpfend leicht zum Verſtändnis bringen. Die Aufnahme der Naturalienvorräte giebt Gelegenheit zur Beſprechung der Lebensmittel⸗ und Futtermittelpreiſe. Beim Feldinventar wird gezeigt, wie das baare


