Aufsatz 
Der Buchführungs-Unterricht an Landwirtschaftsschulen
Entstehung
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Der Buchführungs⸗uUnterricht an Landwirtſchaftsſchulen.

Von Dr. F. Knapp, Landwirtſchaftslehrer.

Der Wert der einzelnen Unterrichtsfächer für die geiſtige Bildung des Schülers iſt annähernd ein gleicher und in erſter Reihe abhängig von der Methode des Unterrichtenden. Geht man von der formalen Bildung aus, von der erlangten Fähigkeit des Schülers, das im Unterricht Gehörte in klarer und gewandter Ausdrucksweiſe wiederzugeben und ſchließlich auch einen ſelbſtſtändigen Gedanken logiſch zu entwickeln, ſo nimmt allerdings der ſprachliche Unterricht die erſte Stelle ein. Die ſogenannte klaſſiſche Bildung beherrſcht unſere Gymnaſien immer noch faſt ausſchließlich und liefert Schüler, die ohne allzu⸗ große Anſtrengung einen zwanzig Seiten langen Aufſatz blühenden Stiles über ein beliebiges Thema ſchreiben, die jedoch beim Abgang zur Univerſität den realen Lebensverhältniſſen gegenüber ſtehen wie ein neugeborenes Kind. An der Univerſität wird aber ſelten das freiwillig nachgeholt, wozu an der Mittel⸗ ſchule nicht die Grundlage gelegt wurde, und ſo finden wir Juriſten, Theologen, Arzte, die bei Beginn ihrer praktiſchen Laufbahn erſt durch manche bittere Erfahrung die Kenntnis derjenigen volkswirtſchaftlichen und ſozialen Verhältniſſe ſich erwerben müſſen, mit denen ſie ihr Bernf ſo vielfach in Beziehungen bringt. Man ſagt dem Schüler zur Anſpornung bei wenig anziehenden Unterrichtsgegenſtänden:Du lernſt nicht für die Schule, du lernſt für das Leben; es iſt jedenfalls zweckmäßig, den jungen Menſchen auch etwas vom Leben zu lehren und von den Verhältniſſen, unter welchen er ſpäter den Kampf um ſeine wirtſchaft⸗ liche Exiſtenz führen muß. Den erſten Verſuch an Mittelſchulen nach dieſer Richtung hin hat man an den Landwirtſchaftsſchulen gemacht. Wer Gelegenheit hat, in Gegenden, wo Landwirſchaftsſchulen ſchon Dezennien hindurch beſtehen, den landwirtſchaftlichen Vereins⸗ und Genoſſenſchaftsverſammlungen beizu⸗ wohnen, wird erſtaunt ſein über die große Anzahl von Mitgliedern, welche mit tüchtigen volkswirtſchaft⸗ lichen und naturwiſſenſchaftlichen Kenntniſſen eine gewandte und ſichere Ausdrucksweiſe verbinden und hieraus ſchließend wird man die Ergebniſſe dieſes Verſuches als in hohem Grade zufriedenſtellend bezeichnen müſſen.

Der Lehrplan unſerer Landwirtſchaftsſchule iſt überſichtlich enthalten auf Seite 24 dieſes Jahresberichtes. Darnach hat die unterſte 3. Klaſſe wöchentlich nur 3 Stunden rein landwirtſchaftlichen Unterrichts und zwar Pflanzenbau⸗ und Tierzuchtlehre, die 2. Klaſſe hat 6 Stunden, nämlich je zwei Stunden Ackerbau, Tierzucht und Buchführung; die 1. Klaſſe 8 Stunden, je eine Ackerbau und Tierzucht, 4 Ulanduirtichaftliche Betriebslehre und 3 Volkswirtſchaftslehre, dazu noch 2 Stunden Feldmeßkunde mit

anzeichnen.

Die Ackerbaulehre kann mit Ausnahme des rein techniſchen Teiles betrachtet werden als die An⸗ wendung der Grundſätze von Phyſik, Chemie und Geologie auf die Bodenkultur, Pflanzenbaulehre iſt angewandte Botanik, in erſter Linie Phyſiologie, Tierzucht iſt angewandte Tierphyſiologie; der naturwiſſen⸗ ſchaftliche Unterricht muß deshalb dieſen Fächern teils vorangehen, teils parallel laufen. Die landwirt⸗ ſchaftliche Betriebslehre umfaßt das Zuſammenwirken von Ackerbau und Viehzucht, von Arbeit und Kapital im Betriebe der Landwirtſchaft und die Volkswirtſchaftslehre enthält die Anwendung der wirtſchaftlichen Grundſätze auf das Leben der Völker..

Die Buchführung bildet eine Abteilung der landwirtſchaftlichen Betriebslehre; der Unterricht darin beginnt hier im Winterſemeſter der 2. Klaſſe, deren Schüler meiſt im Alter zwiſchen 15 und 17 Jahren ſtehen und deshalb einen Überblick über den landwirtſchaftlichen Betrieb noch nicht beſitzen. In der kurzen Zeit von wöchentlich 2 Stunden ein Jahr hindurch läßt ſich auch ein begabterer Schüler nicht zu einem praktiſchen Buchhalter ausbilden, ſondern kann nur eine Grundlage erhalten, auf der fußend er ſich ſpäter ſelbſt weiter zu helfen vermag. Der Buchführungsunterricht hat ſich deshalb als eine auf die gegebenen praktiſchen Verhältniſſe angewandte landwirtſchaftliche Betriebs⸗ lehre zu geſtalten und kann ſo aus einem oft ſtiefmütterlich behandelten Fache zu einem der förderlichſten und die Schüler am meiſten anregenden Bildungsmittel werden.

Für den Erfolg des Unterrichts ſind zwei Punkte maßgebend: