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Dass nun diese finstern Gewalten der Erinnyen, welche mit dem Anspruch auftreten, dass der Mensch ihnen verfallen sei, nicht ganz und gar von den heitern, lebensfrohen olympischen Göttern im Bewustsein der Griechen verdrängt werden, lässt sich keines- weges daraus erklären, dass man sie als Reliquien eines früheren Götterdienstes betrach- tet; denn das könnten sie immerhin sein, ohne doch irgend welche, geschweige denn jene unermessliche Bedeutung im Glauben des griechischen Volkes zu behalten. Es ist vielmehr diese merkwürdige Erscheinung, dass der Grieche solche grauenhafte Wesen, die doch eigentlich nur da sind, um ihn zu quälen, die Heiterkeit seines Lebens zu trüben, gegen welche er darum aus aller Kraft ankämpft, welche er hasst und als(μαμαυανπνασνσ ν˙⁸ενρν εα SeG„OXον(freilich, was wohl zu beachten ist, zugleich als estval Seal, als Gaνu- εαο) bezeichnet, aus seinem Glauben schlechterdings nicht los werden kann; es ist,'sage ich, diese Erscheinung unwidersprechlich ein Beweis dafür, dass die Erinnyen etwas reprä- sentieren, was so gewislich existiert, dass der Mensch der Anerkennung seiner Macht sich ganz und gar nicht entziehen kann. Kal Aß daors ASe υςνεν, heisst es bei Aeschylus. Seine olympischen Götter nun hat sich der Grieche geschaffen als Götter der Lebenden*) und als Wächter der sittlichen Ordnungen dieses, des irdischen Lebens. Aber hinter diesem zeitlichen Leben steht im Bewustsein der Griechen in dunklem Hinter- grunde die Ewigkeit mit ihren Ansprüchen, zwischen welcher und dem zeitlichen Leben es für das Heidenthum ganz und gar keine Vermittelung gibt, daher auch ihre Forderun- gen mit den Wünschen des zeitlichen Lebens in den härtesten Conflict kommen. So steht hinter dem Zeus, mit so hohen Namen er auch gepriesen werden mag, im Hintergrund die Moı?«, allerdings, weil bloss dunkel geahnt, etwas formloses, aber von so gewaltiger Macht, dass sie den Zeus selbst von seiner Höhe herabstürzt, erhaben über den Wechsel von Entstehen und Vergehen, also von absoluter Existenz, während Zeus, als ein gewor- dener Gott, nur eine bestrittene und dereinst endigende Herrschaft besitzt; so stehen hinter der lichten und heitern Götterwelt der Olympier, obgleich diese auch als die Wäch- ter der sittlichen Weltordnung gelten, die dunkeln Gewalten der Mören und der Erinnyen, welche dem Menschen mit den Schrecken des Gerichts nahen und allerdings deswegen, wo sie auftreteu, vor ihrem furchtbaren Ernste die laute Lust der Freude Augenblicks ver- stummen machen. Es ist, wie wenn ein Strahl des wahrhaftigen Lichtes in diese gemachte Götterwelt hineinfiele und die Griechen den Ernst des heiligen Gottes ahnen liesse, der ein eifriger Gott und ein verzehrendes Feuer ist, ein Gott, der täglich dränet, vor dem einst, als er vom Sinai herab das Gesetz offenbarte, auch das auserwählte Volk nicht zu
*) Vgl. z. B. Aesch. Suppl. 145 ff. Well. el E h)ſ—, rOy oer. αᷣꝓτο Zα ν xe*εειννανιων 150 eOSa d A⁴˙dο⁸s dςτσιαι Sανονισσσι, àN rOSOAr e OXuo. Vergl. auch Nitzsch z. Odyss. III, p. 182.


