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erörtern; auch setzt uns Aechylus selbst hinreichend in den Stand, über seine Vorstellun- gen von diesen Gottheiten und über das, was denselben zu Grunde liegt, ins klare zu kommen, so dass wir uns auch bei dieser Untersuchung wieder ganz an den Dichter an- schliessen können..
Was nun zuerst das Amt anbetrifft, welches die Erinnyen verwalten, so finden wir es klar bezeichnet in den schon einmal citierten Worten des Chors in den Choephoren v. 296:„Für feindliches Wort feindliches Wort, statt blutigen Schlags blutiger Schlag, so ruft Dike, die Schuld eintreibend; dem Thäter des Leiden, das ist uralte Sat- zung.“ Was hier von der Dike, der Gerechtigkeit selbst, als ewige Ordnung procla- miert wird, das zu vollstrecken ist den Erinnyen als Hνεραννο ετ εν(Eum 365; vergl! den ganzen Chor von v. 295 an) als ihr Amt angewiesen worden; wie sie dem Mythus nach aus den Blutstropfen, welche von der an Uranos verübten Frevelthat zur Erde fielen, in nothwendiger und unmittelbarer Folge der ersten Verletzung eines Pietätsverhältnisses entstanden, so sind sie überhaupt die Rächerinnen vergossenen Blutes(xντε αιμααναοε, Eum. 308) und die Möra hat ihnen als ihr Loos zugetheilt, dem Mörder bis zum Tode nachzugehen und ihn auch im Tode nicht frei zu lassen; die Mutter Nacht hat sie geboren als der finstern und der lichten Welt Strafgeist(Eum. 310). An das Walten der Erinnyen ist der Bestand aller Ordnung, sowohi der natürlichen als der sittlichen(beides hängt ja mit einander zusammen), gebunden; allerdings üben sie die Pflichten ihres Berufes mit
unerbittlicher und unbengsamer Strenge aus, menschlichem Flehen vollkommen unzugäng- lich(duαοστσαεαmά⁶σο ots, Eum 357), aber nicht ohne einen ethischen Zweck, sondern im Dienst der ewigen Gerechtigkeit, der Aian selbst, deren Altar sie nicht ungestraft um- stürzen lassen(vergl. den herrlichen Chorgesang Eum. 463 fl., wo ihnen der Dichter die erhabensten Gedanken in den Mund legt), ja nach einer, leider nicht ganz klaren, Stelle (Eum. 337) verdankt es Zeus selbst nur den Töchtern der Nacht, dass er der Sorge für die Bestrafung des Bösen überhoben ist. Von einem blinden Trieb der Rache, den nach Schömann die Erinnyen repräsentieren sollen, dürfte meines Erachtens gar nicht die Rede sein; sie repräsentieren vielmehr die ewige, darum allerdings unabänderliche, von mensch- lichen Rücksichten durchaus unabhängige, menschlichen Bitten unerreichbare, sittliche Ordnung, deren strenges Gesetz heisst: Auge um Auge, Zahn um Zahn, nach welchem die Sünden der Väter an den Kindern heimgesucht werden bis ins dritte und vierte Glied; sie repräsentieren, um es mit einem biblischen Wort zu sagen, den Zorn Gottes über die Sünde und den Fluch des Gesetzes, unter welchen um der Sünde willen alles beschlossen ist. Fassen wir nun ihnen gegenüber die jüngern, die olympischen Götter ins Auge, so ist es vollkommen richtig, wenn O Müller sie als den Stämmen Griechenlands verwand- ter, menschlicher, milder bezeichnet; aber ich bin weit entkernt, denjenigen beizustimmen, welche in dem Übergang von jener ältern zu dieser neuern Götterwelt einen Fortschritt der griechischen Gotteserkenntnis, einen Fortschritt von finstern, starren und grausen


