Aufsatz 
Über die Orestessage, mit specieller Berücksichtigung des Aeschylus, als Beitrag zur Religionsgeschichte des Altertums / Klingender
Entstehung
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Nun ist es freilich bekannt und auch aus Aeschylus leicht zu beweisen, dass die Griechen, weil ihnen der Glaube an die göttliche Liebe und Gnade fehlt, welche nicht durch Ver- nunftgründe deduciert, sondern nur durch Thaten Gottes offenbart werden kann, ihrer Götter unter allen Umständen nicht sicher sind, dass sie also niemals mit unbedingtem Vertrauen sich ihnen hingeben, sondern vielmehr leicht, und zwar vorzüglich beim An- blick grossen Glückes und menschlicher Herrlichkeit, eine Gare Seoĩ fürchten(Pers. 93) und daher nur mit einer gewissen Beängstigung des Gemüthes solche Gaben hinnehmen, welche ihnen ja als besondere Zeichen göttlicher Huld gelten sollten es fehlt ihnen mit einem Worte das Vertrauen zu ihren Göttern, und selbst, wenn etwa ein Dichter eine unbedingte Hingebung an den Zeus ausspricht, wie diess Aeschylus in der erhabenen Stelle im Agam. v. 149 ff. Zedðe, öoσνι or' oπαιν εμαν

thut, so wissen wir einmal, dass die praktische Bewährung bei den Griechen hinter dem, was sie theoretisch von den Göttern aussagten, weit zurückblieb, und dann klingt doch ein solchesZeus, wer er auch sein mag vielmehr wie die Klage einer nach dem höch- sten Gut verlangenden Seele, dass sie den Gott nicht kenne, auf welchen sie ihr ganzes Leben gründen möchte, als wie der Ausdruck des Glaubens, der seines Gottes so gewis ist, dass er nichts fragt nach Himmel und Erde. Es konnte ja auch gar nicht anders sein. Nach dem Sündenfall hat sich die Furcht vor Gott der Menschen bemächtigt, und so er- kennen wir denn in dieser Unsicherheit der Heiden ihren, obendrein noch menschlich ge- dachten, also auch mit menschlichen Fehlern ausgestatteten, Göttern gegenüber und in ih- rem Mangel an Vertrauen zu ihnen nur das wenn auch noch so dunkle Bewustsein des Abfalls und das Gefühl dessen, was Paulus ausdrückt: wir sind von Natur Kinder des Zorns. Aber der Chor der argivischen Greise bei Aeschylus, um zu diesem zurückzukeh- ren, hat ausser dieser Ungewisheit dem Walten der Götter gegenüber, welche ihm mit der heidnischen Welt überhaupt gemein ist, offenbar noch einen besonderen Grund zur bangsten Furcht: es ist der alte Fluch des Atridenhauses, der den Freunden das Herz schwer macht und ihnen alle Zuversicht auf das, was die Zukunft bringen wird, raubt. Er bezeichnet es in dem Gesang, welcher mit v. 925 im Agam. beginnt, nicht ohne Grund als einen Soũvos Eperuog, was ihm immerfort im Busen erklinge. Oft wohl, sagt er, in glücklicher Fahrt treibe das Geschick den Menschen an verborgene Klippen; dann werde wohl das Fahrzeug gerettet, wenn man mit wohlbemessenem Wurfe einen Theil der reichen Ladung auswerfe, und reichliche Gabe vom Zeus und der Ertrag der jährlichen Erndten könne leicht den Verlust ersetzen.Wenn aber das Blut eines Menschen auf die Erde geflossen ist, welcher Zauber vermag den Todten ins Leben zurückzurufen? Mit dem zur Erde geströmten Blute weist der Chor zunächst hin auf das Opfer der königlichen Jungfrau, in weiterer Ferne auf die geschlachteten Thyestiden.