Aufsatz 
Über die Orestessage, mit specieller Berücksichtigung des Aeschylus, als Beitrag zur Religionsgeschichte des Altertums / Klingender
Entstehung
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Glied der Unheilskette an das andere reiht. Die früheren Greuel, welche oben erwähnt wurden, berührt Aeschylus nicht, nur dass er an einer Stelle, im Agam. 1021,*) darauf hinzudeuten scheint, wo Cassandra das Haus der Pelopiden ein Gott verhasstes nennt, das vieler Greuel Zeuge gewesen sei, durch die es mordend gegen sich selbst gewüthet habe. Offenbar enthob das grauenhafte jenes Mahles den Dichter der Nothwendigkeit, das Ver- derben des verfallenen Geschlechtes weiter herzuleiten, und er hat nichts unterlassen, was dazun dienen kann, das entsetzliche dieser Unthat recht grell auszumalen. Daher lässt er die Seherin Cassandra in ihrer Verzückung im Geiste schauen, wie die armen Kinder im Blute liegen und ihren Mord beweinen, und wie der unglückliche Vater ihr gebratenes Fleisch isst(Agam. 1028), und Aegisthus, der allein dem Tod entronnen, gibt eine Schil- derung jenes Mahles, die mit jedem Verse, ja mit jedem Worte uns aufs heftigste ergreift. (Agam. 1509 ff.) Auch der Fluch, was nicht ausser Acht zu lassen, wiederholt sich; denn nachdem Thyestes erfahren hat, was er gespeist, wünscht er unerträgliches Verder- ben den Pelopiden und trifft die Entweihung des Mahles und der Gastfreundschaft mit dem gerechten Fluche, dass das ganze Geschlecht des Plisthenes also untergehen möge. Vgl. Agam. 1532 ff.:.

u⁶ρον ερτον Iεαιοπνπαε˙εασς εᷣł‿euer,

AXdx τ‿μ deinr 5iree reSels a,

06 GXEO˙ν ᷣπν τ˙ Iεασ ˙ενονιςσ ενοs. Kein Wort ist hierbei zu übersehen. Was ist nun der Fluch?**) Ist es so, wie O. Müller(Eum. p. 165) will, dass vim Fluche das lang verhaltene Gefühl schwerer Krän- kung, schmerzlichen Unwillens plötzlich hervorbricht, wenn uns zustehende heilige Rechte von Personen, die sie am meisten achten sollten, freventlich verletzt werden? Freilich fehlt diesesGefühl schwerer Kränkung bei Thyestes nicht; aber das, was ihn berech- tigt(ναν 5αινέιαόα τν˙edς ⁴e⁵⁶σ]), das ganze Geschlecht der Pelopiden zu verfluchen, muss jeden- falls etwas anderes, etwas grösseres sein, als das, wenn auch noch so tiefe, doch immer nur subjective Gefühl persönlicher Verletzung, schon darum, weil dem Fluche die Erfül- lung auf dem Fusse folgt. Auch ist es ja nicht einmal die ihm persönlich widerfahrene Kränkung, sondern dass Atreus die Heiligkeit des Gastrechts mit Füssen getreten hat (Adντισιι deirνο), was Thyestes mit dem Fluche trifft. Pietas, sanctitas und religio sind es nach Cicero,(N. D. I, 1, 3) die das menschliche Leben zusammenhalten; quibus sub-

*) Ich citire nach der Ausgabe v. Franz, Lpzg. 1846, dessen Text ich auch folge, ohne dass darin eine Billigung aller von diesem Gelehrten aufgenommenen Verbesserungen liegen soll. Es war mir am bequemsten, mich an den verhältnissmässig sehr lesbaren Text von Franz zu halten; auf die Behandlung der Sache hat es keinen Einfluss gebabt.

*) Ich bedauere, dass ich für das folgende die Abhandl. v. Lasaulx über den Fluch bei d. Griechen u. Römern nicht habe benutzen können. Es ist mir nicht gelungen, sie zu erhalten.