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der schon oben im Himmel zu sein gewähnt hatte, aus der Gemeinschaft der Himmlischen verstossen(Aesch. fr. 146 bei Dindorf p. 276) und muss, von Zeus mit der bekannten Strafe belegt, des Frohsinns beraubt, ein elendes Leben voll unablässiger Angst und Drang- sal hinschleppen(s. Pind. a. a. O.). Tantalus ist der griechische Adam, der mit dem Herrn im Paradiese wandelt, und dem sich Gott offenbart; er ist der gefallene Mensch, der aus dem Paradiese vertriebene, der von Verlangen nach den verlorenen Gütern ver- zehrte, welche er in unablässigem Streben vergebens zu erreichen trachtet; er ist(wie vielleicht sein Name andeutet) der haltlos gewordene, dessen Leben keinen Stützpunkt mehr hat(bei Euripides Orest. 7 erscheint er als in der Luft schwebend), der mit dem Fluch, mit der schweren Last der Lebensmühe beladene, mit der Angst des Todes geplagte Mensch. Wende man gegen diese Deutung nicht ein, dass es der heitern, frohen Griechen- welt ganz fern gelegen habe, sich mitten im Leben als vom Tode umfangen anzusehen: nur wer willkürlich idealisiert, kann bei den Griechen nur von einer stets ungetrübten jugend- lichen Frische und Heiterkeit des Daseins reden; diese ist ihnen allerdings in hohem Maase eigen gewesen; aber zugleich hat es wie der Fels des Tantalus über den Häuptern dieser reichbegabten Menschen geschwebt, also dass sie oft mitten in der Fülle ihres rei- chen Lebens kaum aufzuathmen wagen, und die tiefen, durch Menschenhand nicht heilbaren Schäden des Menschengeschlechts, der Fluch der Sünde und das Grauen des Todes sind von dem griechischen Volke in grösster Stärke empfunden worden(vgl. die treffliche Schrift von Lasaulx: de mortis dominatu in veteres).—
Nun ist es gewis kein Zufall, dass Tantalus, den wir als den Adam der Griechen bezeichneten, der Stammvater desjenigen Königsgeschlechtes ist, in welchem grausiger Mord vom Vater auf den Sohn und den Enkel forterbt bis zn dem Punkte, wo der furchtbare Fluch nur mit dem gänzlichen Untergange des Pelopidenhauses scheint gesühnt werden zu können. Es ist, als ob sich die Griechen in den Geschicken und Thaten der Tantaliden die Erbsünde zur Anschauung gebracht hätten. Denn die Wahrheit, dass das Menschen- geschlecht nicht ein Aggregat von nur zufällig und äusserlich verbundenen Individuen, sondern ein organisches Ganzes sei, hat das griechische Alterthum wohl anerkannt, freilich mit der Einschränkung, dass es diesen organischen Zusammenhang nur in den Grenzen der Stammes- und Familiengenossenschaft anerkannte. In dieser Beschränkung lag den Grie- chen nun auch die weitere Einsicht nahe, dass der Character eines ganzen Geschlechts durch seinen Ahnherrn gewissermassen präformiert, und sodann, dass ein ganzes Geschlecht für die Schuld des Stammvaters, wofern dieselbe nicht durch einen besonderen, aber nicht
p. 42 fl. Es ist die griechische Form der Erzählung vom Sündenfall; er wollte sein, wie die Göt- ter, wie die Schlange im Paradiese den ersten Menschen vorspiegelt: ihr werdet sein, wie Gott. Und wie die Protoplasten zu ihrem Schaden die Erkenntniss des Guten und Bösen bekamen, so Tantalus die Unvergänglichkeit(cf. Pind. I. l.); denn sie verewigte sein Elend.


