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lichen Lebens die Griechen gelangt sind, und welche Grenzen ihrer Erkenntnis gesteckt waren. Bei der Untersuchung der genannten Sage werde ich mich an die bekannte Tri- logie des Aeschylus halten, weil mir dieser, was Tiefe der Gedanken anbetrifft, grösste unter den griechischen Tragikern als würdigster Interpret der tiefsinnigen Sage erschienen ist. Auf die Ansichten der Gelehrten, welche über die Orestee des Aeschylus geschrieben haben, habe ich des beschränkten Raumes wegen nur hie und da eingehen können.
Es sei mir erlaubt, die Untersuchung über den Sinn und Gehalt der Sage vom Orestes mit einem kurzen Hinblick auf eine andere, zwar nicht in einem unmittelbaren Zusammenhang damit stehende, aber doch auch nicht ganz fremde Sage zu beginnen. So- wohl bei andern Völkern, als auch bei den Griechen hat sich die Erinnerung an einen glückseligen Urzustand der Menschen erhalten, wo sie das rechte ohne Gesetz, ohne Furcht vor Strafen von selbst thaten, und in ungestörtem Frieden Göttern gleich ihr Leben hin- brachten, ein ewiger Frühling auf Erden blühte, Blumen ohne Samen dem Boden ent- sprossten und die Erde, nicht durch den Pflug und den Spaten verwundet, von selbst alles spendete. Als aber das Menschengeschlecht aus der ursprünglichen Unschuld fiel, da ge- schah auch in dem Reich der Natur eine so gewaltige Umwandlung, und ein solches Heer von UÜbeln brach in das menschliche Leben ein, dass es den weisesten am besten schien, entweder gar nicht geboren zu werden, oder alsbald nach der Geburt zu sterben. Mit grosser Sehnsucht gedachten die Griechen des verlorenen Paradieses,*) dessen Glückselig- keit sie sich nicht ganz von der Erde verschwunden, sondern zu den entlegensten, an den äussersten Grenzen der Welt wohnenden Völkern geflüchtet vorstellten. Bei Ilomer hei- ssen sie Aethiopen, die gerechtesten der Menschen, zu deren Opfermahlzeiten die Götter gehen; bei Aeschylus sind es die gerechten und gastfreundlichen Abier oder Gabier, bei welchen weder Pflug noch Hacke das Feld verletzt, sondern von selbst die Gefilde reich- lichen Unterhalt den Sterblichen tragen(fr. Aesch. bei Dindorf p. 286, 184). In den Kreis eben derselben uralten Erinnerungen gehört ohne Zweifel auch die Sage vom Tantalus, von welchem das Geschlecht der Pelopiden seinen Ursprung ableitete. Er ist nach Aeschy- lus einer von denen, welche dem Zeus nahe wohnten, und in welchen das Blut der Götter noch nicht verblichen war(Plat. repb. p. 361 E. Strub. XII, p. 580), von den olympischen Herrschern geehrt, wie kein anderer Sterblicher(Pind. Ol. I, 60 ff), Mitgenosse ihres Ti- sches und eingeweiht in ihre Geheimnisse(Diod. Sic. IV, 74). Aber da er die Fülle sei- nes Glückes nach Menschenweise nicht zu ertragen vermochte, und, nicht zufrieden damit, Götterfreund zu heissen, das an sich riss, was nur den Göttern gehörte,*t) so wurde er,
*) Vergl. die sehr beachtenswerthe Abhandlung von Th. Bergk in den Relid. Comoed. Ant. p. 188 flf.—
**) Fr entwendete Nectar und Ambrosia, d. h. dasjenige, worin der Unterschied der Götter und der Menschen begründet ist; denn Ambrosia ist Unsterblichkeit, s. Nägelsbach hom. Theol.


