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nisi doceatur a deo. Ita philosophi, quod summum fuit humanae sapientiae, assecuti sunt, ut intelligerent, quid nonsit; illud assequi nequiverunt, ut dicerent, quid sit. So sind es also nur negative Resultate, zu denen das vorchristliche Alterthum in seiner Gotteserkenntniss gelangt ist; etwas positives von ewiger Gültigkeit, etwas sicheres, zu- verlässiges, die Menschheit befriedigendes aufzustellen hat es nicht vermocht, Antworten auf die wichtigsten Fragen, Heilung für die Schäden des menschlichen Geschlechts haben die Alten nicht gefunden: das einzige, was sie erreicht haben, und allerdings auch das höchste, was die sich selbst überlassene menschliche Natur ohne specielle göttliche Offen- barung erreichen kann, ist das, dass sie, die Schwäche und Unhaltbarkeit ihrer eigenen Meinungen wohl einsehend, das Elend des menschlichen Daseins, vor allem auch das Elend dieses des Zieles stets verfehlenden Strebens aufs lebhafteste fühlten, dass sie deutlich erkannten, was zu wissen, was zu besitzen eigentlich Noth thäte, und dass sie über die wichtigsten Dinge, über welche der Mensch nothwendig im klaren sein muss, wenigstens Fragen stellten, an der Lösung freilich verzweifelnd, oft aber die Sache bis zu dem Punkt führend, auf welchem mit einem Wort des Räthsels Lösung gegeben ist. Wie wenig die Alten selbst den von ihnen gewonnenen Resultaten trauten, beweisen, um nur weniges anzuführen, Cicero's Worte de nat. deor. I, 2, 5: es gebe nichts, worüber Ungebildete und Gebildete so wenig übereinstimmten, als über das Wesen der Götter, und bei dieser Man- nichfaltigkeit widerstreitender Meinungen sei es gar wohl möglich, dass keine derselben, das aber sei unmöglich, dass mehr als eine wahr sei; und es ist nichts weniger, als völ-— lige Verzweiflung, die Wahrheit zu finden, wenn die alten Philosophen, Democrit, Anaxa- goras, Empedocles, klagten: man könne nichts erkennen, nichis begreifen, nichts wissen; die Sinne seien zu beschränkt, der Geist schwach, das Leben kurz und die Wahrheit in die Tiefe versenkt; auf Meinungen und Herkommen beruhe alles, für die Wahrheit sei kein Raum gelassen, kurz alles sei in Finsterniss gehüllt(Cic. Acad. I, 12, 44).*)
Diess wenige habe ich geglaubt vorausschicken zu müssen, um für das folgende von vorn herein die richtigen Gesichtspunkte zu geben. Nägelsbach hat es in der Vorrede z. hom. Theologie als die Aufgabe der Alterthumsforschung bezeichnet, eine vollständige Religionsgeschichte des classischen Alterthums zu liefern, und er selbst und fast noch mehr E. v. Lasaulx haben sich um die Erforschung der vorchristlichen Cultur nach dieser Seite hin grosse Verdienste erworben. Die folgende Abhandlung will als ein Beitrag zur Lö- sung dieser Aufgabe gelten, und zwar ist es ihr Zweck, an der Orestessage das Ringen des griechischen Geistes um die Wahrheit und das Ahnen derselben nachzuweisen, sowie zu zeigen, bis zu welchem Punkte in einer oder einigen der wichtigsten Fragen des mensch-
*) Vergl. Lasaulx de mort. dominatu in vet. Monaci 1835.


