Aufsatz 
Über die Orestessage, mit specieller Berücksichtigung des Aeschylus, als Beitrag zur Religionsgeschichte des Altertums / Klingender
Entstehung
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Uber die Orestessage,

mit Specieller Berücksichtigung des Aeschylus, als Beitrag zur Religions- geschichte des Alterthums.

In seinen theologischen Streitschriften sagt Lessing einmal:Wenn Gott in seiner Rechten alle Wahrheit, und in seiner Linken den einzigen, immer regen Trieb nach Wahr- heit, obschon mit dem Zusatze, mich immer und ewig zu irren, verschlossen hielte und spräche zu mir: wähle! Ich fiele ihm mit Demuth in seine Linke und sagte: Vater, gib! die reine Wahrheit ist ja doch nur für dich allein! Wäre dem wirklich so, wäre wirk- lich das Suchen nach der Wahrheit, selbst mit der Aussicht, sie nun und nimmer zu fin- den, höher anzuschlagen, als ihr Besitz; so würden wir die Griechen und Römer und iberhaupt die ganze vorchristliche Menschheit besonders glücklich zu preisen haben, als solche, denen das Streben nach dem höchsten Ziele als Aufgabe ihres Daseins gestellt war mit der ihnen selbst nicht verborgenen Aussicht, es niemals zu erreichen. Denn Gott zu suchen, ob sie ihn tasten und finden möchten, bezeichnet der Apostel Paulus(Act. XVII, 27) als die Aufgabe der Heiden vor der Erscheinung dessen, welcher der Weg, die Wahr- heit und das Leben ist; über die Ergebnisse des Forschens und Strebens der Alten aber (d. h. der Griechen und Römer, welche wir überhaupt hierbei speciell im Auge haben) urtheilt Lactanz(de orig. error. II, 3, 23) sehr richtig, wenn er sagt: Verum scire, divi- nae est sapientiae. Homo autem per se ipsum pervenire ad hanc scientiam non potest,