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turme, sollte sich auch das volk dreimal im jare versammeln, seine stärke suchen und seinen frieden finden, daß es nicht zerstreut werde unter die heiden.
Endlich, nachdem der Hausvater alles gethan hatte, was zum fröhlichen gedeihen seines weinberges nötig war, denn was sollte er mehr thun? that er ihn aus den wein- gärtnern, daß sie ihn bebauen und dem Herrn gewißenhaft die früchte bringen sollten;— das 8560ozo bedeutet eine verpachtung gegen eine abgabe von früchten, wie aus v. 34. sich ergiht. So übergab Golt den Hohenpriestern, Schriftgelehrten und Aeltesten des volkes den dienst in seiner kirche als den weingärtnern, den acker- und bauleuten. Nach seinem wort und willen sollten sie wachen über seinen weinberg(über sein volk), sollten ihn begießen und säubern von allem unkraut und unter gebet das gedeihen von Ihm erwarten(1. Cor. 3, 5— 9), dem sie von all' ihrem thun als ihrem Oberherrn rechenschaft zu geben schuldig sind, und von dem sie, wenn sie treu sind, ihren lon empfangen; nicht allein den zeitlichen genuß von allen zehnten, womit er sie dinget zu seinem dienst, sondern auch den ewigen, da sie ihn, den Jehova zu ihrem teil haben werden.
⁴mε⁶νφμυν und er zog fern über land. Luc. fügt hinzu: xο⁶eνοωσσιε ειιαον⁹, lange zeit; eigentlich er scheidete sich von ihnen, nicht als ob der Hausvater, Gott selbst, seinem volke entfernt gewesen sei, sondern insofern als er aufhörte, sich so zu offenbaren, wie er den patriarchen und dem volke in der wüste getan hatte: durch sichtbare erschei- nungen, durch wunder und ausübung seiner'gerichte; er ließ sie, sein volk und seine aufseher, nachdem er ihnen sein wort und gesetz gegeben, das lehr- und priesteramt ein- gesetzt und so eine richtschnur des glaubens und der warheit hinterlaßen hatte, selbst gewähren, und erwartete, ob sie mit treuer ergebenheit, das anvertraute gut verwalten würden.
Hier endigt der erste abschnitt der parabe!, welcher von der pflanzung der kirche des A. T. handelt.
Es ist aber die jüdische kirche ein vorbild der christlichen. Gleichwie Gott der Herr gestern das volk Israel vor allen anderen völkern zu seinem eigentum erwält hatte aus liebe und freier gnade; also hat er auch heute seinen weinberg unter uns gepflanzt und uns zu seinem volke berufen durch sein evangelium nach seinem vorsatz und gnade, nicht nach unseren werken. Dieses sein heiliges wort ist der zaun, den er um uns gezogen hat, daß wir darnach leben sollen als ein abgesondertes d. i. heiliges volk. Dazu hat er auch die kelter gegraben, er läßet durch seine knechte sein wort predigen zur buße und zum glauben, und hat die weltliche und geistliche obrigkeit auf unsere Türme gestellt, damit nicht seine kirche von wilden tieren, von falschen propheten und grausamen verfolgern verwüstet werde. Bitten wir nur den Herrn, daß er treue arbeiter in seinen weinberg sende, welche die früchte bringen zu seiner zeit, treue hirten, welche sich unter der obhut ihres gen himmel gefarenen und abwesenden, doch allezeit gegenwärtigen Herrn wißen, welche arbeiten, ohne auf sich selbst oder rückwerts zu schauen, welche wachen und beten, um Ihm seelen zu gewinnen.


