Aufsatz 
Das Gleichnis von den gottlosen Weingärtnern ausgelegt / von Ernst Klinckerfues
Entstehung
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gegebene gesetz, wodurch Israel von den heiden abgesondert wurde, und diese scheidewand sollte sein ein zuchtmeister auf Christum(Gal. 3, 24), der sie weggenommen hat. Gleichwie ein weinberg ein abgesonderter ort ist, also war auch die kirche abgesondert, darinnen sein und bleiben sollte ein heiliges volk dem Herrn seinem Gotte, der es sich zum eigentum erwälet hatte aus allen völkern der erde.(Deut. 14, 2.) Darum nennt sie auch Salomo einen verschloßenen garten und einen versigelten brunn.(Cant. 4, 12.)

Das mßd. in Jes. 5, 2. hat Luther übersetzt: er hat ihn mit steinhaufen verwaret, beßer: er hat ihn von steinen gereinigt*), d. h. alles entfernt, was dem wachstum der kirche hinderlich war, nemlich die heiden und ihre abgötterei ausgerottet.

Lr0*,(bei Me. drτο⁵υηκ⁶ον, auch fehlt wider svν ανι) und er grub eine kelter in demselben zur auspressung der trauben. Die kelter wurde, wie es noch jetzt im Oriente geschiht, in dem weinberge selbst angelegt und bestand aus zwei über einander ligenden behältern oder kufen; die obere in den felsen ausgehauene oder eingemauerte kufe (1= Neh. 13, 15. Joel 4, 13.(3, 18.) oder= d Jes. 63, 3. Hagg. 2, 16), in welche die trauben geschüttet und von menschen ausgetreten wurden, hatte unten eine ver- gitterte oeffnung zum durchlaufen des mostes in die untere in der erde beſindliche kufe (εrπτον= 2. Joel 2, 24. 4, 13. Prov. 3, 10. Jes. 16, 10), einen in stein ausgehauenen trog(r0νιοωνν Jes. 5, 2), woraus er zur gärung in schläuche gefaßt wurde.

Gott der Herr grub auch eine kelter in der hoffnung, daß der weinberg edle trauben bringen und ein edler wein gewonnen werde. Es ist damit die predigt der propheten abgebildet, dadurch die gedrückten, gepressten herzen der sünder zerbrochen werden(Jes. 61, 1.) und durch trähnen der buße zum glauben dringen sollten; denn das wort Gottes ist wie ein hammer, der felsen zerschmeißet(Jer. 23, 29).

uνον de er baute einen turm, einen wachturm zur hut und verwarung des weinberges, von wo aus, wie von einer warte, die winzer, welche daselbst auch wonten, umschau halten sollten. Gleichwie ein weinberg wegen seines angenemen schattens und seiner edlen früchte vielen einfällen und räubereien ausgesetzt ist; also ist auch dié kirche Gottes vielen gefaren unterworfen, die feinde suchen sie zu verwüsten, sie ist eine lilie mitten unter den dornbüschen(Cant. 2, 2.)., Damit aber dieser herliche, wohl eingerichtete und von allen seiten geschützte weinberg nicht schaden leide von äußeren und inneren feinden, baute Gott auch einen turm d. i. den tempel und setzte die obrigkeit ein. Dort im tempel auf dem berge Moriah, von dem aus man über das feste Jerusalem hinaus sehen konnte, saß die Priesterschaft und hielt wache, daß keine falsche lehre in diesen geistlichen weinberg eindringe. Um diesen Gotftesturm, das warhaftige gegenbild zum babylonischen

Anm. Holländisch übersetzt: van steenen gesoubert; gerade so Stier in seiner berichtigten üben- setzung Luthers: und von steinen gesäubert; de Sacy: il l'en ôta les pierres.