— 1—
Das zweite gleichnis von den gottlosen weingärtnern (nach Mth. 21, 33-46. Mc. 12, 1-12 und Luc. 20, 9-¹9.)
gibt eine noch schärfere charakteristik der innern verworfenheit des jüdischen Hohenrates, und enthält die ganze geschichte der jüdischen kirche. Der Herr offenbart hierin den Aeltesten, den Hohenpriestern und Schriftgelehrten ihre schwere verschuldung um das ihrer pflege anvertraute volk und die folge ihres bewusten, vorsätzlichen unglaubens, das gericht, das über sie und üher das ganze volk komen werde.
Der inhalt dieser parabel ist genomen aus Jes. 5, wo wir das vorbild haben. Im vorhergehenden hatte der prophet Israels schwere sünden aufgedeckt, hatte ihm Gottes zorn und die gerechten strafen vorgehalten, die gewis nicht ausbleiben würden, wofern es sich nicht bekehre, aber»seine arbeit war vergebens, er brachte seine kraft umsonst und unnütz zu.« Was rats nun? Wolan, spricht Jesaias, ich will singen meinem lieben ein lied meines freundes oder wie Luther übersetzt: meines vettern d. i. des Messias; denn heißt beides, ein freund und ein vetter oder blutsverwandter; Jesaias aber war ein vetter des Herrn nach dem fleisch; denn Amoz, der vater des propheten, war ein bruder des königs Amazia aus dem stamme Juda. Verfaßer dieses liedes ist der Herr selbst, der, wie er auf mancherlei weise zu den vätern, so auch durch seinen geist zu Jesaias geredet hat. Dieses lied will er singen seinem lieben, d. i. im namen seines geliebten, eben desfelben, welchen er seinen vetter nennt, und Jesaias will also sagen: ich will im namen meines lieben vetters sein lied singen, das von seinem weinberge handelt, will dies gleichnis des Herrn zu dem abgefallenen volke reden, vielleicht daß es mich dann höret und sich bekehret.
Hier gehet das vorbild in erfüllung; der Herr hebt nun selbst an mit seinem gleichnis, das schon sein knecht dort hat singen müßen in seinem namen.
Vers 33. ALy α⁴ρααρ⁵σο ⁴σσα eνασωωσππηοο ⁷Qν nαοαεοαmσενε, ögris sqνπνεενασεν νιεᷣεμννα‧ zò οτνρμ⁶eνραμνν πεινεν⁹ε, vd οεεν εν ατ Qτω,„ 2ul SrO0νμω πννοσον: zc¹ 2&ε⁶οοοο οαςτοων εκ d, ncl drνναυσεν.— Höret, spricht er, um alle zu größerer aufmerksamkeit auf eine sache von der höchsten wichtigkeit zu lenken, ein ander gleichnis; ich habe noch weiter mit euch zu reden.— Die worte des Mc.(12, 1) ⁷έατι Mννπαοαςα ε.αοαασσοας könnten auffallen; er will sagen: der Herr fieng zum zweitenmal an ingleichnissen zureden und zwar hier adroig, zu den Obersten in Jerusalem, zum unterschiede von einem früheren anfange(MMc. 4, 2 ff.), wo der Herr zu dem volke in Galilaea in gleichnissen redete. Die worte des Luc. 20, 9: 7100 10» 10„ heißen: vor dem volke, so daß dieses zuhörte, ein ungenauer ausdruck


