Aufsatz 
Das Gleichnis von den gottlosen Weingärtnern ausgelegt / von Ernst Klinckerfues
Entstehung
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mit segnender liebe zu den armen blinden und lahmen und heilete sie unter dem zujauchzen der kinder. Aber die Hohenpriester und Schriftgelehrten entrüsteten sich über solche thaten und das unschuldige kindergeschrei erregte ihren grimm. Der Herr aber antwortete ihnen auf ihre frage mit verweisung auf die weißagung in Ps. 8. So abgefertigt und zum schweigen gebracht, verläßt er sie und geht am abend mit seinen jüngern wider nach Bethania.

Als nun Jesus am dritten morgen(Mittwoch, den 12. Nisan) wider im tempel lehrte und das evangelium predigte(Luc. 20, 1), traten die Hohenpriester und Schriftgelehrten mit den Aeltesten zu ihm und fragten ihn: aus was für macht thust du das und kraft wessen auftrags wagst du solches zu vollbringen? nemlich den tempel zu reinigen, öffentlich im tempel zu lehren und wunder zu thun. Sie hatten erst einen rat gehalten, wie sie ihn umbrächten, allein sie wißen nicht, wie sie es anfangen sollen; denn das volk hieng ihm an. Es muß aber doch etwas gethan werden; also treten sie mut faßend keck zu ihm heran und fragen wider, mehr können sie nicht, nach seiner vollmacht, obgleich es ihnen der Herr drei jare hindurch so oft bezeugt hatte. Jesus aber antwortete ihnen nicht direct auf ihre frage, sondern legte ihnen eine gegenfrage vor von der taufe Johannis, um ihnen einesteils ihr gottloses maul zu stopfen und sie merken zu laßen, daß sie der offenbaren warheit wider- stehn, andernteils aber will er ihnen, obgleich sie sich weder durch den unterricht des Johannes gebeßert, noch durch seine ernsten reden und wunder haben überfüren laßen, zu glauben, daß er alles in göttlichem auftrage und in göttlicher macht gethan habe, noch einmal gelegenheit geben, den weg des heils zu betreten. O unbegreifliche, erbarmende liebe, welche will, daß allen menschen geholfen werde und zur erkentnis der warheit komen, die keinen gefallen hat am tode des sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe. Hätten sie nun die gegenfrage aufrichtig beantwortet, so würden sie seine Messiaswürde und damit die vollständige antwort auf ihre frage bekannt haben; aber sie erheucheln unwißenheit und offenbaren dadurch ihre verstocktheit; sie sagen: wir wißens nicht.

Um nun diese nicht wißen und nicht glauben wollenden zu überfüren, zwingt sie der Herr in den beiden folgenden gleichnissen, von welchen das erste die vorbereitung und den übergang zum zweiten bildet, sich selbst zu verurteilen. Wenn ihr also das nicht wißet, färt Jesus fort, so wißet ihr vielleicht folgendes und legt ihnen das erste gleichnis von den beiden söhnen vor. Die sache ist so einfach und klar, daß sie unmöglich anders, denn nach der warheit antworten können; sie müßen den zweiten sohn verurteilen und damit sich selbst. So deckt ihnen der Herr ihre strafwürdigkeit auf wegen ihres heuchlerischen unglaubens und zeigt ihnen, zurückweisend auf Johannes, auf seine lehre und taufe und ihnen indirect antwort gebend auf seine eigene gegenfrage, daß aufrichtige reue und buße die grösten sünder selig machen, daß aber heuchelei, hochmut und selbstgerechtigkeit zur verdammnis füren.

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