Aufsatz 
Das Gleichnis von den gottlosen Weingärtnern ausgelegt / von Ernst Klinckerfues
Entstehung
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dich sehr, und du tochter Jerusalem, jauchze; siehe, dein könig komt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm, und reitet auf einem esel, auf einem jungen füllen der eselin.«(Sach, 9, 9). Daran sollte Israel erkennen, daß er wirklich der verheißene»könig sei über alle lande«, welchen Gott ihm erwecken wollte(Sach. 14, 9), und das volk begrüßte ihn auch als den Sohn Davids, als den großen propheten(Mth. 21, 9. 11), als den könig in Israel(Luc. 19, 38. Joh. 12, 12). Damit es ihn aber nicht für einen irdischen könig halte, der das irdische reich Israel wider aufrichten werde, darum erschien Jesus nicht in glanz und herlichkeit, mit rossen und wagen, sondern arm und demütig, reitend auf einem eselsfüllen, darum war sein zug nicht zur burg, zum königspalaste, sondern zum tempel gerichtet. So war sein ganzer aufzug voll ernidrigung und demut, und dennoch ein triumfzug, den seine feinde mit grol- lendem herzen ansahen. Zum tempel zog Jesus und alles volk ihm nach; denn wohin anders sollte er ziehen? war es doch sein gang immer gewesen, wenn er nach Jerusalem gekomen war. Und was that er heute im tempel? Mth. knüpft unmittelbar an den einzug die reinigung des tempels; nach dem berichte des Mc.(11, 11) aber geschah dieselbe der zeitfolge gemäß erst am folgenden tage; denn an diesem gnaden- und freudentage wollte der Herr nicht gericht halten; deshalb besah er alles mit strafendem blicke und kehrte am abend mit seinen jüngern nach Bethania zurück.

Am folgenden morgen(Dienstag, den 11. Nisan) begab sich Jesus wider nach Jerusalem. Es war der gang, auf welchem er sich in zwei symbolischen handlungen als strafenden richter offenbarte; gestern hatte er sich bezeugt als den herlichen könig und als den barmherzigen herrn, der unter trähnen das abgefallene Jerusalem beklagte.

Die erste symbolische handlung ist die verfluchung und alsbaldige verdorrung des feigenbaumes, darinnen Israel abgebildet ist, ein baum im üppigen blätterschmuck, doch ohne früchte. Der fluch, der ihn trifft, zeigt das über Israel komende strafgericht an; mit seinem äußerlichen gottesdienst voller worte und heuchelei ist dem Herrn nicht gedient; er will aufrichtige, bußfertige herzen und früchte des glaubens sehen. Mth. hat hier, wider wie oben die zeit vergeßend über die sache, die verdorrung des feigenbaumes mit der rede Jesu zu den es warnemenden jüngern zusamengestellt; aber Mc. sagt uns, daß erst am dritten tage(Mittwoch) die erfolgte verdorrung von den jüngern staunend bemerkt und darüber geredet worden sei.

Die zweite symbolische handlung ist die reinigung des tempels von den greueln, welche in dem Vorhof desfelben verübt wurden. Wie der Herr am vorigen tage die weißagung des Zacharias buchstäblich erfüllt hatte, so erfüllt er heute die des Maleachi. Durch diese that, welche er schon einmal am anfange seines lehramtes vorgenommen hatte, bezeugt er sich als den strafenden Herrn, der sein haus nicht zu einer mördergrube gemacht wißen will; denn Er will darin wonen und in reinen herzen. Wunderbare, aus seiner nidrigkeit hervorleuchtende göttliche allmacht, der niemand widerstehen kann! Sodann wendete er sich