Aufsatz 
Das Verhältniß des Isokrates zur Sophistik / von Theodor Klett
Entstehung
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des Anklägers angeführt; 15,30., wo Iſokrates in ſeinem eigenen Namen ſpricht, umſchreibt er den Ausdruck mit αραα τ 5luαd gy Tolg dyεσαι ταενεετε*ν, cfr. auch 15,247.281. Nun iſt, wenn man von dem praktiſchen Erfolg abſieht und nur die Verſtandesthätigkeit als ſolche in's Auge faßt, das, was dieſe d,uaoasye, thun, ganz dasſelbe, was die Bearbeiter von 254ec« thun, wenn ſie paradoxe Themen theoretiſchen Charakters ausführen und vertheidigen. Wer das Letztere konnte, der konnte, wenn er daneben die nöthigen juridiſchen Kenntniſſe hatte, auch das Erſtere, und wer an dem Letzteren eine Freude hatte, der verſchmähte gegebenen Falls wohl auch das Erſtere nicht. Wenn wir nun wiſſen, daß Protagoras eine eᷣxαην εεαιστιναάν geſchrieben hat, daß er und Gorgias einerſeits ſich mit den theoretiſchen Streitfragen in ſkeptiſchem Sinn beſchäftigt haben und andererſeits als Lehrer der roluriuy und der Rhetorik ihre theoretiſche Skepſis praktiſch angewandt haben, und wenn Iſokrates die Sophiſten ſeiner Zeit in Eriſtiker und Rhetoriker ſcheidet, beiden Claſſen gemeinſam aber den Vorwurf der Unwahrheit und einer ſubjektiviſtiſchen Selbſtüberhebung macht, ſo liegt es doch gewiß ſehr nahe, zwiſchen den Sophiſten zur Zeit des Iſokrates und den Matadoren der älteren Generation einen inneren Zuſammenhang anzunehmen: an eine Schule, bei der in verba magistri geſchworen wurde, zu denken, das allerdings iſt nicht nur unnöthig, es widerſpräche auch dem vorausgeſetzten Charakter dieſer ſophiſtiſchen Richtung. Daß aber innerhalb des weiten Kreiſes von profeſſionellen Lehrern höherer Bildung, die es im damaligen Griechenland und ſpeziell in Athen gab, die Welt⸗ anſchauung wie die dieſer enſprechende formaliſtiſche, gegen den Inhalt gleichgiltige Methode des Prota⸗ goras und Gorgias ganz entſchieden überwog, daß die verſchiedenen Richtungen zur Zeit des Iſokrates, wo ſchon die Arbeitseintheilung zwiſchen Praktikern und Theoretikern eingetreten war, gleichermaßen auf den protagoreiſch⸗gorgianiſchen Urſprung zurückweiſen, das geht aus des Iſokrates Rede gegen die Sophiſten wohl klar hervor und wird durch das, was Iſokrates in der Rede αο emτεεσάςↄν ſagt, ſpeziell durch die Vorwürfe, gegen die er theils die Sophiſten überhaupt theils wenigſtens ſich ſelbſt im Unterſchied von dieſen vertheidigt, viel mehr beſtätigt als widerlegt.

Man könnte nun einwenden, Iſokrates, der doch, wenn einer, zu den Sophiſten im weiteren Sinn gehöre und an ihren Beſtrebungen Theil nehme, zeige keine Spuren jener Einwirkung; es handle ſich alſo doch wohl mehr um eine zufällige Übereinſtimmung Einzelner als um einen beſtimmten Cha⸗ rakter einer ganzen Claſſe. Da aber Iſokrates von ſeiner Polemik keinen ſeiner Berufsgenoſſen aus⸗ nimmt, ſo wäre vielmehr nur er ſelbſt eine Ausnahme, die eben durch ihre Polemik die Regel beſtätigt. Ich glaube jedoch, daß in Wahrheit ſich Einwirkungen derjenigen Richtung, die Plato und Ariſtoteles als Sophiſtik bezeichnen, bei ihm allerdings nachweiſen laſſen, Einwirkungen, die um ſo unzweifelhafter ſein dürften, je weniger Iſokrates von Haus aus die aufkläreriſche, kritiſch zerſetzende Tendenz eines Protagoras und Gorgias theilt. Sein Standpunkt iſt der Wiſſenſchaft gegenüber der des Praktikers, der eine Berechtigung der Wiſſenſchaft nur anerkennt, inſoweit dieſe nützen kann, und zwar will er den Nutzen unmittelbar ſehen, weßhalb er die 2½4dec verwirft 10,1., in der Praxis aber ſucht er zwiſchen Nutzen und Moral einen Kompromiß abzuſchließen, den ihm ſeine unbedingte Anerkennung der Tradition und der populären Anſchauungen 12,149 f. 15,84. leicht macht. Iſokrates iſt allerdings ein Skeptiker, er hat die Überzeugung, daß dem Menſchen die Erkenntniß der Wahrheit verſagt ſei 15,271. Aber dieſe Skepſis iſt die des ſogenannten geſunden Menſchenverſtands, der ſich dabei beruhigt, zu ſagen, daß man nichts Gewiſſes wiſſe, ohne das Bedürfniß der Begründung dieſer ihm unmittelbar einleuchtenden Behauptung zu haben. Ja Iſokrates könnte ſogar von ſeinem Standpunkt aus die Möglichkeit einer Erkenntniß der Wahrheit zugeben und würde darum doch nicht aufhören, in ſeinem Sinn Skeptiker zu ſein. Denn in dem zum mindeſten, auf was es ankommt, um im Leben vorwärts