Aufsatz 
Das Verhältniß des Isokrates zur Sophistik / von Theodor Klett
Entstehung
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es nicht halten konnten. In Wirklichkeit mag es meiſt ein Mittelding zwiſchen Selbſttäuſchung und bewußter Täuſchung anderer, eine abſichtliche Blindheit gegen das, was bei ſolcher Abrichtung noch fehlte, geweſen ſein. Daß Iſokrates aus polemiſchem Intereſſe in ſeinem Antrittsprogramm über⸗ trieben habe, iſt nicht wohl anzunehmen: Worte wie dαe ryy? öywu Srirjar? dorsc Tv rdv ypæduudro raaddasεν 13,10. konnte Iſokrates am allerwenigſten in ſeinem Programm ſeinen Rivalen in den Mund legen, wenn ſie nicht wirklich von ihnen geſprochen worden waren. Auch hätte Iſokrates bei dem Selbſtgefühl, das ihn beſeelte, 13,11. 15,2., gewiß nicht gleichmäßig am Anfang und gegen den Schluß 15,195. ſeiner Wirkſamkeit gegen die übertriebenen Verſprechungen ſeiner Berufsgenoſſen ausdrückliche Verwahrung eingelegt, er hätte ſich vielmehr bei dem Hinweis auf ſeine eigene thatſäch⸗ liche Überlegenheit beruhigt, wenn jene Verſprechungen nicht in Wahrheit die Grenzen des Möglichen überſchritten hätten. Ziehen wir das Ergebniß aus dem, was Iſokrates über die zweite Claſſe ſeiner Berufsgenoſſen ſagt, ſo zeigt ſich wieder, daß er das Wort Sophiſt in einem viel weiteren Sinn ge⸗ braucht, als Plato und Ariſtoteles, wie wir ja oben geſehen haben, daß er ſogar die ſieben Weiſen zu Vertretern ſeiner X6yo rolerν preßt. Aber zugleich wirft Iſokrates nicht etwa bloß Einzelnen, ſondern einer ganzen Claſſe ſeiner Berufsgenoſſen jene aus Selbſtbetrug und Betrug anderer zuſammen⸗ geſetzte Unwahrheit, verbunden mit hohler Überhebung, vor, jene Richtung auf den bloßen Schein, die Plato und Ariſtoteles als das eigentliche Charakteriſtikum ihrer Sophiſten bezeichnen.

Die dritte Claſſe von Berufsgenoſſen, welche Iſokrates in ſeinem Antrittsprogramm bekämpft, ſind die Verfaſſer der ſogenannten reεα᷑να 13,19.20. Sie werden von Iſokrates ausdrücklich als einer früheren Zeit angehörig bezeichnet 13,19., gehören alſo den erſten Zeiten der Sophiſtik an, wie Pro⸗ tagoras und Gorgias, 10,2.3. Sie verſprachen, wie Iſokrates 13,19.20. ſagt, das.αέιμέα˙‿ρααι oder allgemeiner oxXvræyuoxtvy und rAsovegte zu lehren. Und zwar war das Mittel, durch welche dieſe Zwecke erreicht werden ſollten, die Beredſamkeit; denn eben das wirft ihnen ja Iſokrates vor, daß, während ſie in Wahrheit zu X6yo oXerιααι⁴ die Anleitung geben, alſo zu einer Kunſt, die zu allen möglichen guten Zwecken dienen könne, ſie gerade auf den Mißbrauch und nur auf den Mißbrauch, der mit dieſer an ſich guten Kunſt getrieben werden könne, hinweiſen und ihn als die eigentliche Be⸗ ſtimmung derſelben bezeichnen 13,20. Dieſe dritte Claſſe unterſcheidet ſich ſomit von der zweiten, die ja auch Aéyovc roxdrνν⁵α eᷣρ esa, nicht hinſichtlich deſſen, was ſie lehren will, ſondern nur hin⸗ ſichtlich des Gebrauchs, den ſie davon machen will, und wohl auch hinſichtlich der Methode, da ſie durch bloße Kunſtregeln unterrichten will, während die zweite Claſſe ſolche Kunſtregeln zwar gewiß auch benützt hat dies iſt bei dem mechaniſchen Charakter, den ihr Iſokrates vorwirft, nicht anders denkbar, aber ſich nicht auf den theoretiſchen Unterricht beſchränkt hat. Der Unterſchied zwiſchen den beiden Claſſen iſt alſo in ſachlicher Beziehung ein fließender, da ja bei der zweiten Claſſe der Mißbrauch der X6ye roxuriuot den die dritte Claſſe ausdrücklich auf ihr Programm ſchreibt, jedenfalls nicht von vornherein ausgeſchloſſen war. Sehen wir nun aber, was denn mit der Xeovegtæ und rolvr xæuoxαy der dritten Claſſe gemeint iſt, ſo wird ſich zeigen, daß ſie ſachlich auch mit der erſten Claſſe ſehr enge verwandt iſt. Denn das 5 ααμρια˙αη bei dem man Vortheile gewinnt durch Einmiſchung in alle möglichen Angelegenheiten, die den Betreffenden eigentlich nichts angehen, kann nicht wohl in etwas anderem beſtehen, als in der bekannten Kunſt, den Xéyov Frrovæ zum X6yo upefrrova zu machen. Dies wird durch den Sprachgebrauch des Iſokrates beſtätigt, der es ſorgfältig vermeidet, dieſen ge⸗ häſſigen Ausdruck zu gebrauchen, cfr. 4,8., aber, was damit gemeint iſt, durch Asovexrey bezeichnet. Am deutlichſten geht dies hervor aus 15,15. und 30. In 15,15. nemlich, der einzigen iſokratiſchen Stelle, wo ich den Ausdruck I6yo Jrro vpefrrw rois?? gebraucht finde, werden die verba ipsissima

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