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Fragen abgeben, theils wegen des apologetiſchen Charakters von Rede 15. Wir ſehen daraus, daß Iſokrates diejenige geiſtige Beſchäftigung, die wir jetzt als Philoſophie zu bezeichnen pflegen, in ihrer Geſamtheit als eine, und zwar nicht die bedeutendſte, Spezies der Sophiſtik bezeichnet, und daß er zwiſchen dem, was wir verſchiedene philoſophiſche Weltanſchauungen nennen, nicht weiter unterſcheidet. Denn die verſchiedenen Antworten, die auf jene Streitfragen gegeben werden können und gegeben worden ſind, haben nach Iſokrates alle den gemeinſamen Fehler, daß ſie die Wahrheit nicht enthalten, weil dem Menſchen überhaupt kein Wiſſen im ſtrengen und vollen Wortſinn, ſondern im beſten Fall eine meiſtens das Richtige treffende Meinung vergönnt iſt 15,184., und weil die Beſchäftigung mit jenen Streitfragen den Menſchen nothwendig den Aufgaben des praktiſchen Lebens entzieht, ihn un⸗ praktiſch macht 13,8. Aus dieſer Kritik des Iſokrates gegen diejenigen ſeiner Berufsgenoſſen, welche ſich mit theoretiſchen Streitfragen abgeben, geht ſomit zweierlei hervor: nach dem iſokratiſchen und alſo, wie wir bei der Beſtimmung der iſokratiſchen Reden annehmen dürfen, nach dem allgemein grie⸗ chiſchen Sprachgebrauch fallen allerdings alle, die ſich mit philoſophiſchen Fragen beſchäftigen, unter das Genus iral, und Iſokrates unterſcheidet zwiſchen der ſokratiſch⸗platoniſchen Philoſophie und der ihrer Gegner, eines Protagoras und Gorgias ſo wenig, daß er ſie alle unter der gleichen Kritik zuſammenfaßt. Andererſeits werden nicht nur die bekannten ſkeptiſchen Anſchauungen des Pro⸗ tagoras und Gorgias von Iſokrates ausdrücklich beſtätigt, ſondern Iſokrates bekennt ſich ſelbſt zu dieſer Skepſis, nur daß es ihm nicht der Mühe werth iſt, dieſelbe durch Erörterung von 2½43eL erſt lange zu begründen; vielmehr wird ſie unter ſeinen Händen zum populären Probabilitätsſtandpunkt, wie wir unten näher ſehen werden.—.
Die zweite Claſſe von Berufsgenoſſen, gegen welche Iſokrates ſeine Kritik richtet, ſind die⸗ jenigen, welche rodc oXriν⁵ς Xbyouve drαςανονντa 13,9., das heißt diejenigen, welche verſprechen, die richtige Behandlung der Fragen des öffentlichen Lebens beizubringen. Sie vermeiden den Fehler der erſtgenannten Claſſe, indem ſie A.1ϑαιας οεενν μρονντι◻μοωνσσα. Dieſer Ausdruck findet ſeine Erklärung in dem§ 1 den Eriſtikern gemachten Vorwurf, daß ſie xπνπνπνοοQðeᷣ ra A.*¹ eixy Sfrsw, und in der ſich daran anſchließenden Ausführung, daß dieſes Suchen ein ausſichtsloſes Beginnen ſei. Alſo gegen das, was dieſe Claſſe lehren will, hat Iſokrates nichts einzuwenden; iſt es doch, wie wir ſehen werden, dasſelbe, was er ſelbſt zum Gegenſtand ſeines Unterrichts macht. Aber infofern macht ſie doch den gleichen Fehler wie die erſte, weil auch ſie an eine a,xτiαm, ein ſicheres Wiſſen, und an die Allgewalt dieſer srixrway glaubt oder zu glauben vorgibt, während doch einerſeits für die X6yo⸗, und vor allem für die X6„οοꝗmποᷣ:, in erſter Linie Oüaic, in zweiter aers?« nöthig iſt und erſt in dritter die srix᷑rhen kommt 13,10., und während andrerſeits bei dem vielgeſtaltigen, wechſelvollen Charakter des öffentlichen Lebens am allerwenigſten es möglich iſt, eine allgemein giltige Regel, die nur immer und immer wieder anzuwenden wäre, ſo zu ſagen ein unfehlbares Recept anzugeben. Eben dies wirft aber Iſokrates ſeiner zweiten Claſſe von Sophiſten vor, indem er ſagt 13,10., daß ſie ver⸗ ſprechen, ihren Schülern die Wiſſenſchaft von den X6yo,„ αμιενα ebenſo beizubringen, wie man die Kunſt des Schreibens und Leſens lernen kann. Dies kann nur heißen, daß die Sophiſten mit völliger Verkennung des Weſens aller geiſtigen Thätigkeit, wie ſie Iſokrates ihnen 13,12. vorwirſt, die geiſtige Bildung, die ſie mittheilen wollten, in äußerlichen, handwerksmäßigen Kunſtgriffen fanden und ſtatt fruchtbarer Kenntniſſe und Schulung des praktiſchen Blicks mechaniſche Fertigkeiten ohne Sinn und Geiſt, die aber bei beliebiger Gelegenheit und in beliebiger Wiederholung angewandt werden konnten, ihren Schülern beibrachten. Oder aber, wenn ſie ſich ſagen mußten, daß eine ſolche Abrichtung in den Gebieten geiſtiger Thätigkeit unmöglich ſei, ſo verſprachen ſie etwas, von dem ſie wußten, daß ſie


