Aufsatz 
Das Verhältniß des Isokrates zur Sophistik / von Theodor Klett
Entstehung
Einzelbild herunterladen

41

einen zweiten Ausdruck für H.οασοεᷣ hat, der ihm allerdings den Dienſt einer Definition thut, ſofern er ſich beliebig mit Q.lααεe vertauſchen läßt, der aber freilich nichts weniger als eine Er⸗ klärung des Begriffs Ouloocx enthält. Dies iſt der Ausdruck X6yo, beziehungsweiſe 3ατειS mνπαρμ rodc Aéyouc. Daß Beſchäftigung mit den X6yo, Philoſophie und Thätigkeit der Sophiſten dem Iſo⸗ krates identiſche Begriffe ſind, dafür bedarf es nur eines Hinweiſes auf beliebige Stellen ſeiner ver⸗ ſchiedenen Reden, efr. ſtatt vieler 15,168. und 170. 13,10.11. 3,1. 4,10. Alles, was 4,47. als Wirkung der O.Xoα Heæ aufgezählt iſt, das wird, womöglich noch in volltönenderer Sprache, 15,254. ff. und 3,5. 9. der Zauberkraft der Xyo zugeſchrieben: Die Erhebung über die Stufe eines bloß thieriſchen Da⸗ ſeins, Städtegründung, Geſetzgebung und Moral, Kunſt und Wiſſenſchaft, Unterricht und Zurechtweiſung, kurz was den Menſchen zum Menſchen macht, das iſt ihm nur durch und mit dem Aéyoc verliehen. Dieſer iſt das Abbild der Seele, das Aeysn de às? iſt der ſtärkſte Beweis des-d ovs 15,255. Aber wer nun glauben wollte, die X6yo ſeien nach des Iſokrates Anſicht nur eben die Form, in welcher ſich die ſchon vorher, unabhängig von dieſer, vorhandene geiſtige Kraft manifeſtire, das von dieſer letzteren erſt zu ihrer Selbſtdarſtellung geſchaffene Gefäß, der würde gerade das Spezifiſche der Geſamtanſchauung des Iſokrates, den Punkt verkennen, der ihm inmitten ſeiner ſchwankenden Anſichten und Ausdrücke allein feſtſteht, und von dem aus allein dieſes unſichere Schwanken ſich einigermaßen pſychologiſch zurechtlegen läßt. Vielmehr hebt Iſokrates ausdrücklich hervor, daß nichts von allem, was mit Vernunft gethan wird, AXywc geſchehe, daß demnach der X6o« der eigentliche Regent des menſchlichen Thuns und der Führer unſeres Denkens ſei 3,9. 15,257. Und zwar nicht der Xyoc in dem Doppelſinn, den das griechiſche Wort hat, als Einheit von Gedanke und Wort, wenn auch zuge⸗ geben werden mag, daß Iſokrates ohne dieſen Doppelſinn nicht darauf gekommen wäre, ſeinem I6yoc alles das beizulegen, was er ihm zuſchreibt. Nein, Iſokrates legt das entſcheidende oder vielmehr ausſchließliche Gewicht bei ſeiner Auffaſſung von X6yoc auf das geſprochene Wort. Darauf weist ſchon der Umſtand hin, daß er an manchen Stellen geradezu das Aeyen als die Thätigkeit der O.A60 o bezeichnet, 4,82. 11,17. Es wird aber ganz unzweifelhaft dadurch, daß Iſokrates, um die beherrſchende Stellung des Xyoc im menſchlichen Leben darzuthun, 15,256. 3,8. das Denken ausdrück⸗ lich auf das 51εleys α τ6 adroy zurückführt, alſo ſtatt das εοαιν aus der Analogie des oovsnv, vielmehr dieſes aus der Analogie mit jenem als dem Primären zu erklären ſucht. Es hat das für unſere Anſchauungsweiſe freilich nur den Werth eines mehr oder weniger geiſtreichen Wortſpiels, aber nur weil wir eben das geſprochene Wort als das Sekundäre zu betrachten gewöhnt oder vielmehr durch eine genauere Selbſtbeobachtung recht eigentlich genöthigt ſind. Für Iſokrates, der über 792 Ooovluoc rarrôusva etwas Neues auszuſagen glaubt, wenn er betont, daß ſie odn Ardyce piyvdaswa ſeien, muß der Abyoc, deſſen Negation das AXsyw ſein ſoll, etwas vom Hgove? Verſchiedenes, nem⸗ lich eben das ορςᷣ¶ oαυονν αάμε̈νςκαα in ſeinem buchſtäblichſten, äußerlichſten Sinn, bedeuten. In der That verſichert Iſokrates, um jeden Zweifel auszuſchließen, im gleichen Zuſammenhang, daß mit den nemlichen Gründen, die wir anderen gegenüber anwenden, wir auch uns ſelbſt beſtimmen, als ob⸗ uns jene als das Erſte, Urſprüngliche gegeben wären. Und es iſt nur einfache Konſequenz, wenn Iſokrates 4,49. ſagt, die Worte, die ein Menſch ſpreche, ſeien das ſicherſte Mittel, um den inneren Werth eines Menſchen zu erkennen, oder wenn er 3,59. ſagt, daß sbaar« und zovdaeic rdv τπρααά̈νᷣe νν ſich decken.

Ganz in übereinſtimmung damit, daß das geſprochene Wort nach des Iſokrates Anſchauung die letzte, grundlegende Thatſache für das Geiſtesleben des Menſchen ſei, ſteht der eigenthümlich ſchwankende Gebrauch von eldoc und 134.α᷑ X6yov bei Iſokrates, der ſich eben nur erklären läßt, wenn