Aufsatz 
Das Verhältniß des Isokrates zur Sophistik / von Theodor Klett
Entstehung
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Daß Jſokrates ſich zu den Sophiſten zählt, ſo gerne er, mit Rückſicht auf die öffentliche Meinung, es vermeidet, ſich ſelbſt einen Sophiſten zu nennen, darüber kann kein Zweifel ſein, ſo wenig als darüber, daß er mit dem Wort einen viel weiteren und unbeſtimmteren Begriff verbindet als Plato und Ariſtoteles. Die ganze Schutzrede für die Sophiſten im zweiten Theil der Rede 15 ¹), und ſpeziell die Art, wie und der Zuſammenhang, in dem der Name Sophiſt in dieſer Rede, efr. z. B.§ 155. 168. 197. 199. 204. 215. 220. 224. gebraucht wird, zeigen, daß Iſokrates ſich ſelbſt nur vertheidigen zu können glaubt, indem er den Stand der Sophiſten, dem er nun einmal angehört, vertheidigt.§ 215. tritt er ſo entſchieden für den Namen Sophiſt ein, daß er gegen die Uſurpation ſeitens Minderwürdiger proteſtirt, cfr. auch 10,9. Ebenſo zeigt die Art, wie er 4,3.4. ſich denen gegenüberſtellt, welche nur behaupteten Sophiſten zu ſein, deutlich, daß er ſich ſelbſt für einen wirk⸗ lichen Sophiſten hält, in dem zur Wahrheit geworden iſt, was jene für ſich in Anſpruch nehmen. Zugleich beſtätigt allerdings dieſe letztere Stelle das oben Bemerkte, daß Jſokrates es nicht liebt, ſich unmittelbar das Prädikat Sophiſt beizulegen, was ſich durch alle ſeine Schriften verfolgen läßt, efr. beſonders 15,196. 199. Vielmehr iſt es das Wort.³οαοαεν OA., durch welches er mit Vorliebe ſeine eigene Thätigkeit bezeichnet, cfr. 12,9. ep. 6,8., und das als gemeinſames Prädikat für die Wirkſamkeit des Iſokrates und der Sophiſten zwiſchen beiden das Bindemittel bildet und erſteren unter das Genus Sophiſt ſubſumirt, efr. 15,170. mit 168.

Fragen wir, in welchem Sinn Iſokrates dieſe Wörter gebraucht, ſo bedeutet ihm zunächſt das Verbum O.Xocoed jede ernſte, ihres Ziels bewußte und die richtigen Mittel anwendende geiſtige Thätigkeit, deren Subjekt und Objekt ein beliebiges ſein kann. In dieſem Sinn ſtellt es Iſokrates gerne mit uslerdy, xovel, rorrse zuſammen. So wird die Erklärung der Dichter 15,45., die Üüberlegung des geſamten atheniſchen Volks über die Urſachen ſeiner einſtigen Größe und ſeines Ver⸗ falls 8,116., die Sorge um die richtige Verwaltung des Staates wie der Privatangelegenheiten 15,285., die politiſche Thätigkeit des Timotheos 15,121. ein.l³ααορe ν genannt. Doch darf man nuch in dieſen Stellen das O.logoOed nicht als einfaches Synonymon der die praktiſche Thätigkeit bezeich⸗ nenden verba asXsrav und xove*y faſſen, ſondern es bezeichnet die dem Handeln vorausgehende und dieſes leitende vernünftige Überlegung, die nur ſo wenig vomArrewv getrennt werden kann, daß Iſokrates, der ja überhaupt kein Freund von genauer Beſtimmung und ſcharfer Abgrenzung der Be⸗ griffe iſt, Q.Alooo Hsw gerne in die Mitte zwiſchen oyen oder aslerxy und xTpdrreiy ſtellt. Daß das iſokratiſche Q.boco Helv, auch wo es auf rein praktiſche Gegenſtände gerichtet iſt, nur die geiſtige Seite der Thätigkeit bezeichnet, das iſt ſchon durch die Etymologie des Wortes an ſich höchſt wahrſcheinlich gemacht, und es wird beſtätigt durch Stellen, wo Iſokrates, ebenfalls mit Beziehung auf rein praktiſche Fragen, OaXoαοen als einfaches Synonymon mit anderen Ausdrücken für geiſtige Thätigkeit, am liebſten gxorsiν, im Sinn eines à 31 0, zuſammenſtellt, cfr. 4,6., vor allem aber durch ſolche Stellen, wo das OXoxαᷣε ν dem rdrrev, die Gοαοοe als die Überlegung, die den praktiſchen Beſtrebungen Richtung und Ziel anweist, der α᷑e. als der in der Praxis gewonnenen Erfahrung, die die glück⸗ liche Ausführung bedingt, entgegengeſetzt wird, efr. ep. 9,15.18. 2,35.

Dieſe allgemeine Bedeutung liegt nun auch dem ſpezifiſchen Sinn zu Grund, in welchem Iſokrates die Wörter Q.l.oάe und G.Xοαοa gebraucht, um ſeine und ſeiner Berufsgenoſſen Wirk⸗

¹) Citirt iſt nach der Textausgabe von Benſeler, und zwar ſind die Reden einfach durch die Ziffer, die Briefe durch Ziffer mit vorgeſetztem ep. bezeichnet..