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fertigt wohl den Zeitverluſt, den die Stunden im Gange des Ge⸗ ſamkunterrichts verurſachen. Hier gilt mit Fug und Rechk:„Der Bildungsbegriff hat ſich mehr und mehr vom Stoffe gelöſt. Bil⸗ dung bedeutet nicht mehr Stoffaneignung, ſondern Enkfaltung der Geiſteskräfte im Ringen mit dem Stoff, und iſt die Erkenntnis, daß alles Vertiefen in Bildungsgüter in neue Frageſtellung aus⸗ mündet...“ 21.
Wie ſchon oben angedeutet wurde, muß auch der Muſeums⸗ unterricht dem Alter der Schüler angepaßt werden. Mit Leichtig⸗ keit laſſen ſich die drei Stufen, die die Pädagogik für den Arbeiks- unterricht unterſcheidet, berückſichtigen.
Die Unterklaſſen, die„Stufe des naiven Erlebens“, werden ihre Freude haben an der mannigfachen Verwendung des Fauſt⸗ keils, wie aus dieſem Allerweltswerkzeug Hammer, Beil und gar der Pflug enkſtand. Der kleine Mann wird ſich als Robinſon füh⸗ len und ſich in ſeinem Nachahmungstrieb zu mancher beachtlichen Leiſtung aufſchwingen. Der Schüler der Mittelſtufe, der„Stufe des anſchaulichen Verſtändniſſes“, wird kritiſcher an die Leiſtungen ſeiner Ururväter herangehen und wird feſtſtellen, wie wähle⸗ riſch man in der Materialauswahl war, wie geſchickt die Struktur des Rohſteines zur Auswahl und zur Formung des betreffenden Gerätes benutzt wurde.
Auf der Oberſtufe endlich, der„Stufe der gedanklichen Durch⸗ dringung“, werden dieſe Tatſachen und Einzelheiten nicht mehr be⸗ friedigen, ſondern der Schüler wird auch dem Fühlen und Denken der Urmenſchen nachgehen wollen und wird Vergleiche ziehen bis zu den primitiven Völkern der Jetztzeit ²2.
Unerläßlich als Ergänzung der Muſeumsſtunden erſcheint, vorher und nachher, die Lektüre. Solange das Realgymnaſium noch nach den ſeitherigen Plänen ſeine lateiniſchen Schriftſteller auswählt, müſſen die Literaturdenkmäler, die unſere Vorzeit be⸗ handeln und nicht zum Kanon gehören, in Form von Sonderauf⸗ gaben an die Schüler herangebracht werden, zumal faſt zu allen
21 O. Karſtädt, Die Arbeitsgemeinſchaftsbewegung in der Lehrer⸗ fortbildung: Deutſches Schulweſen, Jahrb. 1925, herausg. vom Reichsm. d. Innern und vom Zentralinſtitut für Erziehung und Unterricht, Berlin 1926.
22 Vgl. G. Thillenius(ſ. Anm. 4), S. 35: Themen: ünterſtuſte Vom Fanſttei zum Eiſenhammer. Vom Baumſtamm zum Segelſchiff. Von der
acke zum Pflug.— Mittelſtufe: Wie ein Topf entſteht. Wie eine Bronzeaxt gegoſſen wurde.— Oberſtufe: Typologie und Chronologie der vorgeſchichtlichen, antiken Quellen, Cäſar, Tacitus, Ptolemaios.— Für alle Stufen: Vorgeſchichtl. Formen und Ornamente als Vorbilder im Zeichnen und Handarbeiksunterricht.—— Vgl. auch K. Kahle(ſiehe Anmerkung 16).


