Aufsatz 
Museum und Schule : 1. Teil
Entstehung
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Dann iſt es am beſten, neue und alte Methode in der Klaſſe ausgeglichen nebeneinander beſtehen zu laſſen, um ſo mehr als die umfangreichen Lehrpenſen dazu zwingen, mit der Zeit mehr haus⸗ zuhalten und die Zügel ſtraffer anzuziehen, als es im reinen Ar⸗ beitsunterricht möglich iſt. Iſt da aber gerade die Epiſode der 23 Muſeumsſtunden im Halbjahr nicht geeignet, den neuen Stoff in neuer Weiſe darzubieten?

Die Vorbereitungsſtunde in der Schule kann nach der für die Klaſſe üblichen Durchſchnittsmethode dem Schüler klarmachen, unter welchen Geſichtspunkten er den Stoff, der im Muſeum be⸗ handelt werden ſoll, zu betrachten hat. Als Aufgabe iſt die Durch⸗ arbeitung nach den gewonnenen Richtlinien zu ſtellen. Im Mu⸗ ſeum wird der volle Arbeitsunterricht einſetzen: losgelöſt von dem Gleichgang des Klaſſenunterrichts, wird in der fremderen Um⸗ gebung der Unterſchied in der Methode dem Schüler zunächſt kaum zum Bewußtſein kommen.

Er wird nämlich ganz von ſelbſt verſuchen, die in greifbarer Nähe liegenden Gegenſtände der Sammlung den Geſichkspunkten enkſprechend zu unterſuchen und einzuordnen. Das Für und Wider, das Erſtaunen, manches ganz anders zu finden, als Phan⸗ taſie oder Verſtand es gebildet haben, die Frage nach den Grün⸗ den, die Verknüpfung mit der Jetztzeit: alle dieſe Momente werden ihm raſch die Zunge löſen. Erfahrungsgemäß folgen die Klaſſen- kameraden mit beſonderem Intereſſe den Ausführungen des Mit⸗ ſchülers; iſt doch jeder darauf erpicht, irgend etwas richtig zu ſtellen. So führt die geſtellte Aufgabe ganz ungezwungen zum freien Unterrichtsgeſpräch. Scheinbar haben die Schüler das Wort; in Wirklichkeit leitet der Lehrer das Lehrgeſpräch nach Inhalt und Form und endet mit dem Zuſammenſchluß der Klaſſe zu einer Arbeitsgemeinſchaft.

Anders wird deriſolierende Arbeitsunterricht verlaufen, der in der Hauptſache nur für die höheren Klaſſen in Frage kommt. Auch hier erhalten die Schüler vorbereitende Winke für die Stoff⸗ betrachtung, ihre Hausaufgabe wird aber darin beſtehen, daß jeder von ihnen einen beſonderen Teil im Rahmen des Geſamtthemas zur vollſtändigen Bearbeitung erhält. Bei gut vorgebildeten Klaſ⸗ ſen wird man auch die Richtlinien von der Klaſſe ſelbſt aufſtellen laſſen. Im Muſeum wird ſich dann eine Stunde ergeben, die ſich in ihrem Verlauf wenig von den Seminarübungen der Univerſität unterſcheidet.

Erziehung zur Tat ²0 bedeutet auch dieſer Arbeitsunterricht im Muſeum, und das Erſchließen der Schülerperſönlichkeit recht⸗

20 O. Scheibner, a. a. O., S. 93.