Aufsatz 
Museum und Schule : 1. Teil
Entstehung
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dieſes Unterrichtsmittels bedienen dürften. Schon die Praxis ver⸗ bietet dies, da der reine Fachlehrer mit ſeinem großen Penſum und der geringen Stundenzahl wohl kaum die für einen Muſeums- beſuch notwendige Zeit aufbringen kann: nicht nur muß er dieſe Stunden organiſch mit dem Fachunterricht verknüpfen, ſondern es erwachſen auch für ihn Vorbereitungen teils theoretiſcher, teils praktiſcher Art, die die wohlerwogene Auswahl des Stoffes, u. U. ein Zuſammen- und Aufſtellen des Materials, die Beſchaffung der Lektüre und das Bereitlegen von Literatur für einen oder den anderen Vortrag betreffen.

Iſt es ſchon aus dieſem Grunde wünſchenswert, daß Latein, Deutſch und Geſchichte am Realgymnaſium in einer Hand ver⸗ einigt ſind, damit der Verzug, der durch den Beſuch der Samm⸗ lungen bedingt wird, mit Hilfe einer größeren Anzahl von Stunden ausgeglichen werden kann, ſo wird dieſe Verbindung geradezu gefordert von dem berechtigten Beſtreben, eine größere Konzen- kration des Unkerrichks herbeizuführen. Man denke nur an die Anknüpfungspunkte, die das lateiniſche Waltherlied für die deutſche Literatur, Geſchichte und Kulturgeſchichte bietet: das nötige Rüſtzeug zum Verſtändnis der Kulkur der Völkerwande⸗ rungszeit liefert das Muſeum.

Aber auch unter dieſen günſtigſten Vorausſetzungen wird man mit einer Klaſſe kaum mehr als zwei⸗ oder dreimal im Halbjahr die Sammlungen benutzen können.

Im letzten Abſchnitt dieſer theoretiſchen Betrachtung ſoll noch einiges über die für den Muſeumsunterricht empfehlenswerte Lehrweiſe und über andere ſich daraus ergebende Forderungen geſagt werden.

Auch hier bedeutet die Lehrerperſönlichkeit alles. Wer mit Luſt und Liebe bei der Sache iſt, dem erſchließen ſich aus den unſcheinbarſten Dingen die herrlichſten Durchblicke, dem wer⸗ den die Schüler aufmerkſam und freudig folgen, und der Erfolg iſt gewiß.

Wenn nun trotzdem im folgenden für Muſeumsſtunden dem Arbeitsunterrichtts das Wort geredet wird, ſo verkennen wir keineswegs die Schwierigkeiten, die das Fachlehrerſyſtem der Durchführung dieſer Methode in der höheren Schule bereitek. Manchen Herren, die in den überlieferten Methoden Meiſter ſind, wird es nicht leicht fallen, nun auf einmalden Schwerpunkt ihres Wirkens vom Dozieren einer Wiſſenſchaft hinüber in die Organi⸗ ſation des kindlichen eigentätigen Schaffens zu verlegen ¹9.

18 O. Scheibner, Zwanzig Jahre Arbeitsſchule in Idee und Geſtaltung, Leipzig 1928.

19 O. Scheibner, a. a. O., S. 219.