Aufsatz 
Der Krieg Heinrichs IV. gegen Rudolf den Gegenkönig (1077-1080) / Klemer
Entstehung
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fehlt also, darunter die des Bischofs Benno von Osnabrück, welcher nach einer Angabe in seiner Lebensbeschreibung, da er nicht unterschreiben wollte, obgleich er ein Anhänger Hein- richs war und blieb, sich den ganzen Tag in einer Altarnische versteckt hielt, bis alles ab- gewacht war.*) Auch der Name Wiberts von Ravenna, welcher zum Gegenpapst ausersehen war, befindet sich nicht unter den Unterschriften. Nachdem Gregor so in feierlicher Weise ab- gesetzt war, wurde an seine Stelle Wibert gewählt.

Bevor aber Heinrich diesen nach Rom führte, wollte er erst den Kampf in Deutschland gegen Rudolf zum Abschluss bringen. Heinrich kehrte daher, nachdem er noch Rudolf und Welf hatte in den Bann erklären lassen, nach Deutschland zurück und sammelte,unermüdlich, wie selbst seine Gegner zugestehen müssen,*)in allen Anstrengungen des Krieges, in Mainz ein Heer zum Einfall in Sachsen. Im Oktober brach er auf, die Sachsen zogen ihm mit einem gewaltigen Heere entgegen bis zu einem Orte, welchen Bruno Cancul*) nennt, und schlugen hier ein befestigtes Lager auf. Da Heinrich die feindliche UÜbermacht in dieser Stellung nicht anzugreifen wagte, versuchte er dieselbe zu trennen, und zwar mit gutem Erfolg. Während er nämlich selbst mit der Hauptmacht seines Heeres gegen Erfurt marschierte, schickte er die schnellsten seiner Reiter in der Richtung nach Goslar ab, welche nach Einäscherung einiger Ortschaften sogleich wieder zu ihm zurückkehren sollten. Die Sachsen wurden hierdurch getäuscht und eilten, als sie den Rauch der brennenden Gehöfte in ihrem Rücken sahen, dorthin, um Heinrich den Weg nach Goslar zu verlegen. So gelangte dieser unangefochten nach Erfurt, plünderte die Stadt und steckte sie in Brand. Als dann die Sachsen, welche inzwischen ihren Irrtum erkannt und eiligst wieder umgekehrt waren um Heinrich zu folgen, sich näherten: zog er weiter auf Naumburg los. Doch hier kamen ihm die Sachsen durch Eilmärsche über die ihnen bekannten Gebirge zuvor und retteten die Stadt. Heinrich zog weiter und gelangte, alles rings umher verwüstend, bis an die Elster und schlug an derselben sein Lager auf. Bruno) führt nun drei verschiedene Ansichten an, weshalb Heinrich hier Halt gemacht habe. Nach der Ansicht der einen babe er diesmal eine Schlacht überhaupt vermeiden und nur einen Plünderungszug durch Sachsen machen wollen, sei aber durch die Tiefe des Flusses am Weitermarsch verhindert worden. Andere meinten, dass er absichtlich diese Stellung, den tiefen Fluss mit seinen steilen Ufern im Rücken, zur Schlacht gewählt habe, damit die Seinen gezwungen würden, um so tapferer zu kümpfen, wenn sie sähen, dass eine Flucht kaum möglich sei. Endlich noch andere glaubten, dass Heinrich deshalb in diese Gegenden gezogen wäre, weil er hier den Zuzug aus Meissen und Böhmen erwartete. Und diese Ansicht wird entschieden die richtige sein.

Am Morgen des 15. Oktober 1080 stellte Heinrich sein Heer in Schlachtordnung auf. Die Sachsen waren ihm in Eilmärschen nachgefolgt und hatten deshalb wenig Fussvolk zur Stelle. Daber stiegen alle diejenigen, welche ermüdete und schwache Pferde hatten, ab und fochten zu Fuss. Zwischen beiden Heeren befand sich der Bach Grona, dessen sumpfige Ufer einen sofortigen Zusammenstoss verhinderten. Dieser Sumpf musste daher erst umgangen werden, ehe der Kampf begann. Im Anfang war Heinrich im Vorteil, und schon erhoben die Seinen das Siegs-

*) Vita Bennonis: forte autem in ecciesia erat altare, quod retro concavum foramen, quo quis intrare vig posset panno praependente obtegerat.... totum diei spatium ihi taliter latitando nemine prorsus conscio ewegit(sck. Henno).

**) Bruno c. 121 p. 379: Heinricus militiae laboribus infatigabilis. ***) Pertz meinte, dass es vielleicht Keula bei Mühlhausen sei; Witzleben bält es für Künkel bei Beh- ringen; Giesebrecht für Küllstaedt, südlich von Dingelstaedt.

) Bruno c. 121 p. 380.