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geschrei, und die Bischöfe fingen im Lager an das Te deum laudamus zu singen: da ward der bairische Pfalzgraf Rapoto von Vohburg tot herbeigetragen und die Träger des Leichnams riefen: Fliehet, fliehet! Otto v. Nordheim hatte nämlich die siegreich vordringenden Baiern mit dem sächsischen Fussvolk an- gegriffen, sie zum Weichen gebracht und schliesslich zur Flucht über den Fluss genötigt. Darauf kehrte er wieder auf den Kampfplatz zurück, obgleich seine Scharen zuerst das Lager plündern wollten, und traf hier auf Heinrich von Laach, welcher denselben mit seinen Lothringern sieg- reich behauptet hatte und schon triumphierend das Kyrie eleison anstimmte. Sofort ging Otto auf die Feinde los und schlug auch diese in die Flucht. Darauf erst liess er in Ruhe und Sicherheit das Lager plündern. Die Beute war unermesslich, denn nicht nur was die sechszehn Erzbischöfe und Bischöfe und die weltlichen Fürsten, die Heinrich auf diesem Zuge begleiteten, mitgebracht hatten, fiel in die Hände der Sieger, sondern auch alles was sie vorher in Sachsen erbeutet hatten. Von den Besiegten kamen viele im Flusse um, andere wurden auf der Flucht durch Hunger und Kälte aufgerieben. Die Böhmen kamen zu spät.
Aber trotz alledem war diese Schlacht dennoch für Heinrich von grösstem Vorteil; denn sein Gegenkönig war in derselben tötlich verwundet worden. Er hatte die rechte Hand verloren und einen Streich in den Unterleib erhalten; noch an demselben Tage oder am Tage darauf starb er und wurde in Merseburg beigesetzt. Allgemein sah man in der abgehauenen Rechten, mit der er einst Heinrich Treue gelobt, ein Gottesurteil. Die Gegner Heinrichs waren jetzt ohne Oberhaupt und konnten sehr leicht mit einander zerfallen, besonders da sie aus zwei ganz heterogenen Elementen bestanden. Und wenn auch noch viel fehlte, dass die Sachsen sich dem König Heinrich unter- warfen, so konnte derselbe jetzt die Gegner doch viel eher sich selber überlassen und sich zur Niederwerfung des Papstes nach Italien begeben.


