Aufsatz 
Der Krieg Heinrichs IV. gegen Rudolf den Gegenkönig (1077-1080) / Klemer
Entstehung
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der Schlacht durch sein Eingreifen eine andere Wendung zu geben. Dabei wird ihm wohl der Umstand zu statten gekommen sein, dass während des Kampfes ein so heftiges Schneegestöber entstanden war, dass man kaum den Gegyer erkennen konnte und eine allgemeine Verwirrung eingetreten war. In kurzer Zeit war die Schlacht entschieden,*) die Sachsen behaupteten das Feld.*) Besonders viele waren von den Böhmen gefallen, welche in ungeheurer Menge den Zug mitgemacht hatten. Als die Flüchtigen in der Nähe der Wartburg Halt machten, um zu verschnaufen, machte die Besatzung der Burg einen Ausfall und nahm ihnen alles, was sie noch bis hierher gerettet hatten, ab und jagte sie in die Flucht. Von Seiten Heinrichs waren von den Vornebmern Graf Folkmar und der Burggraf von Prag, von sächsischer Seite der Burggraf Meginfried von Magdeburg gefallen.

Heinrich ging von Hessen, wohin er den Rückzug angetreten hatte, nach Regensburg zurück; Rudolf aber blieb noch am folgenden Tage auf dem Schlachtfelde, nachdem er während der Nacht wegen der Külte Zuflucht in einem in der Nähe gelegenen Orte gesucht hatte. Nach der Schlacht unterwarf er dann diejenigen sächsischen Grossen, welche zu Heinrich abgefallen waren oder sich wankehnütig gezeigt hatten. Er nahm ihnen ihre Güter und Lehen ab und vergab sie an andere und zeigte ihnen so,wie thöricht und höchst schädlich es sei, ihrem Köpig und Herrn sich zu widersetzen. Bis Ende Februar*) war er mit der Niederwerfung der Gegner beschäftigt, dapn aber war Sachsen wieder in seinen Händen.

Heinrich sandte jetzt den Erzbischof Liemar von Bremen und den Bischof Robert von Bamberg mit grossen Geldsummen nach Rom, um endlich den Papst zu einer definitiven Ent- scheidung zu bewegen. Auch der päpstliche Legat des vorigen Jahres Udalrich von Padua sollte für ihn in Rom wirken, ward aber unterwegs ermordet und seiner Schätze beraubt. Wie Heinrich, so hatte auch König Rudolf Boten an den Papst und die Fastensynode, die im März in Rom abgehalten wurde, abgesandt, welche gleichfalls eine bestimmte Erklärung fordern soll- ten. Und jetzt endlich entschied sich der Papst offen und ehrlich für Rudolf Partei zu nehmen. Heinrich wurde am 7. März 1080 in den Bann gethan und Rudolf für den rechtmässigen deut- schen König erklärt. Altmann von Passau begann als päpstlicher Legat den Krieg gegen die süddeutschen Bischöfe und fiel wit Welf, während König Heinrich und Herzog Friedrich ab- wesend waren, plündernd in Rhätien ein und verwüstete Mitte Juni die UImgegend von Augs- burg, ohne einen Unterschied zwischen weltlichem Eigentum und Kirchengut zu machen. Wenn man aber erwartet hatte, dass durch den Bann ein grosser Umschlag der Gesinnung in Deutsch- land erfolgen würde, so sah wan sich darin bitter getäuscht. Sobald Heinrich erfuhr, dass er gebannt sei, ging auch er energisch und rücksichtslos gegen den Papst vor. Zu Pfingsten (31. Mai) kamen 19 Bischöfe seiner Partei in Mainz zusammen und erklärten den Papst fär ab- gesetzt. Darauf wurde durch den König eine Versammlung nach Brixen berufen, woselbst sich 30 Bischöfe aus Italien, Deutschland und Burgund zum 25. Juni 1080 einfanden. Auch hier wurde die Absetzung Gregors beschlossen und ein Absetzungsdekret aufgesetzt, welches von dem aus Rom vertriebenen Kardinal Hugo dem Weissen, 27 Erzbischöfen und Bischöfen und zum Schluss auch von König Heinrich unterschrieben ist.) Die Unterschrift von 3 Bischöfen

*) Berthold. dessen Bericht allerdings ziemlich unklar ist und der Otto gar nicht erwühnt, sagt p. 325, der Kampf habe post nonam(etwa um 24 Uhr nachm.) begonnen und bis zum Abend gedauert, der ja im Januar, besonders bei Schneegestöber, früh eintritt. *3e) Annales Augustani z. J. 1080 sagen, dass Heinrich Sieger gewesen sei, doch mit Unrécht. we) Berthold p. 326: adusque quadragesimam. Sie beginnt in diesem Jahre am 26 Februar. ) Mon. Germ. Legg. II 51.