Aufsatz 
Der Krieg Heinrichs IV. gegen Rudolf den Gegenkönig (1077-1080) / Klemer
Entstehung
Einzelbild herunterladen

20

handlungen in Deutschland zugegen gewesen war, teils die dort verhandelten Sachen von Män- nern, die dabei thätig gewesen waren, erfahren hatte, und setzte durch, dass nicht eher eine Entscheidung getroffen werden sollte, als bis auch der andere Legat gehört worden wäre. Aber obgleich nun dessen Bericht ganz zu Ungunsten Heinrichs ausfiel, so wurde doch noch immer kein entscheidender Entschluss gefasst, undâ die Sachsen durch päpstliche Briefe nur aufgefor- dert, in ihren Bestrebungen nicht nachzulassen.

Rudolf verblieb den Rest des Jahres ruhig in Sachsen, Heinrich aber hielt sich in Baiern auf und beschloss gleich nach Weihnachten ein Heer zu sammeln und mit demselben in Sachsen einzufallen. Zugleich knüpfte er mit den sächsischen Grossen Unterhandlungen an und wie es schien mit so glücklichem Erfolge, dass er schon die Hoffnung hegen zu dürfen glaubte, ganz Sachsen ohne Krieg in kurzer Zeit ftür sicn zu gewinnen. Mit den Billingern hatte er sich schon vertragen, und dieselben nahmen, seitdem Heinrich den nach der Schlacht bei Melrich- stadt gefangenen Grafen Hermann freigelassen hatte, nicht mehr am Kampfe gegen ihn teil. Dietrich von Kamburg der Sohn Geros, Wiprecht von Groitsch und mehrere andere traten gänzlich auf Heinrichs Seite. Markgraf Ekbert und seine Schwiegermutter die herrschsüchtige Adela schwankten und waren entschlossen, beim ersten Erfolge Heinrichs zu demselben über- zugehen.

Unter solchen Verhältnissen feierte Heinrich das Weihnachtsfest zu Mainz, versammelte hier ein Heer von Baiern, Böhmen, Franken, Schwaben und Burgundern um sich und brach mit demselben bald nach dem 13. Januar 1080*) durch Hessen und Thüringen nach Sachsen auf. Er hoffte Rudolf wegen der Winterkälte unvorbereitet zu finden, sah sich jedoch hierin getäuscht; denn auch dieser hatte trotz des Abfalls so vieler sächsischer Grossen ein gar stattliches Heer um sich gesammelt. Auf dem Zuge durch Thüringen verwüstete Heinrich besonders das Gebiet des Mainzer Erzbischofs, wobei sich wie immer in solchen Fällen am meisten die Böhmen hervor- thaten. Siegfried hierüber aufs äusserste ergrimmt berief daher eine Versammlung mehrerer Bischöfe und erklärte Heinrich und seine Anhänger feierlich in den Bann. Rudolf zog sich vor Heinrich zurück, um nicht unter einer ihm feindlich gesinnten Bevölkerung eine Schlacht zu liefern er hatte die Flucht nach der Schlacht von Melrichstadt noch nicht vergessen und Heinrich folgte ihm nach und näherte sich trotz der ungewöhnlich grossen Winterstrenge dem Lager der Sachsen, welche sich ihm gegenüber wohlgeordnet in Schlachtordnung aufstellten. Der Zusammenstoss erfolgte am Montag den 27. Januar 1080 bei Flarcheim in der Nähe von Mühlhausen. Die Sachsen hatten sich so aufgestellt, dass ein zwar nicht breiter, aber tiefer Bach an der Frontseite ihrer Schlachtlinie vorbeifloss, und standen auf dem etwas steil abfallen- den Ufer, um so von oben herab auf die angreifenden Feinde einhauen zu können. In das erste Treffen dicht am Bache stellten sie den Herzog Otto von Nordheim, ihren tüchtigsten Feldherrn. Aber Heinrich umging die Feinde und griff sie unvermutet im Rücken an. In seiner Not schickte Rudolf schnell zu Otto und flehte ihn an, doch schleunigst herbeizueilen, um, wie es vorher bestimmt war, in erster Linie den Kampf aufzunehmen. Otto aber liess sich nicht aus seiner Ruhe bringen und erklärte, dass er ohne in Unordnung zu geraten eine Schwen- kung seines Truppenteils nicht so schnell bewerkstelligen könne; man möchte aber Heinrich nur möglichst lange Widerstand leisten, sobald er könne, werde er zur ÜUnterstützung herbeieilen. Schon waren die Scharen Heinrichs weit vorgedrungen, hatten die Feinde in die Flucht ge- schlagen und die Königslanze Rudolfs erbeutet, als es endlich noch Otto von Nordheim gelang,

*) Berthold p. 324: mox post octavas theophaniue.