1⁹ Schlichtung des Streites. Und obgleich Heinrich selbst und sämtliche Bischöfe von seiner Seite gegen diesen Vorschlag waren, so mussten sie doch von den weltlichen Fürsten, denen auch die päpstlichen Legaten zustimmten, gezwungen darauf eingehen. Rudolf kehrte unangefochten nach Sachsen zurück, Heinrich zog ab nach Baiern.
Interessant ist es hierbei, die Darstellung dieser Ereignisse bei Berthold etwas genauer zu betrachten, da man hierdurch ein recht klares und deutliches Bild der ganzen Art seiner Er- zühlung gewinnt. S. 321 sagt er*), dass Heinrich nach Würzburg gekommen sei„mit den päpst- lichen Legaten, nachdem dieselben, wie man sagt, teils durch Geschenke bestochen, teils durch Furcht und Drohungen gebrochen und durch Schmeicheleien und schlaue UÜberredung und jedes andere Mittel zu jenes Gunsten fast verführt waren.“ Und doch muss er dann selbst berichten, dass sie auf keine von den Forderungen Heinrichs eingingen und so den erfolglosen Verlauf des Würzburger Tages herbeiführten. Als dann Heinrich gegen die Sachsen aufgebrochen war, sagt er selbst,“*) dass„Rudolf Boten an alle Vornehme des feindlichen Heeres geschickt und sie bei Gottes Barmherzigkeit beschworen und ziemlich demütig gebeten“ habe, ihm einen neuen Tag festzusetzen. Bald darauf aber***) stellt er die Sache so dar, als ob die Gegner hätten froh sein können, dass sie den Händen der Sachsen entgangen waren, und dass die Sachsen anfangs gar nicht den Friedensvertrag hätten annehmen wollen; ja er spricht schliesslich von einem fluchtähnlichen Rückzuge König Heinrichs und von der„gewohnten Art und Weise“ desselben (more solito), mit welcher er sich feindlichen Angriffen entziehe. Letzteres scheint mir beson- ders wichtig zu sein; denn nun lernen wir mit einem Male den mos solitus Heinrichs kennen und werden in ähnlichen Fällen wissen, was wir davon zu halten haben.— Wenn sich der- gleichen Thatsachen nun schon bei einer blossen Betrachtung von Bertholds Schrift selbst er- geben, ohne dass wir an einem von entgegengesetztem Standpunkte geschriebenen Werke eine Prüfung vornehmen können: wie schade ist es da, dass wir denselben nicht jedesmal durch eine ausführliche gegnerische Quellenschrift zu kontrollieren imstande sind!
Ganz anders als Berthold sagt Bruno, der doch gewiss ein fanatischer Gegner Heinrichs ist, aber durchaus kein blinder Verehrer des Papstes, in einer ihn so recht charakterisierenden Weise über die ganzen Verhandlungen dieses Jahres folgendes:„So verging das ganze Jahr, indem fast nichits Erwähnenswerthes in unsern Landen geschah, ausser dass häufig päpstliche Legaten zu beiden Parteien kamen, welche bald uns, bald unsere Gegner der Gunst des Papstes versicherten und von beiden nach römischem Brauch soviel Geld mit sich nahmen, als sie nur zusammenschlagen konnten.“†) Dieser mos Romanus, von dem Berthold nichts wissen zu wollen scheint, obgleich auch er später anführt, dass die Legaten„grossartig beschenkt“(magni- fice donati p. 322) unser Vaterland verliessen, kommt mir denn doch viel bedenklicher vor als der oben erwähnte mos solitus König Heinrichs.
Nach dem resultatlosen Zuge gegen die Sachsen kehrten die päpstlichen Legaten mit reichen Geschenken ein joder für sich nach Rom zurück. Zuerst erschien hier Udalrich von Padua vor dem Papst, und sein Bericht fiel durchaus zu Gunsten Heinrichs aus. Da aber trat gegen ihn ein von Rudolf nach Rom abgesandter Mönch auf, welcher teils selbst bei den Ver-
*) Berthold p. 321: cum legatis apostolicis et ipsis, ut aiunt, muneribus partim corruptis, partim metu minisque confractis, et blanditiis, astutiis omnique ingenio in illius favorem ferme seductis. **½) p. 321: missisque ad omnes ewercitus hostilis optimates nuntiis eos per misericordiam Dei obsecratos humiliter satis rogavit etc. **) Berthold p. 322. †) Bruno c. 116 p. 377.


