Aufsatz 
Der Krieg Heinrichs IV. gegen Rudolf den Gegenkönig (1077-1080) / Klemer
Entstehung
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zwang, noch in Oberitalien zu verweilen, wo sie ihren Aufenthait in Padua nahmen. Unter- dessen sandte der Patriarch schnell einen geheimen Boten an den König voraus, welcher über das Vorgetallene Bericht erstatten sollte. Sobald nun Heinrich von dem was beschlossen war Kunde erhalten hatte, sandte er schleunigst, indem er sich stellte, als ob er von der Gesand- schaft, die an ihn abgeschickt war, nichts wüsste, seinen gewandtesten Unterhändler, den Bischof Benno von Osnabrück, nach Rom, damit er durch geschickte Unterhandlungen die Sache bis über die festgesetzte Zeit hinaus verschleppe.

Aber auch die Sachsen waren mit den Beschlüssen der Synode nicht zufrieden und er- klärten dem Papst in mehreren Schriften in ziemlich scharfer Sprache, dass der Standpunkt, auf dem er fortwährend beharre, nicht richtig sei. Sie kommen nämlich nach Anführung der Gründe, weshalb Heinrich nicht mehr König sein köunne, auf die Folgen zu sprechen, die ent- stehen würden, wenn derselbe dennoch König bliebe. Wohin solle das führen? Was solle dann aus den Bischöfen werden, welche im Gehorsam, und auf Befehl des römischen Stuhls Heinrich die Treue gebrochen haben; werden sie nicht offenbar des Meineids überfünrt werden? Aber noch etwas ganz anderes: wie stehe es dann um den Eid, den sie infolge des Ansehens des Papstes Rudolf geschworen hätten? Es könne daher gar nicht von einer neuen Untersuchung die Rede sein, nachdem Heinrich schon vor Jahren auf einer Synode, in der Gregor den Vor- sitz führte, die Regierungsgewalt abgesprochen sei. Diesem Beschluss, so wird in dem Schreiben ausgeführt, musste doch eine Untersuchung vorhergehen; denn das bezweifle niemand, dass unter seinem, des Papstes, Vorsitz nicht über eine nicht genau untersuchte Sache ein Urtheil abge- geben werde. Was tür eine Notwendigkeit liege also vor zu einer zweiten Untersuchung? Wenn aber die Sache noch nicht untersucht, sondern, wie Gregor jetzt verlange, noch erst zu unter- suchen sei: was für ein Grund lag dann damals vor, dass vor aller Untersuchung Heinrich die königliche Würde ohne den Zusatz irgend einer Bedingung vom Papst abgesprochen wurde? Ist die Sache noch nicht untersucht, sondern noch erst zu untersuchen; warum habe man da in- folge päpstlicher Vollmacht befohlen, einem andern König zu gehorchen, bevor es feststand, dass Heinrich unfähig sei zur Regierung? Aus diesem allen gehe deutlich hervor, dass eine Umkehr auf dem einmal eingeschlagenen Wege für den Papst nicht mehr möglich sei: denn dadurch würde er die dem Reich und der Kirche geschlagenen Wunden nicht nur nicht heilen, sondern vielmehr was noch gesund sei gleichfalls verwunden.*) Man sieht, die Sprache ist sehr scharf und deutlich, und zu unbedingter Unterwürfigkeit und Fügsamkeit unter die Befehle des römischen Papstes, von denen Berthold fortwährend redet, sind die Sachsen keineswegs ge- neigt. Die Unzufriedenheit mit den Beschlüssen der Synode ist auf beiden Seiten gleich gross.

Unterdessen hatte Rudolf das Osterfest am 24. März 1079 in Goslar gefeiert und Vorberei- tungen zu einem Zuge gegen Heinrich getroffen. Dieser dagegen verlebte Ostern in Regensburg und übertrug hier seinem zukünftigen Schwiegersohn Friedrich von Staufen die Herzogswürde in Schwaben. Bis Pfingsten hatte er dann noch in den östlichen Teilen Baierns und in Ostreich mit dem Markgrafen Liutpold zu kümpfen, ehe er ihn unterwerfen konnte. Der Herzog Welf aber hatte schon vor Ostern einen Einfall in Churrhätien gemacht und unter andern auch Udal- rich, den Sohn des Grafen Otto, zum Anschluss an Rudolf gezwungen. Als er dann aber er- fuhr, dass Heinrich Friedrich von Staufen zum Herzog von Schwaben ernannt hatte, brach er mit Berthold, dem Sohne König Rudolfs, der schon als Knabe von Heinrich mit dem Herzog- tum Schwaben belehnt worden war, und mehreren Grossen nach Ulm auf, wo Berthold von

*) Bruno c. 114 p. 376.