Aufsatz 
Der Krieg Heinrichs IV. gegen Rudolf den Gegenkönig (1077-1080) / Klemer
Entstehung
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Könige anheimgestellt wissen wollte: erklärten sie, dass Heinrich fernerhin auf den Papst gar keine Rücksicht nehmen, sondern die Angelegenheiten des Reichs nach seinem Belieben betreiben werde. So konnte denn eine Einigung nicht herbeigeführt werden, und die Unterredung endete im ganzen resultatlos. Nur einige Grosse besonders in Hessen hatten sich an Heinrich ange- schlossen, wurden aber schnell von Rudolf, welcher auf diesem Zuge auch Fritzlar einäscherte,) wieder unterworfen.

Am 11. Februar 1079 trat in Rom die Fastensynode zusammen, auf der auch der Kar- dinaldiakon Bernhard und die Bischöfe von Passau und Metz erschienen, indem sie auf geheimen Pfaden sich dahin begeben hatten. Auch ein Gesandter Heinrichs war zugegen. Der Papst trat hier schon ziemlich offen für Rudolf ein, wollte aber trotzdem noch keine definitive Ent- scheidung treffen, damit man nicht sagen könne, die Sache sei nicht sorgfältig genug untersucht worden. Die Entscheidung wurde bis auf die Pfingstwoche verschoben, in welcher eine neue Synode zur endgültigen Regelung der deutschen Angelegenheiten zusammentreten sollte. Der Gesandte Heinrichs musste schwören, dass sein Herr spätestens bis Himmelfahrt(2. Mai) sichere Geleitsmänner schicken würde, welche die päpstlichen Gesandten ungefährdet über die Alpen führen könnten, und dass er sich der Entscheidung des päpstlichen Stuhls in Sachen des Reichs fügen werde. Auch die Partei Rudolfs leistete den Eid, dass derselbe dem Ausspruch des Papstes gehorchen werde. Wer die Versammlung hindern würde, wurde mit dem Banne bedroht; wenn Heinrich auch diesmal sich nicht füge, so sollte der Bann gegen ihn nicht mehr verschoben werden. Den Geist, der auf dieser Synode herrschte, erkennt man auch daraus, dass der Herzog Dietrich von Lothringen und Graf Folkmar von Metz wegen ihres Einfalls in Metz und der Vertreibung des Bischofs Hermann*) in den Bann gethan wurden. Auf dieser Synode unterwarf sich auch der von Heinrich eingesetzte Patriarch Heinrich von Aquileja dem Papst und empfing von ihm Ring und Stab und die übrigen Zeichen seiner Würde, doch blieb er trotzdem ein Anhänger Heinrichs. Ihm wurden auch die päpstlichen Legaten, die zu König Heinrich gehen sollten, mitgegeben, damit er ihnen Zutritt bei demselben verschaffte. Es waren dies Petrus der Bischof von Alba und Udalrich der Bischof von Padua. Sie sollten dem König die Beschlüsse der Synode mitteilen und ihn auffordern, Ort und Zeit für die be- schlossene Fürstenversammlung zu bestimmen, seinen Gegnern bis dahin Frieden zu gewäühren und den vertriebenen Bischöfen die Rückkehr zu gestatten; ferner solle er bis zu der festgesetzten Zeit(2. Mai) sieben angesehene und fromme Männer nach Rom schicken, welche den päpst- lichen Legaten, die zu der Versammlung nach Deutschland kommen sollten, hin und zurück sicheres Geleit gewähren könnten. Ebenso teilte der Papst Rudolf die Beschlüsse der Synode mit***) und verwies ihn noch besonders auf die ausführlichern Berichte, die er mündlich durch die Bischöfe von Metz und Passau erhalten würde. Ausserdem schrieb er einen offenen Brief an alle Deutsche,) worin er auch ihnen den Beschluss der Synode mitteilte und jeden der irgend- wie wagen würde, seinen Legaten entgegen zu treten, oder deren Ausspruch sich nicht fügen würde, mit dem Banne bedrohte.

Der Patriarch Heinrich ging aber nicht ohne Verzug nach Regensburg zu König Heinrich, sondern begab sich zunächst in seine Diöcese, indem er dadurch auch die päpstlichen Legaten

*) cf. Annales Ottenburani z. J. 1079: expeditio Roudolfi regis in Hassiam, in qua Fritislar combustum est cum monasterio, quod sanctus Bonifacius ibidem construxerat. **) cfr. p. 11. ***) Bruno c. 119 u. 120 p. 378 u. 379. ) Bruno c. 118 p. 378.