Aufsatz 
Der Krieg Heinrichs IV. gegen Rudolf den Gegenkönig (1077-1080) / Klemer
Entstehung
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manns die fernere Unterstützung Rudolfs aufgegeben; denn wir finden, dass dieselben später nicht mehr am Kampfe gegen Heinrich teilnehmen. Doch mag dies dahingestellt bleiben, da uns genauere Nachrichten darüber fehlen; soviel steht fest, dass ein neuer Feldzug gegen Rudolf beschlossen wurde.

Als aber Heinrich mit seinem Heere bis an den Thüringer Wald gekommen war, erfuhr er, dass ein ausserordentlich grosses Heer der Sachsen in Stärke von etwa 60 000 Mann jenseits des Gebirges versammelt sei, um jeden feindlichen Einfall abzuwehren. Heinrich bog daher um und fiel nun um den Anfang November*) in Schwaben ein und verwüstete das Land, indem er weder menschliches noch göttliches Eigentum schonte; gegen 100 Kirchen sollen auf diesem Zuge zerstört worden sein. Aber Heinrich erreichte durch diesen Zug nichts weiter, als dass sich der Pfalzgraf Hugo von Tübingen ihm anschloss. Welf blieb trotz der schrecklichsten Ver- wüstungen seines Gebiets unbezwungen, und ebensowenig konnte der alte Berthold zur Unter- werfung gebracht werden. Doch als derselbe die Greuel und die Verwüstung seines Landes sah, verfiel er in Wahnsinn und starb bald darauf am 6. November. Auch der Erabischof Hidulf von Köln, ein Anhänger Heinrichs, starb um diese Zeit, und ebenso der Erzbischof Udo von Trier am 11. November 1078. Weihnachten 1078 feierte Heinrich in Mainz, und einige Tage darauf setzte er den Kölner Dekan Siegwin an des verstorbenen Hidulf Stelle zum Erzbischof von Köln ein. Er verweilte dann noch bis gegen das Ende des Februar in den Rheingegenden und empfing hier seine aus Rom zurückkehrenden Gesandten. Am 19. November war nämlich in Rom von neuem eine Synode abgehalten worden, hauptsächlich zu dem Zwecke, den Streit in Deutschland beizulegen. Von beiden Königen waren Gesandte erschienen, welche beschworen, dass ihre Herren nichts gethan hätten, die vom Papst angeordnete Versammlung zu hintertreiben. Doch zu einer endgültigen Entscheidung war es auch diesmal nicht gekommen; der Papst be- harrte bei seiner dilatorischen Politik. Der eine von Heinrichs Gesandten, der Passauer Probst Eigilbert, wurde vom König nach seiner Rückkehr als Nachfolger Udos zum Erzbischof von Trier eingesetzt, am 8. Januar 1079, und damit waren die beiden wichtigen Erzbistümer von Köln und Trier wieder in den Händen von getreuen Anhängern Heinrichs.

Inzwischen wäre beinahe eine Entscheidung in ganz unvorhergesehener Weise erfolgt. Rudolf war nämlich nach der Rückkehr von seinem Zuge, den er zur Abwehr Heinrichs im Herbste 1078 bis an den Thüringer Wald unternommen hatte, von heftigen Fiebern befallen worden und schwebte zwei Monate lang in Lebensgefahr. Endlich aber trug seine kräftige Natur den Sieg über die heimtückische Krankheit davon. Nachdem er vollständig genesen war, sammelte er noch vor dem Sonntag Septuagesimä(20. Januar) 1079 ein Heer, um gegen Heinrich ins Feld zu ziehen. Als dieser davon Kunde erhielt, schickte er Gesandte an die sächsischen Fürsten, um eine Zusammenkunft herbeizuführen, durch welche er die schon vielfach schwankend gewordenen Sachsen zu sich hoffte herüberziehen zu können. Diese rieten denn auch wirklich ihrem König Rudolf von dem Zuge ab und kehrten, nachdem eine gemeinsame Versammlung verabredet war, nach Hause zurück. Die Zusammenkmunft erfolgte darauf im Februar**) zu EFritzlar. Hier aber erklärten die Anhänger Heinrichs, dass sie nicht gekommen seien, um zu entscheiden, wer der rechtmässige König sei, sondern nur, um denjenigen, welche sich ihrem König unterwerfen wollten, dabei behülflich zu sein. Und als die Sachsen sich auf den Befehl des Papstes beriefen, welcher der Versammlung die Entscheidung über die beiden

*) Berthold p. 313 und Bernold p. 435: circa festivitatem omnium sanctorum(1. Nov.). **) Berthold p. 316: in prowima quadragesima. Dieselbe beginnt 1079 am 6. Februar, Oatern fällt auf

den 24. März.