Aufsatz 
Der Krieg Heinrichs IV. gegen Rudolf den Gegenkönig (1077-1080) / Klemer
Entstehung
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dann aber besonders noch deshalb nicht ausgenutzt werden konnte, weil an demselben Tage die Herzöge Welf und Berthold die fränkischen Bauern, welche ihnen 12000 Mann stark den Über- gang über den Neckar verwehren wollten, besiegten und Heinrich ihnen bei dem grossen Ver- luste, den er selbst erlitten hatte, nicht mehr gewachsen war. Ja, auch Berthold*) selbst bezeichnet letzteren Umstand als den Hauptgrund zum Rückzuge Heinrichs nach Baiern. Welf und Ber⸗ thold gingen nach einer schrecklichen Verwüstung des feindlichen Gebiets nach Schwaben zu- rück. Von beiden Parteien war trotz der grossen Anstrengungen nichts erreicht, nur eine Ver- minderung der beiderseitigen Kräfte war herbeigeführt.

Heinrich sandte nach der Schlacht Boten an den Papst und meldete ihm, dass er über seine Gegner gesiegt habe. Zugleich kam aber auch der etwa vor Jahresfrist durch Heinrichs Machtspruch aus der Gefangenschaft befreite päpstliche Legat, der Abt Bernhard von Massilia, welcher diese Wohlthat Heinrichs mit dem grössten Undank durch Aufreizung der Gegner in don Gegenden besonders des Schwarzwaldes belohnt hatte, nach Rom. Er batte den Zug unter Welf und Berthold mitgemacht und stellte nun die Sache so dar, wie er sie einesteils selbst ge- sehen, andernteils von den Anhängern Rudolſs erfahren hatte. Auch die Sachsen sandten einen Brief an den Papst, in welchem sie ihm mitteilten, dass Heinrich von ihnen besiegt sei, und dass es unnütz wäre, von demselben noch fortwährend sicheres Geleit für eine Reise nach Deutschland zu verlangen, da derselbe auf eine Entscheidung durch den Papst doch nur dann eingehen würde, wenn er ganz bestimmt wüsste, dass sie für ihn günstig ausfallen würde. Die Sache könne schon nicht mehr durch ihn oder seine Dekrete beigelegt, sondern nur noch durch die Schärfe des Schwerts entschieden werden. Deshalb möge er endlich aufhören, die Entschei- dung hinauszuschieben, und den am 12. November 1077 über Heinrich durch den Kardinaldiakon ausgesprochenen Bann bestätigen, damit jeder ganz sicher wisse, woran er sei und was er zu thun habe.**)

Der Papst stand jetzt in Italien etwas gesicherter da als vorher, aber dennoch war er auch jetzt noch nicht willens, eine bestimmte Entscheidung zu treffen, und beharrte nach wie vor auf der Forderung einer Fürstenversammlung.

Im Oktober 1078 hielt Heinrich in Regensburg einen Hoftag, um über den Plan eines neuen Feldzugs zu beraten. Bruno**) erzählt uns nun hier eine gar seltsame Geschichte. Der König habe falsche Boten auftreten lassen, welche aussagten, dass sie von Otto von Nordheim und dem Grafen Hermann, welche allein von allen Freien nach der Schlacht von Melrichstadt übrig geblieben seien, abgesandt wären, um in deren Namen Unterwerfung anzubieten und den König zu bitten, dass er doch nach Sachsen kommen möchte, um dem Lande Bebauer zu geben, da niemand da sei, das Land zu bestellen, wenn nicht anderswoher Kolonisten herbeigeführt würden. Darauf hätten seine Anhänger sofort in den Zug gewilligt; da aber jeder möglichst viel bei der Verteilung habe bekommen wollen, hätten sie zugleich dahin gewirkt, dass das Heer nicht allzu gross würde, weil dann der Anteil eines jeden um soviel kleiner ausfallen musste. An dieser ganzen so höchst naiven Erzählung mag immerhin soviel wahr sein, dass wirklich zu dieser Zeit zwischen den Billingern und Heinrich Verhandlungen in Betreff eines friedlichen Ausgleichs geschwebt haben werden. Vielleicht haben die Billinger gegen die Freilassung Her-

*) Berthold p. 312: Non minimum quippe, qui ex ista parte ipsa die cum Francorum coniuratis cen- tenariis bello durissimo omnino proflagatis et eunuchizatis dimicabant et victores mirabiliter eæstiterant, Aleman- norum impetum metuebat.

**) Bruno c. 110 p. 372 u. 373. *rr) Bruno c. 103 p. 368.