Aufsatz 
Der Krieg Heinrichs IV. gegen Rudolf den Gegenkönig (1077-1080) / Klemer
Entstehung
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drei Meilen weit verfolgt. Aus Bruno*) aber, welcher einen ausführlichen Bericht über die Schlacht giebt, ersehen wir, dass dieselbe denn doch ganz anders ausgefochten und entschieden wurde. Er weiss nichts von hinterlistigen Verhandlungen vor der Schlacht, und wenn er auch über die Verhandlungen immer am wenigsten sich unterrichtet zeigt, so würde er doch in diesem Falle, wo er eine so ausführliche Darstellung giebt, sich also genauer als sonst erkundigt hat, wohl davon gehört haben. Hauptsächlich aber ist deshalb schon die Angabe Bertholds zu ver- werfen, weil doch Heinrich daran gelegen sein musste, so schnell wie möglich mit den Sachsen fertig zu werden, um sich dann auf Welf und Berthold werfen zu können, so dass ihm jeder Tag der Zögerung(wie sich ja später auch zeigte) teuer zu stehen kommen musste. Ubrigens wird fast vor jedem Zusammentreffen von hinterlistigen und trügerischen Unterhandlungen von Seiten Heinrichs gesprochen, dass es fast zur Gewohnheit bei den gegnerischen Schriftstellern geworden zu sein scheint, Heinrich dieselben vorzuwerfen.*) Bruno sagt, es sei sofort zur Schlacht gekommen und von beiden Seiten sehr tapfer gekämpft worden mit verschiedenem Erfolge auf beiden Seiten. Von den Sachsen flohen zuerst gleich beim Beginn der Schlacht die Bischöfe und rissen auch den König Rudolf selbst mit fort, weil dieser glaubte, dass sein ganzes Heer die Flucht ergriffen habe. Auch die Billinger Hermann und Magnus flohen. Bei dem andern Teile des Heeres schwankte dagegen die Entscheidung lange hin und her. Eberhard der Bärtige fiel hier, nachdem er kurz zuvor Wilhelm von Kamburg, den Sohn des Grafen Gero und Neffen des Markgrafen Dedo gefangen genommen hatte, wodurch dieser die Freiheit wiedererlangte. Am glücklichsten kämpften von Seiten der Sachsen Otto von Nordheim und der Pfalzgraf Friedrich von Sommerschenburg. Beide schlugen, ein jeder unabhängig von dem andern, die ihnen gegenüberstehenden Feinde zurück; darauf kehrte zuerst Friedrich um zur Behauptung des Kampfplatzes, und dann auch Otto; doch da dieser Friedrichs Schar für Feinde hielt, wich er ihnen aus und trat den Rückzug nach Sachsen an. Von den Bischöfen war Wer- ner von Magdeburg auf der Flucht umgekommen; Werner von Merseburg hatte mit Mühe und Not vollkommen ausgeplündert die Heimat erreicht. Der Kardinaldiakon Bernhard, der Erz- bischof Siegfried, Adalbert von Worms, Hermann der Oheim des Herzogs Magnus waren von den Thüringern auf der Flucht gefangen genommen worden. Die beiden Erstgenannten wurden zwar am folgenden Tage, als der siegreiche Pfalzgraf Friedrich seinen Rückzug nach Sachsen antrat, befreit und von ihm Schmalkalden und die umliegenden Orte wegen ihrer Feindselig- keiten gegen die flüchtigen Sachsen mit Feuer und Schwert verwüstet; aber die beiden andern wurden von den Bewohnern an Heinrich ausgeliefert. Von den sächsischen Grossen war ausser dem auf der Flucht erschlagenen Erzbischof von Magdeburg keiner gefallen; auf Seiten Hein- richs aber ausser dem schon erwähnten Eberhard der Markgraf Dietbold vom Nordgau, Graf Poppo von Henneberg und Heinrich von Lechsgmünd. Der Tag der Schlacht war der 7. August 1078, ein Dienstag, der Ort Melrichstadt an der Streu.

Wenn man bedenkt, dass auch dieser Bericht, wie ihn uns Bruno gewährt, doch immer noch in einer zu Gunsten der Sachsen parteiischen Weise abgefasst ist, so wird man nicht fehl- gehen, wenn man die Schlacht mit den Annales Augustani**) trotz mancher Erfolge, die Otto und besonders wohl Pfalzgraf Friedrich davongetragen haben mögen, als einen Sieg Heinrichs bezeichnet, welcher allerdings schon an sich durchaus nicht von durchschlagendem Erfolg war,

*) Bruno c. 96 102 p. 367 368. **) cfr. p. 8 ff. und was p 19 ff. über die Darstellung Bertholds nach dem Tage von Würzburg und den mos solitus Heinrichs gesagt ist. rn) Annales Augustani, Mon. Germ. SS. III. z. J. 1078.