Aufsatz 
Der Krieg Heinrichs IV. gegen Rudolf den Gegenkönig (1077-1080) / Klemer
Entstehung
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in ihr Gebiet zurückzogen. Doch Heinrich, welcher befürchten musste, dass hierdurch der Aufstand auch in Lothringen losbrechen würde, eilte ihnen, unterstützt vom Herzog Dietrich und dem Grafen Folkmar von Metz, sofort nach, vertrieb den Bischof aus seiner Stadt und legte eine Besatzung in dieselbe. Darauf zog er nach Strassburg, wo er seinen Kapellan den Konstanzer Probst Dietbold als Nachfolger Werners, welcher im Herbst des vorangegangenen Jahres gestorben war, auf den Bischofsstuhl setzte(13. Mai 1078), ohne sich um die Beschlüsse der Fastensynode betreffs der Investitur zu kümmern. Von hier beabsichtigte er einen Einfall in Schwaben zu machen; da aber seine Truppenmacht dazu nicht ausreichte, begab er sich direkt nach Baiern, wo er am 27. Mai zu Regensburg das Pfingstfest feierte und sich mit dem Markgrafen Liutpold von Ostreich wieder aussöhnte. Ausserdem behielt er fortwährend den päpstlichen Legaten, welcher ihn Ostern in Köln getroffen hatte, bei sich und hatte somit ebenso gut, wie Rudolf an dem Kardinaldiakon Bernhard, ein lebendes Zeugnis seines Einvernehmens mit Rom und seines Gehorsams gegen den päpstlichen Stuhl.

König Rudolf war unterdessen nicht müssig gewesen. Während er das Pfingstfest zu Goslar feierte, hielt er daselbst eine Versammlung mit den sächsischen Fürsten ab, um über einen Kriegszug gegen Heinrich zu beraten. Auch von auswärtigen Mächten waren Gesandte erschienen,) um die Bereitwilligkeit ihrer Herrscher zur Unterstützung Rudolfs im Kampfe gegen Heinrich zuzusagen. Und wenn auch diesmal in Wirklichkeit für Rudolf nicht viel da- durch gewonnen wurde, so erkennt man doch daraus, dass der Kampf der beiden Könige nicht nur die inneren deutschen und kirchenpolitischen Angelegenheiten betrifft, sondern dass durch denselben zugleich die ganzen Verhältnisse Deutschlands zum Auslande sich umaugestalten be- ginnen, indem letzteres den Kampf dazu benutzen will, durch Anschluss an den Schwächeren das deutsche Königtum von seiner erhabenen Höhe herabzuziehen, um sich demselben eben- bürtiger àls es bisher der Fall gewesen an die Seite stellen zu können.

In Schwaben tobten indessen den ganzen Sommer hindurch ebenso wie in Elsass und Franken die Parteifehden mit ungeschwächter Wut unter Raub, Brand und Plünderung fort. Die Bischöfe von Basel und Strassburg, welche ein Heer von Bauern aufgebracht hatten, wurden von dem Markgrafen Berthold, dem Sohne des Herzogs Berthold, besiegt, während die Haupt- macht von Rudolfs Anhängern in Süddeutschland unter den Herzögen Welf und Berthold Rheinfranken verwüstete.

Ende Juli rückte auch Rudolf mit dem sächsischen Aufgebot heran, um sich in Ost- franken mit Welf und Berthold zu vereinigen. Doch König Heinrich, welcher ihren Plan durch- schaute, verhinderte dies, indem er sich mit seinem Heere zwischen sie schob. Dazu kam, dass die ganze Bevölkerung Heinrich anhing, so dass bei der Erbitterung derselben nicht einmal eine Verbindung und Verständigung durch Boten zwischen Rudolf und den Herzögen möglich war. Heinrich beschloss daher, die Schwaben durch die bewaffneten Bauern am Neckar so lange aufzuhalten, bis er die Sachsen geschlagen hätte, um dann auch diese zu paaren zu treiben..

Berthold**) berichtet nun, dass Heinrich hinterlistiger Weise Unterhandlungen mit den Sachsen angeknüpft und sie dann plötzlich und unvermutet angegriffen habe. Trotzdem habe Rudolf sofort beim ersten Angriff die Feinde in die Flucht geschlagen und sie ohne Aufhören

*) Berthold p 311: illuc ad eum legati Philippi, regis Galliorum, et Fladirtiugorum et Lotharingorum

quam plurium nec non regis Ungariorum..... advenerant, quamvis non ita, ut promissum est, omnino per- ficerent..

**) Berthold p. 312.