Aufsatz 
Der Krieg Heinrichs IV. gegen Rudolf den Gegenkönig (1077-1080) / Klemer
Entstehung
Einzelbild herunterladen

10

fohlene Versammlung verhindert hätte; den König Rudolf aber bestätigte er von neuem in seiner Würde durch das Ansehn des römischen Stuhls, wobei er sich in allen Punkten auf den Wort- laut des päpstlichen Briefes vom 31. Mai stützen konnte. Doch mehr als zwei Jahre vergingen, ehe Gregor diese Handlung seines Legaten bestätigte.

Am Ende dieses Jahres starb auch die Kaiserin Agnes, am 14. Dezember 1077, und wurde in Rom in der Kirche der heiligen Petronella beigesetzt.

Das Weihnachtsfest feierte Rudolf in Goslar, Heinrich in Regensburg; doch letzterer konnte sich nicht lange den Freuden des FPestes widmen, da er trotz Ekberts Entfernung mit der gänzlichen Unterwerfung und Beruhigung Baierns besonders in Passau und Salzburg noch bis Mitte März*) beschäftigt war. Von Regensburg aus sandte er auch die Bischöfe Benno von Osnabrück und Dietrich von Verdun als Gesandte zu der Fastensynode nach Rom, welche im März 1078 daselbst abgehalten wurde. Auch Rudolf und seine Anhänger hatten Gesandte ge- schickt, aber wegen der mit der Reise verbundenen Gefahren nur unbedeutende Leute, welche den gewandten und erfahrenen Unterhändlern Heinrichs nicht im geringsten gewachsen waren. Hierzu kam noch die gefahrvolle Lage, in der sich den Normannen und Langobarden gegen- über der Papst damals in Rom befand, wodurch ein Bruch mit Heinrich fast unmöglich gemacht wurde. So fehlte denn auch nicht viel, dass Heinrichs Gesandte die Exkommunikation Raudolfs durchgesetzt hätten. Viele Mitglieder der Synode waren schon dafür gewonnen; da aber der Papst so weit denn doch nicht gehen wollte, wusste er einen Beschluss bis auf den nächsten Sabbath hinauszuschieben und dann durchzusetzen, dass an der Eutscheidung durch eine Fürstenversammlung in Deutschland festgehalten wurde; doch sollten neue päpstliche Legaten zu derselben geschickt werden. Darauf sprach der Papst über alle, die das Zustandekommen dieser Versammlung in irgend einer Weise hindern würden, das Anathem aus und entliess die Gesandten Heinrichs, indem er ihnen Boten mitgab, welche, nachdem Heinrich Ort und Zeit der Versammlung bestimmt hätte, nach Rom zurückkehren sollten, damit dann geeignete Personen als päpstliche Gesandte nach Deutschland geschickt werden könnten. Die Gesandten Rudolfs hatte Gregor nur heimlich und verstohlen empfangen können, und in gleicher Weise entliess er sie auch; doch gab er ihnen Versicherungen seiner Liebe und Gunst mit auf den Weg und er- mahnte sie, dem Papste in allen Dingen gehorsam und ergeben zu bleiben.

Als Heinrich in Regensburg durch Boten, welche von seinen Gesandten vorausgeschickt worden waren, die Beschlüsse der Synode erfahren hatte, begab er sich sogleich in die Rhein- gegenden, um hier für den Ausgleich in einer für ihn günstigen Weise Vorkehrungen zu treffen. Er fasste allerdings die Versammlung nur in dem Sinne auf, dass durch dieselbe die Unterwer- fung der aufständischen Fürsten herbeigeführt werden sollte. Am 1. April treffen wir ihn in Mainz, und am 8. April feierte er das Osterfest in Köln. Hier kamen auch seine Gesandten zu ihm mit den Boten des Papstes und berichteten ihm getreulich die Vorgänge und Beschlüsse der Fastensynode. Heinrich war sofort bereit eine Versammlung in dem oben erwähnten Sinne herbeizuführen und that, als ob er in allen Punkten in Rom gerechtfertigt worden wäre. Rudolf dagegen feierte Ostern in Goslar, wo jetzt Bischof Wigold,*) der schon vor der Einsetzung Siegfrieds durch Heinrich nach den kanonischen Vorschriften zum Bischof von Augsburg gewählt worden war, dann aber hatte fliehen müssen, vom Erzbischof von Mainz ordiniert wurde. Erst

*) Berthold p. 306: usque in mediam quadragesimam(14. oder 18. März, da entweder der Mittwoch vor Laetare oder dieser Sonntag selbst als Mittfasten bezeichnet wird. Ostern fällt auf den 8. April 1078).

**) Wigold setzte sich, da er in Augsburg nicht aufgenommen wurde, in Füssen fest, wo er aber fort- während von den Augsburgern belästigt wurde.