Aufsatz 
Der Krieg Heinrichs IV. gegen Rudolf den Gegenkönig (1077-1080) / Klemer
Entstehung
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Während daher auch Rudolf und seine Anhänger fröhlich über den Ausgang, den die Unterhandlungen genommen hatten, nach Hause zogen und schon ihres Sieges gewiss waren denn dass der Kardinaldiakon nicht zu ihren Ungunsten entscheiden würde, war von Anfang an klar: fühlte sich Heinrich bitter verletzt und hielt sich seinerseits durchaus nicht durch die ge- troffenen Abmachungen gebunden. Sobald daher die Baiern und Böhmen zu ihm stiessen, was kurz nach dem Abzuge Rudolfs erfolgte, brach er mit seinem Heere nach Schwaben auf und verwüstete das Gebiet seiner Gegner mit Feuer und Schwert.

Um diese Zeit(am 30. Juli 1077) war auch der Bischof Embrico von Augsburg gestorben, welcher gleich nach der Rückkehr Heinrichs aus Italien eifrig für ihn Partei ergriffen und sogar das heilige Abendmahl genommen hatte zum Beweise, dass die Sache seines Königs, Heinrichs, die gerechte sei; und ebenso hatte am 14. August einen andern Anhänger des Königs der Tod ereilt, den Patriarchen Sieghard von Aquileja, welcher noch im Jahre zuvor ein Gegner Heinrichs gewesen, jetzt aber mit demselben über die Alpen gekommen war und sogar beschuldigt wurde,) dass er durch untergeschobene Briefe, welche er vom Papste erhalten zu haben erklärte, die Sache Heinrichs hätte unterstützen wollen. An Stelle des erstern setzte Heinrich jetzt seinen Kaplan Siegfried zum Bischof ein und zwang den schon vom Kapitel gewählten Wigold sein Bistum zu verlassen. An Sieghards Stelle wurde ein Augsburger Kanonikus Namens Heinrich Patriarch von Aquileja. Auch Udalrich, der Sohn des Herzogs Markward von Kärnthen, ward jétzt Abt von St. Gallen. Nachdem Heinrich dann noch das Fest der Geburt der Jungfrau Maria(8. September) in Augsburg gefeiert,*) ging er wieder nach Baiern zurück.

Hier sammelte er von neuem ein Heer und vertrieb den Erzbischof von Salzburg, welcher sich ihm nicht anschliessen wollte, aus seinem Sprengel und zwang ihn in Schwaben bei Welf und Berthold eine Zuflucht zu suchen. Dann brach Heinrich nach Franken auf, und am 30. Oktober finden wir ihn in Worms. Er verhinderte jetzt, dass die Fürsten sich zu dem festge- setzten Tage an dem dazu bestimmten Orte versammelten und verwüstete das Gebiet seiner Feinde. Darauf ging er nach Baiern zurück und machte sich in Verbindung mit dem Böhmen- herzog an die Bekämpfung des mächtigen bairischen Grafen Ekbert von Formbach, welcher allein von sämtlichen bairischen Grossen ihm noch Widerstand zu leisten wagte. Er eroberte trotz der strengen Kälte mehrere seiner Burgen und zwang ihn, sich in seine Besitzungen ganz im Osten an der ungarischen Grenze zurückazuziehen.

Rudolf war unterdessen nach Sachsen zurückgekehrt und verrichtete daselbst die Ge- schäfte des Königs; auch hatte er gegen einige westtälische und thüringische Fürsten, die von ihm abgefallen waren, zu kämpfen. In Schwaben, wohin Welf und Berthold sich vom Neckar aus begeben hatten, dauerten die Kümpfe der beiden Parteien ungeschwächt fort, und besonders an der Donau hatte das Land unter den gegenseitigen Verwüstungen schwer zu leiden.

Der Kardinaldiakon Bernhard trat jetzt ganz offen auf Rudolfs Seite; und da er die Schwierigkeiten, mit denen Gregor in Italien zu kämpfen hatte, nicht recht kannte, berief er, ungeduldig und unwillig geworden, eine Versammlung der sächsischen Bischöfe und der welt- lichen Fürsten nach Goslar und that Heinrich mit seinen sämtlichen Anhängern am 12. Novem- ber 1077***) in den Bann, weil er dem rõmischen Papst nicht gehorcht und die von diesem be-

*) Berthold p. 295: patriarcha praedictus cum litteris pseudographis quasi a domno apostolico in has partes per illum transmissis. ) Annales Augustani z. J. 1077. Mon. Germ. S. S. III. vrn) Bernold p. 435: in die sequenti post festivitatem sancti Martini. Berthold p. 302: in 2. Idus

Novembris. 3