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zunächst gegen Würzburg, dessen Bürger ihren Bischof Adalbero vertrieben hatten und zu Hein- rich hielten. Während Rudolf die Stadt belagerte, erwartete er zugleich den Zuzug seiner süd- deutschen Anhänger unter Welf und Berthold. Diese trafen unterwegs mit etwa 5000 Mann am Neckar auf Heinrich. Da dieser aber nur wenig Truppen bei sich hatte, so entzog er sich schleunigst ihrem Angriff und eilte nach Worms. Den beiden Herzögen blieb nichts anderes übrig, als ihre Vereinigung mit Rudolf zu bewerkstelligen.
Heinrich sammelte nun ein grösseres Heer und zog mit demselben bis an den Neckar, um hier die Ankunft der Böhmen und Baiern, wie verabredet war, zu erwarten. Doch die Gegner kamen denselben zuvor und zogen, nachdem sie die Belagerung von Würzburg aufge- geben, gegen Heinrich heran. Dieser aber wählte am linken Neckarufer eine so vorzügliche Stellung für sein Heer, nachdem er zuvor alle Uebergänge über den Fluss besetzt hatte, dass die Feinde ihn trotz ihrer Uebermacht nicht anzugreifen wagten; und auf ihre Forderung, ihnen entweder Gelegenheit zu geben den Fluss zu überschreiten, oder nachdem ihm eine solche gegeben, seinerseits auf das rechte Ufer herüberzukommen, ging Heinrich selbstverständlich nicht ein. Er musste nur Zeit gewinnen, bis der Zuzug der Baiern und Böhmen eintraf, um eine für ihn günstige Entscheidung herbeizuführen.
Als sich nun beide Heere so mehrere Tage gegenübergestanden hatten, kamen die beider- seitigen Fürsten zu einer Unterredung zusammen und beschlossen, dass Waffenruhe eintreten und am 1. November die Fürsten und der päpstliche Gesandte ohne die beiden Könige in den Rheingegenden zusammenkommen sollten, um zu entscheiden, wer von den beiden Königen ferner herrschen solle. Die Bischöfe IIdo von Trier und Hermann von Metz, welche nebst einigen anderen Fürsten von den Anhängern Heinricäs die Verhandlungen führten, hatten sich zwar anfangs geweigert, darein zu willigen, dass auch der päpstliche Legat auf der festgesetzten Versammlung erscheinen solle, weil sie nur unter dieser Zusage überhaupt von Heinrich die Er- laubnis zu Unterhandlungen erhalten hatten; aber zuletzt gaben sie doch nach und brachen das dem Könige gegebene Versprechen. So war also was der Papst gewünscht und Heinrich auf alle Weise zu verhindern gesucht hatte dennoch beschlossen worden, nur dass statt des Papstes selbst sein Legat bei den Verhandlungen zugegen sein sollte. Wenn daher Bruno von der List und Verschlagenheit redet, mit der Heinrich durch diese Verhandlungen sich vor den Waffen der Feinde gerettet habe, so werden wir darauf gar nichts zu geben haben. Wie denn ja über- haupt fortwährend von seinen Versuchen, die Gegner zu hintergehen, zu täuschen, zu überlisten die Rede ist, als ob nicht im Kriege immer danach gestrebt worden wäre, dem Gegner durch Schlauheit und kluge Berechnung der sich darbietenden Gelegenheiten eine Falle zu bereiten. Aber gerade diesmal ist es Heinrich sicher nicht gewesen, der die Hand zu den Verhandlungen geboten hat; denn dies würde mit seinem ganzen bisherigen Verhalten in Widerspruch stehen und wird auch durch sein Benehmen in der Folge widerlegt. Eine Bestätigung dieser unserer Ansicht finden wir bei Berthold, da nach dessen Zeugnis die Verhandlungen auf Betreiben einiger Fürsten, die sich im Lager Heinrichs befanden, angeknüpft wurden, und diese Fürsten von Heinrich nur erst gegen das bestimmte Versprechen, dass der päpstliche Legat von der Fürstenversammlung ausgeschlossen bleiben solle, die Erlaubnis zum Unterhandeln erhielten. Wenn daher einer bei diesen Verhandlungen hintergangen worden ist, so ist es sicher Heinrich gewesen, da ihm die wichtigste Bedingung, die er stellte, wenn die Verhandlungen Erfolg haben sollten, nicht erfüllt und das Fallenlassen derselben von den Seinen gegen das ihrem Könige gegebene Versprechen erpresst worden ist.


