Aufsatz 
Der Krieg Heinrichs IV. gegen Rudolf den Gegenkönig (1077-1080) / Klemer
Entstehung
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1 seiner Hand. Darauf kehrte er wieder nach Baiern zurück und hielt im Juni in Franken eine Versammlung zu Nürnberg ab, um über die Fortführung des Krieges zu beraten.

Bei dieser Lage der Dinge griff nun der Papst ein, um in Gemeinschaft mit den deutschen Fürsten sich die Entscheidung über die beiden Könige anzumassen. Er verlangte in einem Schreiben vom 31. Mai 1077 von seinen Legaten, dass sie die beiden Könige angehen sollten, ihm sicheres Geleit zu versprechen für seine Reise nach Deutschland, die er unternehmen wolle, um die Streitigkeiten beizulegen, und ihm solche Geleitsmänner zu schicken, auf die er sich sicher verlassen könne. Denjenigen aber, welcher sich einer solchen Entscheidung durch den Papst und die Fürsten widersetzen würde, sollten sie mit allen Mitteln bekämpfen und ihn nebst allen seinen Anhängern, gestützt auf das Ansehen und die Macht des römischen Stuhls, exkom- munizieren; dagegen demjenigen, welcher demütig Gehorsam und Willfährigkeit zeige, sollten sie in allem Rat und Hilfe gewähren, ihn in der königlichen Würde bestätigen und allen Ein- wohnern des Reichs befehlen, dass sie ihm und keinem andern gehorchen sollten.*) Und in einem andern Briefe, den er an demselben Tage an die Fürsten schickte, machte er auch diese mit seinem Vorhaben bekannt und teilte ihnen mit, was er seinen Legaten aufgetragen.)

Wübrend nun Berthold**) berichtet, dass Rudolf und sein Anhang sich sehr bereit ge- zeigt hätten, dem Willen des Papstes nachzukommen, dass er aber, weil alle Wege über die Alpen von Heinrich besetzt seien, nicht imstande würe, sicheres Geleit zu gewähren: sagt Bruno), welcher das Eintreffen der Briefe allerdings ganz verkehrt erst in den Monat Februar des Jahres 1079 setzt, ††) dassdie Sachsen in der grossen Hoffnung, welche sie auf den aposto- lischen Fels gesetzt hätten, sich sehr getäuscht sahen, weil sie geglaubt hätten, dass eher der Himmel stillstehen und die Erde sich bewegen, als dass der Stuhl Petri die Standhaftigkeit des Petrus verlieren würde. Jedenfalls ist wohl anzunehmen, dass Rudolf froh war, sich eines so bequemen und zugleich triftigen Vorwandes bedienen zu können, weshalb er sicheres Geleit nicht gewähren könnte.

Dem König Heinrich dagegen, welcher in Süddeutschland fast unbestritten als Sieger dastand, kam eine solche Entscheidung durch den Papst jetzt unerwünscht; denn er hatte gerade den Zug nach Sachsen vor, durch welchen er auch Niederdeutschland unterwerfen zu können hoffte; und dann war er ohne fremde Hilfe unumschränkter Herrscher in Deutschland, während bei einer Entscheidung durch den Papst selbst im günstigsten Falle seine Wiedereinsetzung mit einer entschiedenen Demütigung verbunden war. Er traf deshalb Vorkehrungen, dass die päpst- lichen Briefe nicht an ihn gelangen konnten, und brach im Juli nach Franken und den Rbhein- gegenden auf, um hier zumeist aus den Bürgern der ihm treu ergebenen Städte ein Heer zu bilden, mit welchem dann die Baiern und Böhmen sich vereinigen sollten.

Aber auch Rudolf hatte unterdessen gerüstet. Er hatte am 29. Juni in Merseburg eine Versammlung der sächsischen Fürsten abgehalten und dieselben bewogen, dass sie nicht ruhig zu Hause blieben und den Angriff Heinrichs abwarteten, sondern ein Heer sammelten und selbst zur Bekämpfung der Gegner ausserhalb ihres Gebiets übergingen. Ihr Angriff richtete sich

*) Gregorii VII. Registr. IV, 23. vom 31. Mai 1077. **) Greg. VII. Reg. IV, 24.

*rr) Berthold p. 299: A: hoc Roudolfus re cum suis omnibus promptissimus oboediebat; sed quia vias per Alpes undique obclusas et insidiarum plenas Heinricus reg sub sua manu obtinuerat, id frustra voluerat, quod nequaguam ad effeckum perducere poterat.

) Bruno c. 107 p. 371. †t) Bruno c. 104 p. 369.