Aufsatz 
Der Krieg Heinrichs IV. gegen Rudolf den Gegenkönig (1077-1080) / Klemer
Entstehung
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ches Vorgehen gegen Heinrich nicht möglich gewesen wäre. Aber wer bürgt uns denn dafür, dass dies nicht vielleicht die geheime Absicht Ottos war? Hatte er doch schon einmal durch den Gerstunger Frieden Rudolf, welcher schon damals die Hand nach der Königskrone ausstreckte, einen Strich durch die Rechnung gemacht; indem schon damals auch ihm der Gedanke nicht fern liegen mochte, selbst bei passender Gelegepheit auf den Thron gelangen zu können. In ganz ähnlicher Lage befand er sich jetzt wieder; hatte er aber damals noch seinen Willen durch- gesetzt, so konnte er dies jetzt nicht, da er jetzt nicht mehr den Einfluss auf die sächsischen Grossen ausübte wie zu jener Zeit, und weil jetzt auch der Papst durch seine Legaten mit in den Gang der Ereignisse eingreift..

Zweierlei aber musste Rudolf doch noch vor der Huldigung versprechen: erstens dass erdie Bistümer nicht um Geld oder Gunst verleihen, sondern einer jeden Kirche gestatten wolle, unter ihrer Geistlichkeit zu wählen, wie die Kirchengesetze es verlangen, und zweitens den Grundsatz anerkennen,dass die königliche Gewalt niemandem, wie bisher der Brauch ge- wEesen war, durch Erbschaft zufallen, sondern dass der Sochn des Königs, wenn er der Krone auch noch so würdig sei, mehr durch freie Wahl als durch das Recht der Nachfolge König werden solle; wenn aber der Sohn des Königs unwürdig sei oder das Volk ihn nicht wolle, so solle das Volk es in seiner Macht haben, zum König zu wählen, wen es wolle.*)

Nach der Wahl zog Rudolf mit seinen Anhängern über Bamberg und Würzburg nach Mainz, wo er am 26. März von dem Erzbischof Siegfried gekrönt wurde. Aber noch an dem- selben Tage entstand ein Aufruhr der Mainzer Bürgerschaft, welche Heinrich treu ergeben war*), gegen den neuen König. Der Aufruhr ward zwar niedergeschlagen und die Mainzer mussten sich unterwerfen und Treue schwören; aber dennoch fühlte sich Rudolf in ihrer Mitte nicht recht wohl***) und begab sich nach Schwaben. Und dies Beispiel der Anhänglichkeit der Bürgerschaft an König Heinrich steht nicht vereinzelt da. Denn ähnlich wie in Mainz war die Stimmung in den meisten übrigen Städten. Auch die Wormser Bürger erhoben sich für Heinrich und ver- trieben ihren Bischof mitsamt den Anhängern Rudolfs aus der Stadt; und nicht anders erging es dem Bischof Adalbero von Würzburg.

Rudolf war über Tribur, Lorsch und Esslingen nach Ulm gezogen, wo er am 9. April eintraf; von hier setzte er die Reise nach Augsburg fort, wo er am 16. April das Osterfest foierte. Bisher war ihm noch alles so ziemlich nach Wunsch gegangen; jetzt aber begann schon ein Umschlag des Glückes einzutreten. Denn die Versuche, den Bischof Embrico auf seine Seite zu ziehen, waren vergeblich, und schon jetzt fingen sehr viele der Grossen an, den neuen König zu verlassen; mit Mühe nur bebielt er noch drei Bischöfe um sich, und zwar die aus ihren Bistümern vertriebenen Adalbero von Würzburg, Adalbert von Worms und Altmann von Passau. Bald nach Ostern hielt er noch eine Versammlung zu Esslingen ab und beschloss nach Burgund zu ziehen, traf aber schon auf dem Wege dahin überall auf Widerstand. In Konstanz konnte er den Bischof Otto nicht für sich gewinnen; in Zürich endlich entschloss er sich zur Umkehr. Pfingsten finden wir ihn noch bei den Aebten in Hirschau(4. Juni 1077)); dann geht er nach Sachsen. Ganz Burgund erhob sich für Heinrich. Die Schuld hierfür schiebt Bert- hold) auf die simonistischen und häretischen Priester, welche überall durch übles Gerede und

*) Bruno c. 91. **) Bruno c. 92 p. 366: quia magis favebant ewregi quam regi. **ε*½) Bruno c. 93 p. 366: reg non habens eis fidem. ) Bernoldi chronicon, Mon. Germ. 88. V. p. 434. Bruno c. 93 p. 366 giebt irrtümlich Erfurt an. †r) Berthold p. 294: Turba autem plebeiorum ab huiusmodi personis seducta, nichil aliud credidit, nichil

æliud egit seu scivit, nisi quod illorum sermociniis et pseudotestimoniis semper audivit. 2