Aufsatz 
Der Krieg Heinrichs IV. gegen Rudolf den Gegenkönig (1077-1080) / Klemer
Entstehung
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Somit erfolgte die Versammlung in Abwesenheit sowohl des Königs als auch des Papstes am 13. März 1077 in Forchheim an der Regnitz in Oberfranken. Man beschloss daselbst ein- mütig, den Königwegen seiner unerhörten vielfachen Schandthaten abzusetzen(da auch der Papst die Unterthanen ihres Eides entbunden und ihnen untersagt habe, demselben zu gehorchen und zu dienen) und an seiner Stelle einen andern zu erwählen. Die päpstlichen Legaten sprachen zwar ihre Verwunderung daräber aus, dass die Fürsten so lange einen so ruchlosen Menschen über sich geduldet hätten, ermahnten aber doch noch zur Vorsicht und rieten, wenn möglich noch nicht gleich zur Wahl eines neuen Königs zu schreiten. Im übrigen gaben sie ihrem Auftrage gemäss den Fürsten anheim, zu thun, was sie für gut hielten, da sie ja am besten die Schwierigkeiten ihrer Lage und was im Interesse des Reichs notwendig wäre, müssten beurteilen können. Der Papst würde gegen keinen Beschluss der Fürsten etwas einzuwenden haben, Auch wurde ein Brief des Papstes*) verlesen, worin er indes nur über das bisherige Verhalten Heinrichs sich aussprach, ohne einen bestimmten Vorschlag für die Zukunft zu machen.

Der Papst lässt also scheinbar den Fürsten vollkommen freie Hand, um keine Verant- wortlichkeit auf sich zu nehmen; in Wirklichkeit aber waren seine Anordnungen und Ermah- nungen der Art, dass er überzeugt sein konnte, dass die Fürsten sogleich zu einer Neuwahl in Forchheim schreiten würden.

Dieselben traten hierauf, geistliche und weltliche gesondert, zur Beratung über die Neu- wahl zusammen und schritten dann zur eigentlichen Wahl. Mit Spannung erwartete man das Votum des Erzbischofs von Mainz, welchem das Recht zuerst seine Stimme abzugeben ohne Be- denken zugestanden wurde. Er nannte den Herzog von Schwaben Rudolf von Rheinfelden, den Schwager Heinrichs sowohl durch seine erste Gemablin Mathilde, eine Schwester Heinrichs, als auch durch seine zweite Vermählung mit Adelheid, der Schwester der Königin Bertha; und ihm stimmten die übrigen Bischöfe und Geistlichen, sodann auch die Laienfürsten zu. Doch ist hier- bei noch ein interessanter Vorgang zu beobachten. Bruno**) bezeugt nämlich, dass aus vielen, welche für würdig gehalten wurden, endlich Rudolf einmütig zum König gewählt sei; woraus hervorgeht, dass Rudolf nicht der einzige Thronkandidat gewesen ist. Man wird dabei aller- dings an niemand anders mehr denken können, als an Otto von Nordheim, den in Sachsen beim Volke so beliebten und angesehenen, durch Heinrich abgesetzten Herzog von Baiern. Doch unter den obwaltenden Verhältnissen waren Rudolfs Aussichten zweifellos von voru- herein die günstigsten, sowohl wegen seiner Freundschaft mit den süddeutschen Herzögen Welf und Berthold als auch wegen seines Verhältnisses zum Papst. Wenn Bruno sodann weiter berichtet, dass Otto sich anfangs geweigert habe Rudolf anzuerkennen, wenn er ihm nicht Genugthuung für das von Heinrich ihm zugefügte Unrecht verspräche, so glaube ich dies sehr gern; und es steht damit durchaus nicht im Widerspruch, wenn Berthold in seinem Bericht***) ganz besonders hervorbebt, dass die Wahl vere non haeretica, utpote totius populi sufragio et laudamento, in non desiderante, nolente et coacto homine legittime vollzogen sei. Denn gerade daraus scheint mir hervorzugehen, dass man versucht hat Bedingungen zu stellen, und dass dies erst(wie Bruno berichtet) durch die päpstlichen Legaten verhindert wurde, damit maun nicht sagen könne, der neue König sei durch Simonie auf den Thron gelangt. Allerdings muss man zugeben, dass, wenn Otto hartnäckig auf seiner Bedingung bestand, die ganze Wahl in Frage gestellt wurde, da ohne Welf, den jetzigen Inhaber des Herzogtums Baiern, ein sol-

*) Jaffé, Mon. Greg. Epp. Coll. 20. ar) Brunonis de bello Saxonico liber c. 91. Mon. Germ. 88. V. p. 365. ***) Berthold p. 292.